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SARAH HEYMANN-LÖWENSTEIN © VDP.Weingut Heymann-Löwenstein by Andreas Durst

HEYMANN-LÖWENSTEIN (VDP)

„DIE POESIE UMARMT DIE NATUR.“

SARAH LÖWENSTEIN ÜBER IHRE WEINE UND IHR WEINGUT IN WINNINGEN

Heymann-Löwenstein

Bahnhofstraße 10
56333 Winningen

Tel+49 (0)2606/1919
Fax+49 (0)2606/1909
Mailinfo@hlweb.de
nach Vereinbarung Öffnungszeiten der Vinothek_ Fr und Sa 13.00-18.00 h
Inhaber

Cornelia Heymann-Löwenstein und Reinhard Löwenstein

Kellermeister

Reinhard Löwenstein und Kathrin Starker

Im VDP seit

1997

Rebfläche in Hektar

14,00 Hektar

Flaschenproduktion

80 000

98% Riesling, 2% Spätburgunder

VDP: Was ist das Besondere an Ihrem Weingut?

Sarah Löwenstein: Wir bewegen uns im Spannungsfeld von Kontrolle und Loslassen, von Gefühl und Verstand, von Archaik und Moderne. Diese Haltung leitet uns bei der Arbeit in der Kulturlandschaft und im Keller – und spiegelt sich auch in der Architektur des Weinguts wider: Im Kontrast von historischer Jugendstilvilla und neuer Kelterhalle, im Gewölbekeller selbst mit Orgelpfeifen und Wasserlauf, ganz besonders aber auch im neuen Kubus. Die Fassade aus verkohlten Holzbrettern wird umhüllt von einer aus Edelstahl gefertigten Kalligraphie über die „Ode an den Wein“ von Pablo Neruda. Die Poesie umarmt die Wildheit, der Mensch begegnet der Natur. Geburtsstunde der Zivilisation, Beginn von Kultur – Agrikultur und Basis eines zeitgenössischen Konzeptes von Terroirwein.

VDP: Was ist Ihre Weingutsphilosophie?

Sarah Löwenstein: Wir bewirtschaften ausschließlich Steillagen an der Terrassenmosel, das benötigt viel Wo*Man-Power. Statt Mechanisierung gibt es bei uns Handwerk. Mit Herz, Hand, und Verstand hinterlässt jedes Mitglied unseres großen internationalen Teams persönliche Spuren. Zugleich teilen alle unsere Vision, die verschiedenen Terroirs schmeckbar zu machen. Nachhaltigkeit bedeutet dabei für uns eine beständige Suche nach einem Gleichgewicht – sowohl in ökologischen, ökonomischen als auch sozialen Aspekten des Weinbaus.


VDP: Welchen Weinstil streben Sie an?

Sarah Löwenstein: Unser Umgang mit dem Wein bewegt sich zwischen Gestalten und Sich-Selbst-Überlassen. Durch Spontanvergärung, langes Hefelager im Holzfass und späte Füllung geben wir unseren Weinen den Raum und die Freiheit, den je eigenen Charakter ihrer Lagen zu entfalten. Der Riesling ist der perfekte Spiegel für den Weinberg und für den Keller und den Kopf der Winzer*innen. Terroirweine sind für uns eine kulturelle Alternative zu industriell hergestelltem, globalisiertem Wein auf der einen und vernachlässigter Wildheit, Rohheit auf der anderen Seite.

VDP: Welchen Ihrer Weine würden Sie jemandem empfehlen, der Ihr Weingut noch nicht kennt – sozusagen als Einstieg?

Sarah Löwenstein: Die Schieferterrassen. Der Wein weckt die Neugier auf unsere Einzellagen.


VDP: Auf welchen Wein sind Sie ganz besonders stolz?

Sarah Löwenstein: Auf unvorhergesehene, tolle Entwicklungen von Jahrgängen, denen zunächst kein großes Potenzial zugeschrieben wurde – wie zum Beispiel 2011.

„DIE ARBEIT MIT WEIN IST WIE JONGLIEREN: ES FORDERT GLEICHGEWICHT, FLOW, LEICHTIGKEIT UND KONZENTRATION.“

Schieferterrassen
VDP.gutswein

VDP: Warum sind Sie Winzerin geworden?

Sarah Löwenstein: Das Weingut ist mein Zuhause, hier bin groß geworden. Aber ich bin als Kind nicht durch den Weinberg gelaufen und habe gedacht, dass ich in die Fußstapfen meiner Eltern treten werde. Ich wollte erst mal weg von dem Thema Wein, von Winningen, von der Enge des Moseltals. Also habe ich an der Universität Duisburg-Essen einen Magister in Romanistik, Pädagogik und BWL abgeschlossen. Aber der Wein hat mich nicht losgelassen. Ich habe gemerkt, wie sehr er zu meinem Leben gehört.


VDP: Haben Sie Vorbilder, Mentoren?

Sarah Löwenstein: Eigentlich gibt es unzählige Inspirationen für mich. Meine Eltern haben mir gezeigt, wie sehr es möglich ist, sich selbst im Wein zu verwirklichen. Im Weingut Zind-Humbrecht hat mich der sanfte Rebschnitt und allgemein die Organisation der Bewirtschaftung total fasziniert. Bei Hans-Peter Ziereisen durfte ich ein Vertrauen in den Wein erleben, das mich seitdem begleitet. Aber sehr geprägt hat mich zum Beispiel auch unsere Mitarbeiterin Elzbieta Krzeminska, die seit über 30 Jahren bei uns arbeitet und eine tiefe Kenntnis über die einzelnen Weinberge besitzt.

 

VDP: Was sind Ihre nächsten Ziele?

Sarah Löwenstein: Ich möchte mich stets weiterentwickeln und dabei offen auf Veränderungen reagieren. Jeder Jahrgang richtet dabei neue Herausforderungen an uns und fordert uns auf, die Harmonie zwischen Jahrgang, Weingutsstilistik und Lagencharakter neu zu finden.

VDP: Wie vereinen Sie Tradition und Innovation?

Sarah Löwenstein: Wir denken nicht in diesen Kategorien. So vieles von dem, wie wir arbeiten, ist progressiv und oldschool zugleich. Wir gehen unseren eigenen Weg. Zum Beispiel das Thema Spontanvergärung: Als wir damit begonnen haben, galt es als Novum; früher war es dagegen die einzig mögliche Art der Gärung. Ein anderes Beispiel sind unsere Betriebsstrukturen, die wurden umgestaltet, damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Familie und Beruf bei uns zusammen leben können. Dabei gibt es sicherlich kaum etwas Traditionelleres als Familie.


VDP: Warum sollte man Ihr Weingut noch besuchen?

Sarah Löwenstein: Wein im Spannungsfeld von Feng-Shui, Architektur, Kunst, Kulturlandschaft und wegen unserer Vinothek zum Verkosten und vinophilen Sinnieren.


VDP: Mit was würden Sie Weinmachen vergleichen?

Sarah Löwenstein: Jonglieren ... es fordert Gleichgewicht, Flow, Leichtigkeit und Konzentration.

© Copyrights 2019 

VDP.Weingut Heymann-Löwenstein

Fotos: Andreas Durst, Tobias Vollmer