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Die Natur
als Hoffnungsträger.

Hand aufs Herz. So sehr der Jahrgang 2020 unbekümmert heranwächst, so sehr bringt er auch Unsicherheit mit. Wie mit einer Situation umgehen, mit der noch nicht einmal die Eltern, Großeltern und viele Generationen zuvor Erfahrung haben?
Was treibt die nächste Generation des VDP aktuell um - was treibt sie an?

Normalerweise finden in dieser Zeit alle wichtigen Messen und Jahrgangspräsentationen statt. Die VDP.Winzerinnen und Winzer zeigen endlich ihren neuen Jahrgang. Die VDP.Guts- und Ortsweine aus dem Jahr 2019 sind auf der Flasche und werden jetzt eigentlich zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Während man im April 2020 eigentlich noch einmal den vergangenen Jahrgang Revue passieren lässt, beschäftigt einen das Jahr 2020 mehr als gewollt. Vielleicht ist nicht alles wie man es sich vorgestellt hat. Trotzdem wird alles gegeben, das Beste aus dem Hier und Jetzt zu machen und sich die Hoffnung zu behalten.

Elisabeth Muth,
VDP.Weingut Rappenhof in Alsheim | Rheinhessen

„Ich war mir noch nie so sicher wie jetzt, dass zurück nach Hause zu kommen die richtige Entscheidung war.“ 

Wenn man in eine traditionelle Winzer-Familie hineingeboren wird, ist oft klar, wohin die Reise bei der Berufswahl gehen soll. Dass das Kind den Betrieb übernehmen wird, war früher eine Art ungeschriebenes Gesetz. "Bei uns war das nie der Fall" blickt Elisabeth Muth zurück. "Nach dem Abi, mit 19, wollte ich raus - weg vom Landleben, in die Stadt. In Frankfurt und Zürich habe ich dann Architektur studiert". Trotz der Bindung zum elterlichen Betrieb, dem VDP.Weingut Rappenhof, zog es Elisabeth nach München, um dort Praxis im Job als Architektin zu sammeln. "Ich hab die Zeit sehr genossen, meinen Horizont weiter entwickelt und mich in der Welt zwischen Kunst, Wissenschaft und Technik eingelebt. Trotzdem hat mir die andere Welt, das Weingut und die Arbeit draußen in der Natur und vor allem der Austausch mit den Weinleuten gefehlt". Im Sommer 2018 traf sie die Entscheidung zurückzukehren, tauschte City-Life gegen Landleben, Architektur-Büro gegen Kelterhaus, den Afterwork-Drink in der Münchner Innenstadt gegen das Kelterbier im Weinberg. 

Die Weinbranche bringt Herausforderungen mit sich: Die wetterbedingten Abhängigkeiten, die Selbstständigkeit und die Akzeptanz landwirtschaftlicher Berufe. In der jetzigen Zeit der Krise ist die Herausforderung besonders groß. "Wenn man die aktuelle Situation betrachtet, könnte man sagen, dass ich vielleicht den schwierigeren Weg gewählt habe - mein altes Leben mit sicherem Job war möglicherweise einfacher und wäre es jetzt erst recht. Trotzdem bin ich gerade heute und in diesem Moment überzeugter denn je, dass es richtig war, nach Hause zu kommen. Das, was mir dieser Beruf, die Natur, die Menschen und das Leben hier in Alsheim geben, ist mit nichts zu vergleichen, was mir irgendeine Stadt dieser Welt je hätte bieten können".  


Friedrich Keller,
VDP.Weingut Franz Keller in Vogtsburg am Kaiserstuhl | Baden

„Klar – wir vermissen unsere Gäste. Es ist ungewohnt still.“

Ein Weingut, ein Hotel und zwei Restaurants: Familie Keller gehört zu den bekanntesten Gastgebern Deutschlands. Wie sieht es dort aus, wo normalerweise das ganze Jahr über genussbegeisterte Leute ein- und ausgehen, mit viel Passion und Herzblut begrüßt werden und sich von der einzigartigen Kulisse des Kaiserstuhls hinreißen lassen? „Ganz klar – wir vermissen unsere Gäste. Es ist ungewohnt still bei uns“ erzählt Friedrich, der sich im Weingut um den Weinausbau kümmert. Sein Bruder Konstantin kocht mit einem kleinen Team weiterhin im Gasthaus Rebstock. Sie bieten bodenständige, badische Gerichte zum Mitnehmen an. Die Auszubildenden aus der Küche und dem Service entdecken derweil Neues im Weinberg und Keller - die Laubarbeit beginnt bald, Barriques werden aufgefüllt - da kann jede Hand gebraucht werden. "Es ist schön zu sehen, wie flexibel unser Team und unsere Mitarbeiter sind. Dafür sind wir sehr dankbar".

Aber natürlich lässt die Zeit auch zu, viel Nachzudenken. „Ich überlege, wie man gestärkt aus der Sache rausgehen kann. Sicher bin ich, dass es gelingt. Vielleicht ist es eine Chance für uns alle und für Neues.“ Und in der Zwischenzeit werden Dinge gemacht, für die sonst nicht so viel Zeit bleibt. Zum Beispiel das Aufräumen des Weinkellers. Und wer Kellers kennt, der weiß, dass das bei der Bandbreite der Auswahl großen Spaß machen kann und so einige Schätze zum Vorschein kommen dürften...


Maximilian Stigler,
VDP.Weingut Stigler in Ihringen am Kaiserstuhl | Baden

„Es ist schön zu sehen, wie die Natur unbeirrt ihren Weg weitergeht.”

Der Kaiserstuhl ist bekannt als die wärmste Region Deutschlands, entsprechend entwickelt sich die Natur dort aktuell. „Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt so weit wie noch nie zuvor. Das ist bis jetzt für uns der früheste Austrieb“ berichtet Maximilian Stigler vom VDP.Weingut Stigler. Jetzt schon zu sagen, wie das Jahr 2020 wird, hält Maximilian für zu früh. "Es ist einfach schön zu sehen, wie die Natur unbeirrt ihren Weg weitergeht. Sie entzieht sich dem ganzen scheinbar einfach. Gerade in unserer heutigen sehr schnelllebigen Zeit und Gesellschaft sind das beruhigende Dinge." Es ist Frühling und es wird jeden Tag wärmer. Im Weinberg kann Maximilian abschalten und auch mal vergessen, was gerade in der Welt passiert. "Letzten Endes werden wir trotzdem so weitermachen, wir pflanzen einen Weinberg neu – die Erde dreht sich weiter - es geht immer irgendwie weiter. So wird es auch dieses Mal sein, da bin ich sicher."


Lara Haag,
VDP.Weingut Schloss Lieser in Lieser | Mosel

„Wir sind vor kurzem den Moselsteig gelaufen. Das haben wir schon ewig nicht mehr gemacht.“

Die Rieslinge des VDP.Weinguts Schloss Lieser - Thomas Haag werden auf der ganzen Welt getrunken. Typisch für die Mosel ist demnach der Exportanteil der Lieser-Rieslinge sehr hoch. "Mit vielen Importeuren und Partnern arbeiten wir schon seit Jahren zusammen. Sie sind inzwischen Familienfreunde. Es ist hart zu sehen, dass es jeden trifft" erzählt Lara Haag am Telefon. Aktuell ist sie mit dem Füllen der 2019er Weine beschäftigt - eigentlich wäre sie in den nächsten Wochen in den unterschiedlichsten Ländern unterwegs, um genau diese Weine zu zeigen. "Man erkundet stattdessen die eigene Heimat neu. Wir sind am Wochenende den Moselsteig entlang gelaufen - das haben wir schon ewig nicht mehr gemacht. Man kommt irgendwie zur Ruhe und gewinnt ein neues Bewusstsein für viele Dinge". Dann stehen Dinge an, zu denen man sonst im Alltag seltener kommt: Die Lager aufräumen, die neue Vinothek dekorieren und vieles im Büro aufarbeiten. Aber auch: Weine verkosten - "Wir probieren viel mit dem ganzen Team aus dem Außenbetrieb. Weine von uns, von Kollegen - das ist eine Belohnung am Feierabend".

Wie wird sich alles in Zukunft verändern? Lara meint: "Vielleicht ist es gut, einmal runterzukommen. Man denkt vieles Neu, besinnt sich auf das, was man gut kann. Und vor allem hoffe ich, dass alle Leute nach dieser Phase viel die Gastronomie besuchen - Essen und Trinken gehen, es sich gut gehen lassen und dass die Regionalität beim Einkauf wieder eine größere Rolle spielt".


Felix Keller,
VDP.Weingut Keller in Flörsheim-Dalsheim | Rheinhessen

„Es ist irgendwie beruhigend in solchen Zeiten einen Weinberg zu pflanzen.“

Im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim geht die Arbeit auf dem VDP.Weingut Keller passioniert weiter. Drei Generationen ziehen an einem Strang: Felix Keller legt mit seinem Team einen neuen Weinberg an, seine Eltern Julia und Klaus-Peter versorgen die Kunden mit dem neuen 2019er Jahrgang und füllen Magnumflaschen ab, während Großvater Klaus überlegt, wie man den heimischen Gemüsegarten erweitern könnte.
"Wir orientieren uns an der Natur - sie macht auch einfach weiter" meint Felix. Nur eines fehlt irgendwie: "Im Frühling war zwischen der Arbeit auf dem Weingut öfter mal Zeit für einen Kurzausflug in das Burgund und Beaujolais. Sie sind für uns die aufregendsten Weinanbaugebiete. Umso schöner ist es, wenn wir irgendwann wieder hinfahren können". Und bis dahin? Das Beste draus machen.


Rebecca Crusius,
VDP.Weingut Dr. Crusius in Traisen | Nahe

„Der Kontakt mit unseren Partnern und Weinliebhabern ist jetzt noch persönlicher und enger.“

Der Arbeitsalltag im Weinberg und Keller geht auf dem VDP.Weingut Dr. Crusius relativ normal weiter. "Man muss eben die Hintergründe anders denken. Die Kommunikation ist noch wichtiger geworden. Wir sind im engen Kontakt mit unseren Partnern und Kunden - mal, ob man was füreinander tun kann, mal um einfach nur zu hören, wie es jemandem geht." erzählt Rebecca Crusius, die wir gerade am Telefon im Keller erwischen. "Es bringt uns alle noch näher zusammen. Bald findet unsere erste Online Weinprobe statt. Es kommen Leute aus den unterschiedlichsten Ecken Deutschlands und Altersklassen zusammen, nur eben virtuell". Und vielleicht ist das ja auch ein Format, das die Weingüter und Weinliebhaber über diese Zeit hinaus begleiten wird...