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Die Geschichte der VDP.Versteigerung

Spitzenweine und Spitzenjahrgänge

Eine Geschichte der Weinversteigerungen in Deutschland vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart
  • Wann in Deutschland erstmals Weine öffentlich versteigert wurden, lässt sich nicht exakt rekonstruieren. Alle Spuren führen jedoch in den Rheingau und die bewegten Jahre nach dem Ende des Alten Reiches. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Besitzverhältnisse durch Säkularisation von Kirchenbesitz zugunsten der neuen Landesherren ebenso umgewälzt worden wie durch die Entschädigung von Adeligen mit Grundbesitz rechts des Rheins, die durch die Annexion des linken Rheinufers durch Frankreich ihre dortigen Besitzungen verloren hatten. Zwei der neuen Landesherren von Napoleons Gnaden, Friedrich-August von Nassau-Usingen und Friedrich-Wilhelm von Nassau-Weilburg, deren Truppen 1802 den bis dahin kurmainzischen Rheingau besetzt und sich dort unter anderem die Liegenschaften und Weinberge der Zisterzienserabtei Eberbach aneignet hatten, lassen erstmals 1804 in Hattenheim und Eltville Weine versteigern. 1806 findet eine erste Versteigerung in den Räumen der vormaligen Abtei Eberbach statt. Aufgekauft wird der Wein von Weinhändlern aus Frankfurt, Mainz, Koblenz und Köln. An schiffbaren Flüssen verkehrsgünstig gelegenen, sind diese Städte seit dem Mittelalter die Zentren des Weinhandels mit „Rheinwein“.  (Weinversteigerung 2006, VDP-Rheingau).
     
  • Von 1816 an werden die Weine aus den Domänen den nunmehrigen Herzogs von Nassau ähnlich den Weinen des ehemaligen fuldischen Schloßguts Johannisberg (nun im Besitz des Fürsten Metternich) versuchsweise in Flaschen verkauft. Das Experiment wird 1825 eingestellt, die Domanial- und Cabinet-Weine fortan hauptsächlich wieder im Fass auf dem Weg der Versteigerung abgesetzt. Auch adelige Güter und bald auch Privatpersonen versuchen ihre Weine auf dem Weg der Versteigerung möglichst gewinnbringend selbst zu vermarkten. Das stetig wachsende Angebot führt im Rheingau seit den 1820er Jahren zur Gründung erster Weinhandlungen und – mit einiger Verzögerung – zur der Etablierung einer (dann stetig wachsenden Zahl von) Maklern (Kommissionären).
  • Die herausragende Ernte des Jahres 1834 lässt in der Domänenverwaltung die lange gehegte Idee Wirklichkeit werden, die Keller von älteren und ganz alten Weinen zu räumen und diese zur Versteigerung zu bringen. Die Ankündigung dieses Jahrhundertereignisses in zahlreichen in- und ausländischen Zeitungen lockt am 14. und 15. März 1836 annähernd 600 Kauflustige „aus allen Weltteilen“ (Schüler 1917, 2) nach Eberbach, „darunter die ersten Weinhändler Deutschlands“ (Struck 1983, 153). Das Experiment gelingt, wenngleich die ältesten Weine – diverse Hochheimer aus dem frühen 18. Jahrhundert – nur auf mäßige Resonanz stoßen. Dasselbe gilt für die legendären 1811er aus dem Steinberg. Das Fass Nummer 85 des 1811er Steinbergers etwa kommt nur auf 1700 Gulden, wenngleich zu beachten ist, dass die älteren Weine nur in kleinen Gebinden zur Versteigerung kommen (Schüler 1917,2).  Für Fass Nummer 85 des Jahrgangs 1834 muss der Herzog von Cambridge dagegen 5010 Gulden anlegen.
  • Wie der Weinbaufachmann Johann Philipp Bronner 1836 in seiner Schrift „Der Weinbaue im Rheingaue. Von Hochheim bis Coblenz“ festhält, setzt setzt der Herzog von Nassau auch kulinarische Anreize, um die Attraktivität der Versteigerungen und damit auch die Nachfrage zu steigern: „Es wird nämlich allen denen Fremden, welche an dem Tage der Versteigerung hier erscheinen, sie mögen Steygerer sein oder nicht, ein Gastmahl gratis gegeben, wobei an guten Weinen nicht gespart wird, und sogar Kabinets-Weine zum Dessert gespendet werden … Diese geistliche Freigebigkeit der Regierung, welcher natürlich Spekulation zu Grunde liegt, gibt indessen durch den Zusammenfluss so vieler Weinliebhaber dem Ganzen bedeutenden Aufschwung, und erhöhet oft sehr die Steigerungspreise.“ (Bronner, Rheingau 96)
  • Die Rheingauer Versteigerungen verschaffen den Rheinweinen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein internationales Renommee, das in der damaligen Zeit nur noch mit dem der crus classés aus dem Médoc und dem Sauternais zu vergleichen ist. In Deutschland wie in England sind weiße Rheinweine zusammen mit französischen Rotweinen, Champagner sowie Süßweinen fester Bestandteil jedes Menüs. Mit Blick auf die Versteigerung von Cabinet-Weinen im Jahr 1853 hält es die Domänenverwaltung für angeraten hielt, die Konsuln des Herzogtums in Bremen, Hamburg, London, Rotterdam und Petersburg Werbung für die Versteigerung machen zu lassen.
  • In den anderen Qualitätsweinbaugebieten Deutschlands, namentlich der Rheinpfalz, an der Mittelmosel und der Saar sowie an der rheinhessischen Rheinfront setzt sich die Idee der Selbstvermarktung der Spitzenweine auf dem Versteigerungsweg nur sehr langsam durch. Zeitungsanzeigen sowie einige gedruckte Versteigerungslisten belegen die Existenz solcher Veranstaltungen. Lagenweine wie im Rheingau scheinen jedoch die Ausnahme zu sein. An der Mosel ist in der Regel von Ortsweinen die Rede („Kaseler“, „Brauneberger“, „Graacher“), einzelne Fässer werden öfters nach ihrem Lagerort („Im Keller von ...“) beschrieben. Überregional bekanntgemacht werden Ort und Zeit der Versteigerungen durch Anzeigen in Weinzeitschriften, vor allem in der 1864 bei Diemer in Mainz verlegten „Deutschen Wein-Zeitung“. Um die Jahrhundertwende erstellen auch Kommissionäre für ihre Kunden eigene, oft mehrseitige Übersichten über die bevorstehenden Weinversteigerungen.
  • Nach einer Serie guter bis sehr guter Jahrgänge ausgangs der 1850er bis Mitte der 1860er Jahre – an Mosel und Saar etwa die Jahrgänge 1857, 1858, 1859, 1862 und 1865 – finden ab Mitte der 1860er Jahre finden auch in der weitab der Hauptverkehrswege gelegenen Stadt Trier mehr und mehr gemeinschaftliche Weinversteigerungen statt. „Die Großgrundbesitzer, die edle Naturweine erzeugen, begannen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen ein allzu großes Angebot an verbesserten Weinen anzukämpfen. Die Naturweinversteigerer waren die ersten, die in einem Zusammenschluss ein geeignetes Mittel erblickten, um den Handel wie die Verbraucher auf ihre naturreinen Erzeugnisse aufmerksam zu machen. Für das einzelne Weingut bedeutete ohnehin die Versteigerung ein großes Risiko, weil sie mit hohen Kosten verbunden, keineswegs immer von Erfolg begleitet war. Verschiedene Besitzer schlossen sich zunächst für eine Versteigerungswoche zusammen und teilten alle Kosten gemeinschaftlich. Lange Zeit bestanden in Trier drei verschiedene Versteigerungsringe, die allerdings nach außen hin nicht in Erscheinung traten, weil sich ihre Versteigerungen unmittelbar aneinanderreihten.“ (Loeb 1922)
  • Ein frühes Beispiel für diese Entwicklung ist die Ankündigung von Versteigerungen an vier aufeinanderfolgenden Tagen im März 1865 sowie Anfang April durch Weingüter wie Felix Müller (Scharzhofberger), Witwe Josef Graach, Erben Rautenstrauch (Karthäuserhof), Kesselstatt (Kaseler) und Beulwitz (Moselweine) den der Deutschen Wein-Zeitung vom 4. Februar 1865. Als Versteigerungszeitraum setzt sich allmählich die dritte Woche nach Ostern durch.
  • 1871 kann die Handelskammer Trier vermerken: „In den beiden letztverflossenen Jahren fanden abermals mit gutem Erfolg in Zyklen von öffentlichen Weinauktionen statt. Diese Einrichtung bewährt sich und scheint bereits den Charakter der Kontinuität zu besitzen.“
  • Im Rheingau wird auf die wachsende Konkurrenz durch andere weiße Spitzenweine aus Deutschland umgehend reagiert. Die Durchschnittspreise, die seit 1816 bei den Versteigerungen der Weine aus den Domanial-Eigentums-Weinbergen des Herzogs von Nassau und diverser adeliger und privater Weingütern erzielt werden, als Grundlage für die älteste amtliche Lagenklassifikationskarte der Welt. Die von Friedrich Wilhelm Dünkelberg erarbeitete „Weinbaukarte für den nassauischen Rheingau“ erscheint im Jahr 1867 in Wiesbaden. Unter dem Eindruck dieser Karte entsteht unmittelbar darauf die „Saar-Mosel-Weinbaukarte für den Regierungsbezirk Trier“. Grundlage der „preußischen“ Lagenklassifikation sind jedoch nicht die Versteigerungserlöse, sondern die Reinertragsberechnungen durch die preußischen Steuerämter. Für das erst 1866 preußisch gewordene Nassau hatten vergleichbare Daten nicht vorgelegen.
  • 1874 wird in Trier der Deutsche Weinbau-Verein ins Leben gerufen. Im Hintergrund steht der (gesetzlich erst 1901 entschiedene) Kampf um die Deutungshoheit über das, was als Wein bezeichnet werden darf. Die kleine, in den besten Lagen begüterten „Großgrundbesitzer“ verteidigen den „Naturwein“ als den einzigen wahren Wein. Niemand verkennt aber die Notwendigkeit, „unselbständige“ Weine durch Zusatz von Zucker oder gezuckertem Wasser so zu „verbessern“, dass die trinkbar werden. Beiden Fraktionen gemeinsam ist der Kampf gegen aus Chemikalien, Obst und Wasser hergestellten Kunstwein oder auch den Rosinenwein. Der Zusatz von Weinhefen zur Beschleunigung der Gärung und von Schwefel zur mikrobiologischen Stabilisierung der Moste beeinträchtigen die „Naturreinheit“ von Weinen nach zeitgenössischer Auffassung nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass die alkoholische Gärung ohne Zusatz von Zucker oder anderen fremden Stoffen von statten geht. Auch Pasteurisierung oder die seit den 1920er Jahren mögliche kaltsterile Füllung durch Einsatz eines Entkeimungsfilters und der anschließende Zusatz von Süßreserve beeinträchtigen die Naturreinheit eines Weines nicht.
  • Nach dem Jahr 1868 wächst am Rhein fast drei Jahrzehnte kein großer Jahrgang. Dagegen machen Mosel und Saar mit Weinen aus den Jahrgängen 1884 und 1886 von sich reden gemacht. 1893 aber übertreffen die Weine am Rhein und allen seinen Nebenflüssen an Menge und Güte alles, was seit Menschengedenken gewachsen ist. Nach dem Urteil von Wilhelm Ruthe, dem langjährigen Pächter des Wiesbadener Kurhauses, stellen die „93er Rheinweine mit ihrer wunderbaren Reife, ihrer Honigsüße und seltenen Harmonie der Geschmacksstoffe ... das Ideal des deutschen Weines dar“. Versteigert wird ein Stückfaß (1200 Liter) 1893er Steinberger Kabinett Trockenbeerenauslese für 69 600 Mark. Er dürfte seinerzeit der teuerste Wein der Welt gewesen sein. N.B.: Eine Mark entspricht dem Wert von 0,36 Gramm Gold, und die Kaufkraft des Goldes ist etwa dreimal so groß wie derzeit.
     
  • Schon ausgangs des 19. Jahrhunderts dreht sich der Wind. Der Export stagniert, die inländische Konkurrenz wird immer größer, zumal immer mehr Produzenten versuchen, ihre Weine zu versteigern, anstatt sie von der Kelter oder im Fass an Händler zu verkaufen. 1897 schließen sich im Rheingau (zunächst) eine Reihe namhafter Produzenten zusammen, um die Versteigerungstermine zu „centralisieren“. „Unsere Vereinigung hat sich lediglich zu dem Zweck gebildet, durch ein möglichst kurzes zeitliches zusammendrängen der Rheingauer Weinversteigerungen den Besuch derselben zu erleichtern“, heißt es ganz prosaisch im Blick auf die Frühjahrs-Versteigerungen 1898. Die Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer (VRW) mit der Preußischen Domäne, Schloss Johannisberg (Fürst Metternich) oder auch ??? als Gründungsmitgliedern orientierte sich dabei den Naturweinversteigerern von der Mittelmosel, der Saar und der Ruwer, um durch Bündelung und Koordinierung der Versteigerungstermine der internen Konkurrenz einen Riegel vorzuschieben. Die gute Absicht ist indes das eine, der Eigensinn der Mitglieder das andere. Im Juli 1901 heißt in dem Geschäftsbericht des Vorstands des VRW, in der Zusammenlegung der Versteigerungen seien „seither bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht worden. Es kann angenommen werden, daß vom nächsten Jahre an die Bereitwilligkeit, an der Centralisierung der Versteigerungen in Eltville und Rüdesheim mitzuwirken, praktische Bethätigung Seitens einer hinreichenden Zahl von Mitgliedern erfährt und daß damit der wichtigste Schritt in der Entwickelung der Vereinigung vollzogen wird.“
  • In Trier nehmen zahlreiche Naturweinversteigerer von der Mittelmosel, aus dem Ruwertal und von der Saar den „großen“ Jahrgang 1893 zum Anlass, sich zu drei „Konsortien“ zusammenzuschließen: die sogenannte Moselgruppe, die Saargruppe und eine gemischte Gruppe unter Führung der Trierer Geistlichkeit. Die Weine werden in drei Zeitkorridoren „nass“ versteigert und erzielen in Spitzenjahren Preise, die zu den höchsten der Welt zählen. Aus dem Jahrgang 1893 werden insgesamt 1567 ½ Fuder zum Durchschnittspreis von 3195 Mark beziehungsweise einem Gesamterlös von mehr als fünf Millionen Mark erzielt. Die Weine des folgenden Jahrgangs erlösen dagegen in 438 ½ Fudern ganze 421 000 Mark. Die 1904er Weine hingegen werden für insgesamt fast 6,1 Millionen Mark versteigert, der Jahrgang 1911 erbringt fast 7,5 Millionen Mark. 1901 bildet sich unter anderem als Reaktion auf die Macht der „Konsortien“ ein „Verband der Weinhändler des Regierungsbezirkes Trier“.
  • Am 8. Oktober 1908 schließen sich in der Rheinpfalz insgesamt 29 Weinproduzenten, darunter zwei Winzervereine, zu einem „Regionalverband“ zusammen. „Durch den Zusammenschluss der Naturwein-Erzeuger der Rheinpfalz ist nicht nur eine Forderung der Neuzeit erfüllt worden“, heißt es ein Jahr später in einem „Führer für die Wein-Versteigerungen des Vereins der Naturwein-Versteigerer der Rheinpfalz“, der auch die detaillierten, zwölf Punkte umfassenden Katalog der Versteigerungsbedingungen enthält. „Er stellt auch eine geschichtliche Konsequenz dar. Denn in der Rheinpfalz ist seit alter Zeit nicht wie anderwärts, Klöster oder andere geistliche Betriebe oder Staatsdomänen, sondern die größeren Privatweingüter Träger des Qualitätsweinbaues und des Weinrenommees gewesen.“ Treibende Kraft hinter diesem Zusammenschluss sind die Deidesheimer Brüder Ludwig und Friedrich Bassermann. In Paragraph 1 der Satzung heißt es über den Zweck des Zusammenschlusses: „Zweck des Vereins ist die Förderung des Weinbaues, Regelung der Weinverkaufsbedingungen, insbesondere der Weinversteigerungen.“ Versteigert werden die Weine zunächst nicht gemeinsam, sondern jeweils im Frühjahr über einen Zeitraum zwischen Ende März und Ende Mai.
  • 1910 schließen sich in Trier die drei herkömmlichen Versteigerungskonsortien zu dem fortan sogenannten „Trierer Verein von Weingutsbesitzern von Mosel, Saar und Ruwer“ zusammen. Zweck des Vereins ist „die Förderung des Weinbaus und die Regelung der Weinversteigerungen“. Wie die Versteigerungen im Rheingau, so ziehen die Versteigerungen des sogenannten „Großen Rings“ in Trier, die zwei Mal im Jahr stattfinden, außer Kommissionären und Händlern zahlreiche Weinenthusiasten aus nah und fern an. Diese lassen sich durch die Aussicht anlocken, gegen eine geringe Zutrittsgebühr zu den „nassen“ Versteigerungen Spitzenweine zu verkosten. Für die Versteigerer ist der Nutzen größer als der Schaden. Die Erzählungen der „Schlachtenbummler“ oder „Schnutentunker“ von ihren Erlebnissen am Rhein und an der Mosel wie auch einschlägige Presseberichte lassen die Versteigerungen zu Ereignissen von nationaler Bedeutung werden. Bilder vor allem der Trierer Versteigerungen haben vor und wie nach dem I. Weltkrieg ikonischen Charakter. Selbst Weine ersteigern können die Zaungäste nicht. Dies ist (bis heute) den Kommissionären vorbehalten, die in eigenem Namen, aber auf fremde Rechnung auf die Weine bieten.  
  • Bei der Frühjahrs-Versteigerung im Rheingau am 17. Mai 1910 kommt eine Beerenauslese Kabinett des Jahrgangs 1904 aus den Besitzungen der Administration des Prinzen Albrecht von Preußen in der Lage Erbacher Marcobrunn zur Versteigerung. Für das Stückfass mit 1200 l werden 48 600 Mark bezahlt. Im Frühjahr 1914 und damit wenige Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs liefert die Firma Wilhelm Ruthe (Wiesbaden) von diesem Spitzenwein sowie von einer 1893 Steinberger Cabinet Trockenbeerenauslese an den Hof des russischen Zaren im Winterpalais in Petersburg. 
  • Im November 1910 entsteht der „Verband Deutscher Naturweinversteigerer“ (VDNV). Treibende Kraft hinter den Zusammenschlüssen der drei Trierer Versteigerungskonsortien wie auch hinter dem Zusammenschluss der Naturweinversteigerervereine aus dem Rheingau, der Pfalz, aus Rheinhessen und von der Mosel ist der Trierer Oberbürgermeister Albert von Bruchhausen (Zentrum). Im Hintergrund wirken die Brüder Bassermann-Jordan aus Deidesheim. Bruchhausen wird – auf Vorschlag der Rheinpfalz - auch erster Präsident des VDNV. Im Protokoll der konstituierenden Versammlung des VDNV, die am 26. November 2010 in Koblenz stattfindet, heißt es unter anderem, Mitglieder des Verbandes sollten nur solche Vereine werden können, deren Satzungen ausschließlich den Absatz selbstgekelterter Naturweine zuließen. Über die Versteigerungen hieß es, es sollte tunlichst vermieden werden, dass die Versteigerungstermine der angeschlossenen Vereine zusammenfinden. Für 1911 sei dies allerdings kaum zu befürchten, da die Mosel Ende März oder Anfang April, Rheinhessen in der zweiten Hälfte des Monats, die Rheinpfalz Anfang Mai und der Rheingau von Mitte Mai ab zu versteigern gedächten.  Für die Zukunft ins Auge gefasst werden sollen eine „gemeinschaftliche Reklame für deutschen Wein, vorzugsweise im Auslande“. Desgleichen eine gemeinsame Ankündigung der Versteigerung der Regionalvereine in Fach- und Tageszeitungen. Diese solle „in Kürze enthalten die Versteigerungstermine der einzelnen Vereine und zusammenfassende Angaben über die Mengen und Jahrgänge der zum Ausgebot kommenden Weine“.
  • Tatsächlich werden die Versteigerungen Mitgliedsvereine des VDNV in den Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in den wichtigsten Londoner Weinfachzeitschrift angekündigt. Sowohl in der „Wine Trade Review“ als auch in Harpers „Wine and Spirit Trade Record“ wird mehrfach die Versteigerung von „German Natural Wines“ in halbseitigen Anzeigen annonciert, zum ersten Mal am 15. Februar 1911.
  • Der Jahrgang 1911 steht - wie der Jahrgang 1811 - buchstäblich unter einem guten Stern. Nach 100 Jahren nähert sich wieder einmal der Halleysche Komet der Erde. Tatsächlich sollten die Weine dieses Jahrgangs zu den besten des 20. Jahrhunderts überhaupt gehören. Die Preise, die auf den Versteigerungen der Jahre 1912, 1913 und 1914 für die besten Weine dieses Jahrgangs gezahlt werden, übertreffen nochmals die kühnsten Prognosen. So wird im Mai 1913 ein Halbstück Schloss Johannisberger Kabinett Edelbeerenauslese zum Preis von 24010 Mark ersteigert, das entspricht einem Preis von 40 Mark pro Liter oder etwa 30 Mark pro 0,75-l-Flasche. Im Mai 1926 steht dieser Wein im Wiesbadener Kurhaus mit 80 Mark auf der Weinkarte der Firma Wilhelm Ruthe. Dieser Betrag entspricht dem Zweifachen des Wochenlohns eines gelernten Arbeiters in der Produktionsmittelindustrie.
  • 1912 stößt als fünfter Mitgliedsverein derer der „Naturwein-Versteigerer an der Nahe“ zu dem VDNV. Paragraph 1 der Satzung lautet: „Zweck des Vereins ist die Förderung des Weinbaues, Regelung der Weinverkaufsbedingungen, gemeinsame Vorbereitungen der Weinversteigerungen.“ Tatsächlich werden die gute eine Handvoll Mitglieder bis zum Zweiten Weltkrieg ihre Weine an jeweils zwei Tagen im späten Frühjahr eines jedes Jahres im Großen Saal des Evangelischen Gemeindehauses in Bad Kreuznach versteigern.
  • Am 10. Mai 1913 findet in Neustadt (Haardt) zum ersten (und letzten?) Mal eine gemeinsame Versteigerung der Art statt, „wie dies schon seit Jahren in Trier üblich ist“ (Bassermann-Jordan 1913, 37 mit Bild) Ausgeboten werden die Spitzenweine des „Hauptjahres“ 1911.
  • Während des Ersten Weltkriegs bleiben die Weinversteigerungen entgegen vielen Forderungen, sie weder ihrer „preistreiberischen“ Wirkung zu verbieten, in Preußen sowie in Hessen erlaubt. In diesen Ländern kommt es ebenfalls nicht zu der staatlichen Festsetzung von Höchstpreisen. Im Rheingau wird das Einschreiten des Kriegswucheramtes in Person eines Kommissars im Winter 1918 u.a. nach einer Intervention des Direktors der Preußischen Weinbaudomänen bald unterbunden werden.
  • In Trier werden die Weine des herausragenden Jahrgangs 1917 nicht erst im Frühjahr 1919 versteigert, sondern im schon im Herbst 1918, näherhin in ersten Wochen nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches. Revolution hin, Spanische Grippe her, von der Besatzung der Stadt erst durch amerikanische und dann durch französische Truppen gar nicht zu reden, kommen zwischen dem 26. November und dem 13. Dezember 1918 „jeden Tag im 12 Uhr beginnend“ insgesamt 1321 ½ Fuder naturreine Weißweine sowie zwei Fuder Rotweine unter den Hammer.
  • Eine besondere Bewandtnis hatte es in den Preußischen Domänen im Rheingau mit der Verwertung des Jahrgangs 1917. Ehe dieser wie üblich nach dem dritten Abstich zur Versteigerung gebracht werden konnte, war der Krieg zu Ende. Doch nicht nur das: Rudolf Gareis, der gerade erst zum Nachfolger des legendären Weinbaudirektors Andreas Czéh bestellt worden war, musste befürchten, dass die Franzosen sich an den in ihrem rechtsrheinischen Brückenkopf liegenden Rheingauer Domänen schadlos halten würden. Unter widrigsten Umständen vermochte es Gareis im November 1918, einen Großteil der besten Rheingauer Weine der vergangenen Jahre den Franzosen zu entziehen – wie einst Herzog Adolph die Cabinet-Weine den Preußen. Nur dass die preußischen Weine 1918 nicht mehr „königlich“ waren und sie in Würzburg überwinterten anstatt (wie 1866) in Straßburg. Als die Steinberger, Marcobrunner, Rüdesheimer, Assmannshäuser und Hochheimer im Jahr 1919 in den Rheingau zurückgeführt und im Dezember versteigert wurden, war der Andrang im Paulinenschlösschen in Wiesbaden so groß, dass Gareis um drei Gendarmerie-Wachtmeister „zur Aufrechterhaltung der Ordnung“ nachsuchte. Einer dieser Weine, Faß 70 Rauenthaler Balken Trockenauslese aus der (nun nicht mehr Königlich) Preußischen Domäne, gilt als der größte Wein des Jahrgangs 1915. Bei der Versteigerung erzielt dieser Wein einen Preis von 600 Mark pro Flasche. Im Wiesbadener Kurhaus kann man im Mai 1926 eine Flasche dieses Weins für 100 Mark erstehen.
  • An der Mosel werden die Weine des herausragenden Jahrgangs 1920 schon im Herbst des Folgejahres 1921 versteigert. Otto Wolfgang Loeb (1898-1974) hält als Augenzeuge wenige Jahre später fest, die Beteiligung von Ausländern sei sehr groß gewesen, die Preise wiederum seien in „schwindelnde Höhen“ gestiegen. „Der Handel musste gegen seinen Willen zu den höchsten Preisen ansteigern, um seine Lager an Qualitätswein zu ergänzen.“ Sorgenvoll heißt es 1922 weiter: „Niemand weiß, ob bei dem schwankenden Geldwert nach 1-2 Jahren, wenn die Weine flaschenreif geworden sind, sich noch Abnehmer finden werden, die gewillt sind, Preise von 100, ja 200 und mehr Mark für die Flasche anzulegen.“ (112) Tatsächlich vernichtet die Hyperinflation der Jahre 1922/23 auch im Weinhandel enormes Kapital. 
  • Bei den Versteigerungen der Jahre 1922 und 1923 kommen an Rhein und Mosel Spitzenweine des Jahrgangs 1920 sowie eine große Menge 1921er Weine auf den Markt. Doch nicht nur die Inflation lässt die Versteigerungserlöse zur Makulatur werden, sofern sie sich schnell in Sachwerte investiert werden. Viele der schon im Lesejahr hochgelobten 1921er erweisen sich als Enttäuschung, weil sie zu schnell ausgebaut und zu früh gefüllt wurden. „Auch setzten“, so Wilhelm Ruthe im Rückblick des Jahres 1927, „die zum Teil unvergorenen Stoffe der zu früh abgefüllten Weine dem Trinkenden körperlich etwas mehr zu, so dass man begann, vor diesem ,Witwenwein` zu warnen.“ Ansonsten sollte sich die Prognose bewahrheiten, dass der „richtig ausgebaute 1921er ..., und ganz besonders die noch längst nicht fertigen Auslesen, ... zu den schönsten Hoffnungen“ berechtigten. Sie würden dereinst eine „Kellerzierde des Weinkenners und Sammlers“ sein.
  • Im Mai 1923 besetzen die Franzosen im Zuge der Verschärfung ihrer Reparationsforderungen auch die preußischen Weinbaudomänen an der Nahe, Mosel und Saar sowie im Rheingau. Bis zum Ende der Besatzung im September 1924 später verkauft das Comité Directeur des Fôrets mehrere hundert Partien im Faß an die üblichen Kommissionäre und Händler. Dem preußischen Landwirtschaftsministerium in Berlin gelingt es in letzter Minute, wenigstens die Spitzenweine dem Zugriff der Franzosen zu entziehen. Unter Vermittlung der in Bad Kreuznach ansässigen Familie Anheuser, die mit den Besitzern des amerikanischen Bierimperiums Anheuser-Busch verwandt ist, werden die Spitzenweine im Fass an die in Frankfurt und damit außerhalb des französisch besetzten Rheinlandes ansässige Weinhandlung H. & L. Nicolaus („Nicolaus und Anheuser“) verkauft. Diese verpflichtet sich, die Spitzenweine nach Erreichen der Flaschenweine in Deutschland zu versteigern. Erste Weine kommen an der Nahe schon 1924 zur Versteigerung. Den Höhepunkt bildet eine Versteigerung, die am 26. April 1926 im Wiesbadener Paulinenschlöchen Weine stattfindet. Zur allgemeinen Begeisterung werden aus allen Lagen der Staatlichen Weinbaudomänen versteigert. Eine 1921er Erbacher Markobrunn Trockenbeerenauslese erzielt einen Preis von 65,50 Mark je Flasche. (Ruthe 99)
  • Versteigerungskataloge aus dem Rheingau, in denen, wie in einem von Schloß Johannisberg vom 14. Mai 1926, während des Geschehens die Preise und die Namen der Ansteigerer vermerkt wurden, lassen die große Bedeutung jüdischer Kommissionäre und Weinhändler für den Rheingauer Weinhandel erkennen. Namen wie Leo Levitta u. Söhne, Heymann und Hallgarten mischen sich mit Söhnlein, Sieben oder Brogsitter. Bis 1938 werden die Nationalsozialisten alle (nach ihrer Definition) jüdischen Händler und Kommissionäre ins Exil getrieben oder aus dem Markt gedrängt haben.
  • In Trier werden die großartigen 1937er Weine im Frühjahr 1939 und damit einige Monate vor dem Ausbruch des Krieges versteigert – allerdings zu restriktiven Bedingungen wie den Höchstpreisen, die 1937 dem sogenannten „Große n Ring“ wie allen anderen Weinversteigerern von dem Reichskommissar für Preisbildung diktiert worden waren. Die nächste Versteigung in Trier, so ist Anfang 1940 einer Annonce in der Zeitschrift „Der deutsche Weinbau“ zu entnehmen, solle vom 16. bis zum 18. April stattfinden.  Kurzfristig wird sie wie alle allen Versteigerungen verboten. Im Hintergrund dieser Entscheidung stehen die Umstellung auf Kriegswirtschaft, der stetig steigende Bedarf der Wehrmacht und auch das nahende Ende des „Sitzkrieges“ zwischen Nazi-Deutschland auf der einen und Frankreich und Großbritannien auf der anderen Seite. Tatsächlich überfällt Deutschland am 10. Mai die bislang neutralen Staaten Belgien, Luxemburg und die Niederlande.
  • Es dauert mehr als zehn Jahre, bis die Tradition der Weinversteigerungen wiederaufgenommen werden kann. Nach sechs Jahren Krieg, drei Jahren französischer Besatzung mit drakonischen Beschränkungen für den Weinverkehr und ein knappes Jahr allmählicher Normalisierung (nach der Währungsreform), kommen Mitte Februar 1949 in Trier „Spitzenweine eines Spitzenjahrgangs“, wie es später in der „Deutschen Wein-Zeitung“ heißt, unter den Hammer: 133 Fuder des Jahrgangs 1947 sollten laut dem Versteigerungskatalog ausgeboten werden, dazu eines aus Jahr 1945 und 1500 Flaschen 1943er.  Die zweitägige Versteigerung endet triumphal. Und das trotz des Fehlens der weißen Brötchen, „die zur Versteigerung gehören wie der Wein selbst, da durch das Kauen von Brot zwischen den einzelnen Proben der Geschmack immer wieder neutralisiert werden muß, um Zunge und Gaumen für die feinen Geschmacksstoffe des Weinen empfindlich zu halten“. Die 21 Mitglieder des Trierer Vereins, die sich an der Versteigerung beteiligen, erlösen insgesamt mehr als 1,12 Millionen Mark. Der Löwenanteil dieser Summe, 707 000 Mark, entfällt auf die im Fass versteigerten Saarweine, obwohl mit Forstmeister Geltz (Saarburg), Weißebach (Kanzem) und van Volxem (Wiltingen) namhafte Betriebe fehlten. Als teuerster Wein entpuppt sich ein im Februar 1949 ein Dhronhofberger aus den Kellern des Bischöflichen Priesterseminars. Für das halbe Fuder 1945er (angekündigt worden war ein ganzes Fuder) werden 13 500 Mark gezahlt. Unter den Weinen des Jahrgangs 1947 setzte sich an der Mosel ein Faß aus dem Besitz des Priesterseminars an die Spitze: ein Fuder Ürzig-Erden Hödlay wirde für 12 600 Mark zugeschlagen. Noch mehr Geld, nämlich 15 810 Mark, legen die Kommissionäre für das beste Fuder Saarwein an: eine feinste Auslese aus der Lage Ockfener Herrenberg, erzeugt im Weingut Adolf Rheinart Erben und Saarburg. Überhaupt gingen außer mehreren Fudern Ockfener Herrenberg und Bockstein noch zahlreiche weitere Fuder Saarwein für mehr als 10 000 Mark in den Markt, darunter eines der Fuder Scharzhofberger von Egon Müller, aber gleich zwei Fuder Dom-Scharzhofberger sowie ein halbes und ein ganzes Fuder Dom-Scharzhofberger-Auslese der Hohen Domkirche, dazu Auslesen aus dem Wawerner Herrenberg (Lintz) und dem Wiltinger Rosenberg (F. Müller).
  • Mehr als ein Jahr später, vom 11. bis zum 24. Mai 1950, werden auch wieder die „erlesenen Kostbarkeiten“ des Rheingaus versteigert. Außer aus allen Nachkriegsjahrgängen kommen auch Weine aus den Jahren 1937, 1938 und 1943 „aus den historischen Kellern des Rheingauer Edelweinbaus“ zur Versteigerung. Die Geschichte der 43 Mitglieder zählenden „Vereinigung Rheingauer Weingüter e.V.“ und die Eigenheiten der Weinjahrgänge 1945 bis 1949 werden den Interessenten in drei verschiedenen Sprachen nahegebracht: auf Deutsch, aber auch auf Englisch und Französisch. Wiesbaden ist einer der größten Garnisonstädte der amerikanischen Besatzungstruppen, die gegenüberliegende Rheinseite war bis 1949 französische Besatzungszone.
  • 1955 wird nach mehreren gescheiterten Versuchen die „Vereinigung Fränkischer Naturweinversteigerer“ gegründet und umgehend in den VDNV aufgenommen. Dieser Schritt, der maßgeblich von Seiten der Rheingauer Weingutsbesitzer unterstützt wurde, gibt der Region die Möglichkeit, ihre besten Weine bei der erstmalig abgehaltenen „Versteigerung deutscher Spitzenweine“ am 5. Mai im Kurhaus Wiesbaden zu zeigen. Außer Weinen aus Franken werden in Wiesbaden Weine aus dem Rheingau, der Pfalz, Rheinhessen und sogar aus Baden gezeigt. Die Mitglieder des Großen Rings (Trier) bleiben der Versteigerung fern, an der Nahe haben sich die Naturweinversteigerer nicht wieder zusammengefunden. Die meisten Weine entstammen dem Jahrgang 1953, dem ersten großen Jahrgang der jungen Bundesrepublik.
  • 1956 bringt der amerikanische Weinschriftsteller Frank Schoonmaker seinem englischsprachigen Publikum das für Außenstehende äußerst komplizierte deutsche Bezeichnungsrecht mit folgenden Worten nahe: „A German´s wine producer is not in any sense a brand- it is the name of an individual who owns a specific vineyard or vineyerds, who makes his own wines an bottles it in his own cellar, who buys no wine from other producers, makes no blends, except possibly of two or more casks from the same parcel of his own wines, who generally does no advertising and has no sales department. He is the German equivalent of the owner of a Bordeaux chateau, or an estate-bottler in Burgundy, in France.” Der VDNV ist Schoonmaker eine eigene Erwähnung wert, ebenso die Institution der Weinversteigerung. „In many cases, he is a member of an association called Verband Deutscher Naturwein-Versteigerer (literally, the association of German-natural-wine-auctioneers). The seal of this group, which is a rather odd-looking eagle, of which the body is formed by a bunch of grapes, appears along the left-hand margin of many German wine labels, and the is no better mark of authenticity; wine from these producers are for the most part sold at auctions, in barrels, with the explicit provisions, when the producer sees fit, and delivered with the producer´s label and branded cork. Such wines are never falsified; the my be magificient or only fair, but they are unquestionable genuine.” (German Wines 43)
  • Im Rheingau und an der Mosel werden immer mehr Naturweine nicht mehr im Fass versteigert, sondern in mehr oder weniger großen Partien auf Flasche gezogen und über den Handel abgesetzt. Die Bedeutung der Versteigerungen als Absatzkanäle wie auch für die Preisbildung nimmt seit Mitte der fünfziger Jahre langsam, aber stetig ab. Ende der sechziger Jahre spielen Weinversteigerungen außer in Trier und im Rheingau keine Rolle mehr. Gleichzeitig erodiert die Mitgliederbasis des VDNV. Immer mehr Weingüter, allen voran die Pfälzer Winzergenossenschaften, die lange an dem Naturweingedanken festgehalten hatten, kehren dem VDNV unter der Hinsicht den Rücken, in den (damals sehr zahlreichen) geringen Jahren mit „verbesserten“ Weine auf den Markt gehen zu können.
  • Im Mai 1970 hält die „Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer“ letztmalig eine Naturweinversteigerung ab. Mit dem Inkrafttreten des neuen Weingesetzes im Jahr 1971 darf der Begriff Naturwein (bis heute) nicht mehr verwendet werden. Begründung (aus dem Entwurf des Weingesetzes in der Fassung vom 14. April 1967: „Die früher im Weingesetz erlaubte Bezeichnung ,natur’ hat sich in den Augen der Verbraucherschaft als ein Qualitätsbegriff herausgebildet mit der Folge, daß in größerem Maße angezuckerte Weine als Naturweine in Verkehr gebracht worden sind. Die Zuckerung selbst ist analytisch von der Weinkontrolle nicht nachzuweisen und nicht zu überwachen. Sowohl im Interesse des Verbraucherschutzes wie im Interesse des redlichen Weinverkehrs sollte daher der Hinweis auf Naturbelassenheit eines Weines künftig entfallen. Dies gilt auch für Ersatzausdrücke des Wortes ,natur`, wie die Bezeichnung ,ohne zugesetzten Zucker`.“ Der VDNV, der seit vergeblich gegen dieses Vorhaben wie auch gegen die Abschaffung der „Originalabfüllung“ protestiert hat, steht vor der Selbstauflösung. Peter von Weymarn (Weingut Heyl zu Herrnsheim, Nierstein) kann die 16 Vertreter der nur noch 75 Mitgliedsbetriebe umstimmen. Im Jahr 1972 gibt sich der Verein den Namen „Verband deutscher Prädikätsweinversteigerer“ (VDPV).
  • Auf einer Sitzung des Präsidiums des VDPV setzt sich am 13. Juni 1973 die Einsicht durch, dass das Wort „Versteigerer“ unter allen Umständen fallengelassen werden solle, „da es nicht den Tatsachen entspricht und daher auch gesetzlich nicht durchzusetzen ist“. Es wird beschlossen, sich künftig „Verband Deutscher Prädikatsweingüter e.V.“ zu nennen, abgekürzt V.D.P. e.V.. Über die Verwendung des „inzwischen freien Adlerzeichens“ heißt es, „daß das Adlerzeichen für den Export deutscher Qualitätsweine von entscheidender Bedeutung geworden sei, und zwar derart, daß manche ausländischen Abnehmer nicht mehr so sehr nach der Herkunft des Weins, als nach der Auszeichnung mit dem Adlerzeichen fragen“.
  • Die Tradition der jährlichen Weinversteigerungen lebt nur an der Mosel und im Rheingau fort – allerdings auf derart bescheidenem Niveau, dass sie außerhalb eine sehr kleinen Kreises nahezu ausschließlich deutscher Weinliebhaber nicht mehr wahrgenommen. Der ebenso umsichtige wie unbestechliche englische Weinschriftsteller Cyril Ray etwa nimmt in seinem Penguin-Taschenbuch „The Wines of Germany“ (London 1977) von der Tradition und der Gegenwart der Versteigerungen ebenso wenig Notiz wie von dem Fortbestehen des VDNV/VDP.
  • Neben der seit 1974 jeweils im April stattfindenden Weinbörse in Mainz veranstaltet der VDP in unregelmäßigen Abständen sogenannte Spitzenweinversteigerungen, so in den Jahren 1974, 1978, 1981 (Mainz), 1985 (Trier), 1991 und 1997 (Wiesbaden). 1981 zeigt das Weingut Schloss Vollrads, das auf eine fast 800 Jahre alte Weinbautradition zurückblicken kann, einen 1862er Schloß Vollrads Cabinet. Aus dem Keller von Schloss Reinhartshausen, das damals noch als „Administration Prinz Friedrich von Preußen“ firmiert, erblickt ein Riesling Trockenbeerenauslese aus dem „Kometenjahrgang“ 1911 das Licht der Welt. Der Ausnahmejahrgang 1921 ist mit einer Feinsten Auslese Eitelsbacher Kronenberg aus dem Weingut Karthäuserhof (Ruwer) und einem Steinberger Riesling Trockenbeerenauslese aus dem Cabinetkeller der damals Preußischen Staatsweingüter (Eltville) vertreten. Raritäten sondergleichen sind die Riesling Trockenbeerenauslese aus der Lage „Forster Kirchenstück“ des Jahrgangs 1925 (Weingut Dr. Bürklin-Wolf, Wachenheim) sowie die Riesling Beeren-Auslese aus der Lage Lorcher Bodental aus dem Jahrgang 1937, dem zweiten und letzten „großen“ Jahrgang während der Nazi-Herrschaft in Deutschland. Der Wein stammt aus dem Weingut Graf von Kanitz in Lorch, das auf den preußischen Reformen Freiherr Friedrich Karl von und zum Stein zurückgeht. Aus demselben Jahrgang werden jeweils eine Flasche Riesling Trockenbeerenauslese aus der Lage „Bernkasteler Doctor“ (Weingut Dr. H. Thanisch Wwe.), „Forster Freundstück“ (Reichsrat von Buhl, Deidesheim) aus dem „Bodenheimer Silberberg“ (Weingut Oberstleutnant Liebrecht) versteigert. Der älteste Wein aus dem Anbaugebiet Nahe ist eine 1949er Schlossböckelheimer Kupfergrube Riesling Trockenbeerenauslese aus dem Keller der Staatlichen Weinbaudomäne Niederhausen-Schloßböckelheim. Aus Franken stammt eine 1964er Würzburger Neuberg Rieslaner Beerenauslese. Die Parzelle mit den ältesten Reben dieser fränkischen Neuzüchtung (Riesling x Silvaner, „Mainriesling“) überhaupt wurde nach der Lese des Jahres 1964 gerodet.
  • Bei den zwei Mal im Jahr stattfindenden Versteigerungen des VDP Rheingau in Kloster Eberbach werden in den 1980er und 1890er Jahren 250 000 bis 500 000 Euro im Jahr umgesetzt. Außer Weinen aus aktuellen Jahrgängen werden immer wieder gereifte Weine und Unikate aus großen Jahrgängen der deutschen Weingeschichte ausgeboten. 1987 etwa wird eine Flasche Johannisberger Riesling aus dem Jahrgang 1735 für 53 000 Mark zugeschlagen – der Wein hatte sich im Keller des Weingutes Schloss Schönborn erhalten. Im Jahr zuvor hatten die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach eine Flasche Neroberger Trockenbeerenauslese des legendären Jahrgang 1893 gezeigt – 35 000 Mark. Ein Jahr nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs – 1915 - hatte das Weingut Schloss Reinhartshausen, das damals Prinz Heinrich von Preußen gehörte, in der Lage Erbacher Marcobrunn einen Riesling erzeugt, der ebenfalls im Jahr 1987 für 15 700 Mark zugeschlagen wird.
  • Im Jahr 2000 wird bei den Versteigerungen des VDP Rheingau ein Weltrekord erzielt: Für eine Flasche 1999er Kiedricher Gräfenberg Riesling Trockenbeerenauslese aus dem Weingut Robert Weil bieten Kommissionäre 5000 Mark (netto).
  • Rekord auch in Bad Kreuznach: 2006 wird für einen jungen Nahe­-Wein 1400 Euro netto geboten. Es handelt sich um eine Riesling Trockenbeerenauslese aus der Lage Niederhäuser Hermannshöhle (Weingut Helmut Dönnhoff).
  • Bei der Trierer Herbstversteigerung des Jahres 2005 erzielt die2003er Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese von Egon Müller (Wiltingen) am 18. September den höchsten Preis, der weltweit je für einen Jungwein gezahlt wurde. 22 Flaschen wechseln zum Preis von je 12 000 Euro netto den Besitzer. Für 36 halbe Flaschen werden jeweils 5500 Euro netto angelegt.
  • Im 100. Jahr des Bestehens des VDP finden vom 24. bis zum 26. September 2010 in Trier (Mosel-Saar-Ruwer), im Kloster Eberbach (Rheingau, Franken) und in Bad Kreuznach (Nahe, Pfalz, Ahr, Pfalz) Jubiläumsversteigerungen statt. Etwa 15.000 Flaschen des Jahrgangs 2009 und zahlreiche Unikate aus den zurückliegenden hundert Jahren kommen unter den Hammer. Erlöst werden insgesamt gut 1,5 Millionen Euro. Den höchsten Preis erzielt eine 1943er Steinberger Riesling Trockenbeerenauslese aus dem Keller der Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach. Sie wird für 8568 Euro versteigert. Eine Riesling Auslese aus der Lage Wehlener Hammerstein (Weingut S.A. Prüm) aus dem Jahr 1911, dem letzten großen Jahrgang vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, erzielt 4855,20 Euro. Eine feine Auslese aus dem vergleichsweise jungen Jahrgang 1966 aus der Niederhäuser Herrmannshöhle (Weingut Helmut Dönnhoff) wird für 2623,95 Euro zugeschlagen. (VDP, 2010 Chronik eines Festjahres, S. 100f.)
  • 2018 stehen bei der 131. Prädikatsweinversteigerung Großer Ring in Trier abermals die Rieslinge von der Saar und der Mittelmosel im Fokus der Weltöffentlichkeit. Mit 200 Euro netto je Flasche erzielt ein Scharzhofberger „Alte Rebe“ des Jahrgangs 2017 aus dem Weingut Egon Müller (Wiltingen) einen neuen Weltrekord für einen Kabinett-Wein.
  • Im Rheingau findet 2018 während des alljährlichen Gourmet-Festivals erstmals die VDP.AUKTION.RÉSERVE statt. ...