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Ein Streifzug durch
Londons Weinszene.

Die Weltstadt London ist inzwischen auch Weltweinstadt ­– die frühere Vorliebe für Sherry, Port und große Franzosen ist einer interessierten Offenheit gewichen. Londons Begeisterung für Champagner kleiner Winzer ist dabei ebenso groß wie jene für deutsche Rieslinge. Und viele Weinbars schmücken sich sogar mit dem einen oder anderen deutschen Spätburgunder. 

In der britischen Hauptstadt herrscht eine internationale, rege, außergewöhnliche Weinkultur. Welche Rolle spielt dabei der deutsche Wein im Allgemeinen – und die Weine des VDP im Besonderen? Dazu haben wir vier Größen der Londoner Weinszene interviewt. Unser Weg führt uns in eines der luxuriösesten und teuersten Hotels der Welt, in ein 2- Sterne-Restaurant, eine preisgekrönte Weinbar und zu einem Weinhandel, der sich auf deutsche Weine spezialisiert hat – sicher auch weil die Inhaberin eine gebürtige Deutsche ist. Bei ihr beginnen wir.

Iris Ellmann, The Wine Barn

„England hat den aufregendsten und diversesten Weinmarkt der Welt.“

The Wine Barn ist weithin bekannt für hochwertige, moderne deutsche Weine. Während der letzten Jahre erweiterte Inhaberin Iris Ellmann, die mit augenzwinkerndem Anerkennen Queen of Grapes genannt wird, ihr Angebot um eine Kollektion prämierter Weine. 2019 wurde The Wine Barn wiederholt zum UK Specialist of the year in der Kategorie Germany des IWC gekürt und im Decanter World Wine Awards zum Specialist Retailer of the Year-Germany. Nach Meinung von Iris Ellmann hat England den aufregendsten und diversesten Weinmarkt der Welt. „Deutsche Weine waren über die Jahrzehnte mal mehr und mal weniger ein wichtiger Teil davon.“ Ihre Herausforderung vor 19 Jahren, als sie an den Start ging: „Ich wollte mit der Firmengründung dafür sorgen, dass der moderne deutsche Wein wieder fester Bestandteil wird und zeigen, dass wir erneut einen seriösen Platz verdienen.“ Tatsächlich ist ihr das gelungen. Das liegt an ihrem Engagement, ihrem Talent neue Trends aufzuspüren und ihrem tiefen Verständnis der englischen (Weinliebhaber-)Seele. 

Es liegt aber auch sicher daran, dass sich inzwischen Vieles beim Deutschen Wein getan hat, nicht zuletzt durch die Pionierarbeit des VDP. „Die alte Generation der englischen Weinliebhaber denkt immer noch, deutscher Wein wäre billig und süß. Sie hält an den französischen Burgunderweinen fest“ sagt sie. Das sei nun anders. „Die jüngere Generation ist vollkommen offen. Sie lässt sich für trockene Rieslinge und vor allem Spätburgunder begeistern.“  Iris Ellmann war übrigens die erste, die den Spätburgunder nach England brachte. 220 VDP.Weine hat sie inzwischen auf Lager – vom VDP.Klassiker bis zum Newcomer. Hauptkriterium, um in ihre Auswahl zu kommen: die Weine müssen „mich berühren“. Die Winzer, die sie in ihrem Portfolio hat, importiert sie nur exklusiv. Wenn spezielle Anfragen kommen, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um auch diese Wünsche zu erfüllen.


Marco Iacarino, The Berkeley

„Lustig ist, dass Hanno Zilliken seinen Kellerschimmel wie ein Haustier behandelt.“ 

Wünsche erfüllen in jeder Hinsicht – das trifft auch die Philosophie im Luxushotel The Berkeley in Knightsbridge. Es liegt nur einen kurzen Spaziergang vom Hyde Park und dem Kaufhaus Harrods entfernt. Service, Stil und Küche befinden sich allesamt auf gehobenem Niveau. Die Weinkarte des mit 2 Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants von Marcus Wareing im The Berkeley bietet eines der besten Weinsortimente Londons. Verantwortlich dafür ist Marco Iacarino, frisch gebackener Head of Wine The Berkeley. Zunächst interessiert uns bei der exzellenten Küche die Frage: Mit welchen Gerichten würde er VDP.Weine kombinieren? Mr. Iacarinos Antwort zum Nachkochen und Nachschmecken: „Sicherlich eine ideale deutsch-britische Kombination ist schottische Jakobsmuscheln serviert mit Kräutern wie Dill und Butterschaum mit einem Riesling GG von Peter Lauer! Thailändisch würzige Speisen wiederum harmonieren mit Weinen aus dem Hause Zilliken. Hier braucht es etwas Restzucker, um den würzigen Geschmack auszugleichen.“ Beides würden wir am liebsten sofort ausprobieren.  Aber wir sind ja auch wissenshungrig: Was beindruckt ihn an den beiden VDP.Weinen? „Peter Lauer’s Weine sind wunderbar fokussiert. Und auch die Weine von Geltz-Zilliken sind großartig. Lustig ist, dass Hanno Zilliken seinen Kellerschimmel wie ein Haustier behandelt: urkomisch, aber es zeigt die Sorgfalt für seine Arbeit.“ Außer den beiden genannten VDP.Winzern zählt Marco Iacarino auch Fritz Haag, Peter Keller, Schäfer-Fröhlich und Kühling Gillot zu seinen Favoriten. Gut möglich, dass bald weitere in seine Auswahl kommen: „Ich habe erst vor drei Monaten im Berkeley angefangen!“ Wir nehmen mit: Der VDP hat bei der jungen Generation auf jeden Fall einen Stein im Brett.


Igor Sotric, The Dorchester

„Zeit, Riesling als eine der besten Sorten wiederzuentdecken.”

Brechen wir auf zum nächsten Hotel, dieses mal geht es zu Igor Sotric, Head Sommelier und Wine Buyer im China Tang at the Dorchester. Das Dorchester ist ein Fünf-Sterne-Luxushotel und ebenfalls am Hyde Park gelegen. Es zählt zu den prestigeträchtigsten und teuersten Hotels der Welt. Nach seiner idealen kulinarischen Kombination mit VDP.Weinen befragt, fällt Igor Sotric gleich ein Wein ein, dem es auch nicht gerade an Prestige mangelt: der Scharzhofberg Riesling von Egon Müller. Dazu kann er sich wie sein Kollege Marco Iacarino Jakobsmuscheln vorstellen – allerdings, der Küche seines Restaurants gemäß, in Wan Tans verpackt. Seine Begegnungen mit VDP.Weinen begann mit Schloss Vollrads; viele weitere hat er schätzen und lieben gelernt. Das zeigt schon ein kurzer Blick auf die Weinkarte des Restaurants, wo man Weine aus den verschiedensten deutsche Regionen findet: Ahr, Mosel, Saar, Rheingau, Rheinhessen, Baden, Franken... Nach seinen VDP.Favoriten befragt, nennt er gleich vier: „Wittmannin Rheinhessen, JJ Prüm von der Mosel, Keller aus Baden und Meyer-Näkel von der Ahr.“ Aber ganz besonders beeindruckt hat ihn „Egon Müller, der Meister des Rieslings“. So vielfältig sein Angebot auch ist: Ganz allgemein glaubt Igor Sotric, dass es an der Zeit sei für die Briten, „Riesling als eine der besten Rebsorten wiederzuentdecken.“ Das hören wir gern und verabschieden uns aus dem eindrucksvollen Ambiente des Dorchester.


Charlie Blighton, Noble Rot

„Das Preis-Leistungs-Verhältnis der meisten deutschen Weine ist unglaublich gut.“

Unsere letzte Station führt uns in die preisgekrönte Weinbar Noble Rot mit angeschlossenem Restaurant. Die Bar gibt auch eine Weinzeitschrift unter ihrem Namen heraus, die für unsere deutschen Verhältnisse zumindest vom Look her very crazy daherkommt. Ganz entspannt dagegen begegnet uns Chef Sommelier Charlie Blighton. Wir fragen ihn gleich: Was ist so besonders an seiner Bar? „Wir tun alles dafür, dass unsere Liste immer gut bestückt ist mit guten Weinen über alle Preise und Stile hinweg.“ Und: „Wir haben ein sehr dynamisches, sich ständig änderndes Sortiment – aber unsere Kunden wissen, dass sie bei uns in auf jeden Fall in guten Händen sind. Und dass wir sie jedes Mal mit einer anderen großartigen Flasche Wein bekannt machen.“ Dazu zählen selbstverständlich auch VDP.Weine. Kann er sich an seine erste Begegnung mit dem VDP.Adler erinnern? „Nach einem langen Tag mit Weinbergsbesuchen gab es als Aperitif eine Flasche JJ Prüm Kabinett Riesling Graacher Himmelreich 2012 zu trinken. Was für eine Gaumenerfrischung!“ Aktuell bekommt man bei ihm um die 20-30 Weine von etwa 20 VDP.Winzern zu kaufen und zu trinken. Ganz besonders schätzt er das Weingut Heymann-Löwenstein: „Die Akribie, mit der er die Unterschiede der einzelnen Lagen in seinen Weinen herausarbeitet – das ist beeindruckend.“ Im Großen und Ganzen sieht er für deutsche Spitzenweine auf dem englischen Markt noch viel Luft nach oben. Denn: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis der meisten deutschen Weine ist unglaublich gut, man bezahlt mindestens das Vierfache des Preises für z.B. den weißen französischen Burgunder ähnlicher Qualität.“

 

Mit diesem Satz und den vorhergehenden Gesprächen im Gepäck verlassen wir die Bar und beenden unseren kleinen Streifzug durch London. Unser Gefühl: Deutsche Spitzenweine wie die des VDP haben einen festen Platz in der weltoffenen Hauptstadt des ehemaligen Empire. Und sie haben die Aussicht, auch hier wieder zu der Wertschätzung zu kommen, die sie zur Zeiten der Königin Victoria einmal innehatten.