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VDP.Zeitleiste

2. Juli 1897

Weine von Weltruf

Weißweine aus Deutschland gehören zusammen mit roten Bordeaux zu jedem Menü. Gemeinsam mit den mit den Crus classés aus dem Médoc zählen „Hocks“ und „Moselles“ zu den besten Weinen der Welt.

1898

Gründung Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer

Als Reaktion auf die allgegenwärtigen Weinfälschungen und die Begehrlichkeiten des Handels schließen sich Naturweinproduzenten in mehreren Regionen zusammen. Die Originalabfüllung von Weinen aus Lagen von Weltruf ist ihr Qualitätsversprechen.

Um 1900

In Auerbachs Keller

Die prestigeträchtigsten Weißweine aus Deutschland sind so teuer wie die Großen Gewächse aus Bordeaux.

23. Februar 1902

Präsidenten-Frühstück

Prinz Heinrich von Preussen offeriert dem amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt eine rheinische Auslese des Jahrgangs 1893

1910

Weltausstellung in Brüssel

Auf der letzten Weltausstellung des „langen“ 19. Jahrhunderts feiern die „Hocks“ und „Moselles“ aus Deutschland abermals Triumphe.

1910

Der VDNV wird gegründet

Am 27. November 1910 schließen sich vier Vereinigungen von Naturweinversteigerern zum VDNV zusammen. Die Gründungsmitglieder kommen aus dem Rheingau, aus Rheinhessen, aus der Pfalz und von Mosel, Saar und Ruwer. Vorsitzender wird der Trierer Oberbürgermeister Albert von Bruchhausen.

1913

German Natural Wines

Schon vor dem Ersten Weltkrieg mehren sich die wirtschaftlichen Krisenzeichen. Mehrere Jahre in Folge bringen schlechte Ernten.

1914

Tod im Elsass

Ludwig Bassermann Jordan, Bürgermeister von Deidesheim, Vorsitzender der Naturweinversteiger der Rheinpfalz, und Mitglied der Jury in Brüssel 1910, fällt wenige Tage nach Beginn des Krieges.


1915

Wein und Krieg

Frauen und Kriegsgefangene ersetzen im Weinberg und in Keller die Männer, die im Feld stehen, Der Jahrgang 1915 wird einer der besten des 20. Jahrhunderts.

1918

Trier

Während der Novemberrevolution werden in Trier die Weine des sehr guten Jahrgangs 1917 versteigert.

1919

Weimarer Verhältnisse

Durch den Versailler Vertrag verliert das Deutsche Reich Elsass-Lothringen, das bis anhin größte Weinbaugebiet. Die Qualitätsweinbaugebiete links des Rheins liegen auf unabsehbare Zeit in der französischen Besatzungszone. Die Ausfuhr von Wein und Sekt erreicht nie mehr das Niveau der Vorkriegszeit.

1921

Ein Jahrhundertjahrgang

Der 1921er sollte für viele Jahre der Menge wie der Güte nach letzte große Jahrgang sein. Wer die Weine 1923 versteigern muss, erhält Papiergeld, das wegen der Inflation bald nichts mehr wert ist.

1925

Der VDNV wächst

Nach den Naturweinversteigerern von der Nahe schließen sich auch Badener Weingüter dem VDNV an. In Franken scheitert ein Gründungsversuch.

1925

Ein Verbandszeichen

Der stilisierte Reichsadler mit Trauben als Brustschild – eine Schöpfung anlässlich der ersten (und letzten) Reichsausstellung Deutscher Wein in Koblenz 1925– wird in einer Adaption des Trierer Graphikers Fritz Quandt zum Markenzeichen des VDNV.

1927

80. Geburtstag

Aus Anlass des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg am 2. Oktober 1927 stellen die Mitglieder des VDNV ein Kollektion deutscher Spitzenweine zusammen ...

1927

Deutsches Weinmuseum

Der Trierer Oberbürgermeister von Bruchhausen tritt aus Altersgründen in den Ruhestand, bleibt jedoch an der Spitze des VDNV. Dass am 13. Juli 1927 in Trier das „Deutsche Weinmuseum“ eröffnet wird, ist auch sein Verdienst.

1930

Flaschenbild

Der VDNV reagiert auf die zunehmende Absatzkrise mit der Einführung eines gemeinsamen Flaschenschildes. Es soll „die Aufmerksamkeit des Weintrinkers auf das Weingut und den Verband mehr als bisher“ lenken, aber den naturreinen Weinen vorbehalten sein, die eigenen Keller abgefüllt sind.

1932

Straußwirtschaften

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und der Zusammenbruch vieler Weinhandlungen zwingen viele Naturweinversteigerer, den Absatz ihrer Weine selbst in die Hand zu nehmen.

19334

Angegliedert

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird der VDNV nicht aufgelöst, sondern dem Reichsnährstand angegliedert. Als Vorsitzender ersetzt NSDAP-Kreisbauernführer Jakob Werner (Rüdesheim) den Zentrumspolitiker Bruchhausen.

1935

25 Jahre VDNV

Auch die Nationalsozialisten propagieren die Naturwein-Idee. Weinbaupolitik dient dem „Schutz eines alten Berufsstandes“ und ist „von hoher grenzpolitischer Bedeutung“.

1938

Arischer Weinhandel

Fünf Jahre nach der Machtübernahme hat sich der „arische“ Weinhandel so weit etabliert, dass die Nationalsozialisten die jüdischen Händler und Kommissionäre wirtschaftlich zugrunde richten können. Den preußischen Domänen wird verboten, Wein an Nichtarier zu verkaufen. Die Mitglieder des VDNV werden angehalten, ebenso zu handeln.

1939

Internationaler Weinbaukongress in Bad Kreuznach

Wenige Tage vor dem Überfall auf Polen versammeln sich Fachleute aus aller Welt in Bad Kreuznach zu einem Internationalen Weinbaukongress. Deutschland gilt dank herausragender Leistungen auf dem Feld der Forschung als Vorbild schlechthin.

1940

Versteigerungsverbot

Anders als während des Ersten Weltkriegs sind Weinversteigerungen von 1940 an verboten.

1944

Blut und Boden

Bis zur Einstellung der Weinzeitschriften ist Durchhaltepropaganda zu lesen.

1945

Die Stunde Null?

Weinberge, über die die Front hinweggegangen ist, sind verwüstet. Der Bombenkrieg hat viele Zentren des Weinhandels, darunter wie Mainz und Bingen, zerstört.

1947

Unter alliierter Besatzung

An eine Wiederaufnahme des Weinhandels und der Versteigerungen ist vorerst nicht zu denken. Die Besatzungsmächte beschlagnahmen Wein zur Versorgung ihrer Truppen und setzen einzelne Partien im Interzonenhandel sowie im Außenhandel als Tauschmittel für lebenswichtige Güter ein.

1949

Auferstanden aus Ruinen

Noch vor der Gründung der Bundesrepublik wird in Trier die erste Nachkriegsversteigerung abgehalten. Vorsitzender des VDNV wird Dr. Alfred Bürklin, der langjährige Vorsitzende der Pfälzer Naturweinversteigerer und seit 1937 Stellverteter Jakob Werners. Bürklin wird dieses Amt bis 1967 innehaben. In allen Regionen treten Inhaber von VDNV-Weingütern in den (ehrenamtlichen) Dienst von Weinbauverbänden, nicht selten als deren Präsidenten. Auch im Vorstand des Deutschen Weinbau-Verbands werden Naturweinversteigerer aktiv.

1955

Ein neuer Regionalverein

Durch die deutsche Teilung hat Franken seine wichtigsten Absatzgebiete in verloren. Die Naturweinerzeuger orientieren nach Westen und treten als Regionalverband dem VDNV bei.

1955

Die Spitzenweine sind zurück

Im Mittelpunkt der ersten Spitzenweinversteigerung nach dem Krieg stehen die Weine des 1953er Jahrgangs. Die Veranstaltung im Wiesbadener Kurhaus findet in der Fachwelt wie in den Medien ein breites Echo. Weitere Versteigerungen von Spitzenweinen finden in den Jahren 1969, 1974, 1978, 1981, 1985, 1991 und 1997 statt. Franken wird Mitglied.

Ca. 1956

Spitzenhotellerie

In der englischen Spitzenhotellerie und -gastronomie sind deutsche Grands Crus noch immer so begehrt wie die französische.

1960

Auflösungserscheinungen

Die Vermarktung von Flaschenwein lässt die Versteigerungen in den Hintergrund treten. Die Zahl der Mitglieder in den Regionalvereinen sinkt beständig. In der Pfalz geben vor allem die Genossenschaften den Naturweingedanken auf.

1963

Notstand

Die in Frankreich bei der Rotweinerzeugung übliche Anreicherung von Weinmost wird im VDNV als „Notstandsmaßnahme“ genehmigt. Naß- oder trockengezuckerte Weine dürfen das Verbandszeichen nicht tragen.

1969/71

Neues Weingesetz

Das neue Weingesetz verbietet die Verwendung des Begriffs „Naturwein“. Nicht mehr die Herkunft ist entscheidend, sondern die (geprüfte) Qualität im Glas. Die Prädikate wie Kabinett, Spätlese u.a. bemessen sich ausschließlich nach dem Mostgewicht.

1971

In letzter Minute

Nach der Abschaffung des Begriffs „Naturwein“ steht der VDNV vor der Auflösung. Peter von Weymarn kann die 16 Vertreter der nur noch 75 Mitgliedsbetriebe umstimmen.

1974

Weinbörse

In Mainz wird die Rheinhessischen Weinbörse ins Leben gerufen. Sie soll die nahezu überall aus der Übung gekommenen Versteigerungen ersetzen. Heute ist die Mainzer Weinbörse, die jeweils am letzten April-Wochenende stattfindet die einzige Fachmesse für VDP-Spitzenweine.

1975

Auf der Suche nach einer neuen Identität

In den 70er und 80er Jahren werden nur selten große Weine erzeugt. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter, wie der VDNV nun heißt, tritt auf der Stelle.

1978

Graf Matuschka

Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, der Eigentümer des traditionsreichen Rheingauer Weingutes „Schloss Vollrads“, wird zum Präsidenten des VDP gewählt. Mit seinem Anliegen, deutsche Weine und Speisen zu verbinden, eröffnet Graf Matuschka dem deutschen Qualitätsweinbau wie der deutschen Gastronomie neue Horizonte.

1981

Eine Spitzenweinversteigerung

Auf dem Höhepunkt der Erzeugung von Massenweinen und der Süßweinwelle veranstaltet der VDP am 19. November 1981 in der Mainzer Rheingoldhalle wieder eine „Versteigerung Deutscher Spitzenweine“. Der VDP bekräftigt die Bindung der Qualität des deutschen Weins an die Lage und die Pflege der bewährten Rebsorten. Dem Verband gehören 161 Betriebe mit 2575 Hektar Rebfläche an.

1982

Auf neuen Wegen

Gut zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des Weingesetzes beschließen die Mitglieder des VDP, verbandsintern höhere Qualitätsstandards verbindlich zu machen. Unter anderem werden die Mindestmostgewichte für Prädikatsweine angehoben. Alle Betriebe werden verpflichtet, den Traubenadler als Verbandszeichen zu führen. Der Grundstein für den Aufbau einer Marke ist gelegt.

1986

Skandal

Einige Regionalvereine gehen dazu über, ihre Weine auf wichtigen Auslandsmärkten zu präsentieren. Mehrere Skandale, allen voran der der Glykolskandal, der im Sommer 1985 publik wird, wirft deren Bemühungen um Jahre zurück. Auch deutsche Spitzenweine werden in Japan oder den Niederlanden unverkäuflich. Die Ausrichtung des VDP auf die Wahrung von Qualitätsstandards zeitigt neue Früchte. In Baden und am Mittelrhein schließen sich ambitionierte Weingüter zu Regionalverbänden zusammen und erhöhen deren Zahl auf neun.

1990

Eine neue Ära

Mit der Wahl von Michael Prinz zu Salm-Salm (Wallhausen) zum Präsidenten beginnt eine neue Ära. Die Weingüter führen strengere Erzeugungsregeln ein. Bis zum Jahr 2010 scheiden 73 Betriebe aus, 108 werden neu aufgenommen.

1994

Selbstbeschränkung

Die VDP-Güter versuchen Fehlentwicklungen des deutschen Weingesetzes durch weitere Selbstbeschränkungen zu korrigieren. Nach heftigen Diskussionen wird beschlossen, bei der Bezeichnung der Weine auf die Verwendung von Großlagennamen zu verzichten. Die Hervorhebung der selektiven Handlese ist die Antwort auf den zunehmenden Einsatz von Vollerntern. In Anwesenheit des englischen Weinkritikers Hugh Johnson beschließen die VDP-Mitglieder, eine eigenständige Klassifikation der deutschen Weinbergslagen zu erarbeiten.

1995

Terroir

In vielen Regionen setzt eine Rückbesinnung auf die Bedeutung des terroir für die Weinqualität ein. Immer mehr Lagenklassifikationskarten aus dem 19. Jahrhundert werden wiederentdeckt.

1998

Tradition

In Trier und in Kloster Eberbach finden nach wie vor Versteigerungen statt. Betriebe aus Rheinhessen und von der Ahr schließen sich der Herbst-Versteigerung in Bad Kreuznach an.

1999

Höhenflug

Der Traubenadler erhält seine gegenwärtige Gestalt.

2002

Ein neues Klassifikationssystem

Ein verbandinternes Klassifikationssystem soll die besten Elemente der romanischen und der deutschen Weinbautradition verbinden. Nach und nach unterscheiden die VDP Weingüter zwischen Guts- und Ortsweinen, klassifizierten Lagenweinen sowie Grossen bzw. Ersten Gewächsen.

2007

Ein neuer Präsident

Steffen Christmann (Gimmeldingen) übernimmt die Präsidentschaft von Michael Prinz zu Salm-Salm.

2010

100 Jahre VDP

Im hundertsten Jahr des Bestehens des VDP wird der Regionalverband Sachsen-Saale-Unstrut gegründet.

2017

Tranchot-Müffling Karten wiederentdeckt

Ein topographisches Kartenwerk aus napoleonischer Zeit zeigt den Umfang der Weinberge an Ahr, Rhein, Mosel und Nahe.

2018

Erste Parlamentarische Weinprobe

Der VDP präsentiert Spitzenweine aus allen 13 Anbaugebieten.