Wie der neue Jahrgang der trockenen Meisterwerke
aus VDP.GROSSER LAGE® der VDP.Mitglieder wahrgenommen wird,
entscheidet sich in Wiesbaden.
Dort beginnt alles mit einem leeren Blatt. Noch gibt es keine Punktzahl, keine Rangliste, kein fertiges Urteil darüber, welche Weine später zu den prägenden des Jahrgangs zählen werden. Vor den Verkosterinnen und Verkostern steht zunächst nur ein Glas – und darin ein Wein, der zeigen können muss, woher er kommt.
Eben das macht die Vorpremiere VDP.GROSSES GEWÄCHS® zu einem der nachgefragtesten Termine im internationalen Weinkalender. Vom 23. bis 25. August 2026 kommen in den Kolonnaden des Wiesbadener Kurhauses Vertreterinnen und Vertreter der internationalen Fachpresse, des Weinhandels und der Spitzengastronomie zusammen. Im Mittelpunkt stehen diesmal die weißen VDP.GROSSEN GEWÄCHSE® des Jahrgangs 2025 und die roten des Jahrgangs 2024 – ergänzt um gereiftere Weine, denen ihre Erzeugerinnen und Erzeuger bewusst mehr Zeit gegeben haben.
Wer zum ersten Mal dabei ist, erlebt eine ungewöhnlich konzentrierte Form der Verkostung. Wer seit vielen Jahren kommt, kennt das Ritual – aber nie das Ergebnis. Denn mit jedem Jahrgang stellen sich die Fragen neu: Wie klar zeigt sich die Herkunft? Wie haben die Winzerinnen und Winzer die Bedingungen des Jahres übersetzt? Welche stilistischen Entwicklungen zeichnen sich ab – und gelingt es den Weinen, den hohen Anspruch an Präzision und handwerkliche Qualität einzulösen?
Stimmen der Presse & Blogposts
Deutschsprachige Pressestimmen
Felix Bodmann | Schnutentunker
GG-Vorpremiere Wiesbaden 2026, Tag 1
Christoph Raffelt | Originalverkorkt
Der Grand Prix der Großen Gewächse 2026 – Tag 1: Weiße Burgundersorten



Alles beginnt mit der Rebe
VDP.GROSSES GEWÄCHS® – kurz GG – bezeichnet die trockenen Spitzenweine aus den Weinbergen der höchsten Stufe der VDP.Klassifikation: VDP.GROSSE LAGE®. Dabei wird nicht einfach ein besonders guter Wein im Nachhinein zum GG erklärt. Die Idee funktioniert umgekehrt: Am Anfang steht der Ort.
Eine VDP.GROSSE LAGE® ist ein präzise abgegrenzter Weinberg mit dem Potenzial, auch mit historischer Erfahrung, über viele Jahrgänge hinweg eigenständige, herausragende Weine hervorzubringen. Geologie und Boden spielen dabei ebenso eine Rolle wie Exposition, Mikroklima, Wasserhaushalt oder die Einbettung in die Landschaft. Hinzu kommen internationale Reputation und die weltweite Anerkennung am Markt. Große Lagen müssen sich über lange Zeit bewährt haben – im Weinberg ebenso wie im Glas. Denn ein außergewöhnliches Jahr allein macht noch keine große Lage.
Gleichzeitig entsteht ein VDP.GROSSES GEWÄCHS® niemals durch den Weinberg allein. Für jedes VDP.GROSSE GEWÄCHS® sind auch die Rebsorten definiert, die nach Erfahrung, Tradition und genauer Beobachtung zu diesem Ort passen. Die Erträge werden begrenzt, die Trauben selektiv und von Hand gelesen. Im Weinberg bedeutet das präzise Arbeit, oft Parzelle für Parzelle und Reifegrad für Reifegrad. Im Keller geht es anschließend darum, den Charakter des Ausgangsmaterials möglichst klar herauszuarbeiten.
Der Anspruch ist hoch: Ein VDP.GROSSES GEWÄCHS® soll die Eigenart seiner Lage in besonderer Klarheit und Präzision zum Ausdruck bringen. Die Aufgabe der Winzerinnen und Winzer besteht darin, den Charakter der Lage im Wein zu verdichten – mit Erfahrung, handwerklicher Sorgfalt und einem sensiblen Gespür für die Bedingungen des jeweiligen Jahrgangs.
Spitze muss sich prüfen lassen
Gerade weil VDP.GROSSES GEWÄCHS® für die Spitze der Klassifikation steht, genügt dafür nicht allein die Entscheidung eines Weinguts. Die Weine durchlaufen ein mehrstufiges Prüfverfahren. Dazu gehören zwei Blindverkostungen: eine im jungen Stadium und eine weitere nach der Abfüllung. Erst wenn der Wein die qualitativen und stilistischen Anforderungen erfüllt, darf er sich VDP.GROSSES GEWÄCHS nennen.
Das Verfahren ist bewusst anspruchsvoll. Denn eine Klassifikation bleibt nur glaubwürdig, wenn sich auch ihre Spitze immer wieder der Prüfung stellt. Wie klein diese Spitze tatsächlich ist, zeigt ein Blick auf die Größenverhältnisse: Rund 5 Prozent der Produktion der VDP.Weingüter werden in der höchsten Klassifikationsstufe VDP.GROSSE LAGE® abgefüllt. Zu ihr gehören aber neben den trockenen VDP.GROSSEN GEWÄCHSEN® auch die Prädikatsweine aus diesen Lagen.
Hinzu kommt ein Faktor, der sich nicht beschleunigen lässt: Zeit. Weiße GGs dürfen regulär frühestens am ersten September im Jahr nach ihrer Ernte auf den Markt kommen, Rotweine dürfen sogar noch ein Jahr mehr ruhen, bevor sie gefüllt werden.
Innerhalb der Regionen sind die Weine weiterhin von jung nach gereift sortiert. So können die Weingüter selbst entscheiden, wann sie einen Wein für bereit zur Präsentation halten. Gleichzeitig erleichtert die Reihenfolge den direkten Vergleich unterschiedlicher Jahrgänge und Entwicklungsstadien.
30 Jahre Arbeit an der Herkunft
Die Frage, wie große Herkunft erkennbar und verbindlich beschrieben werden kann, beschäftigt den VDP seit Jahrzehnten.
1996 verabschiedete die Mitgliederversammlung in Speyer das Manifest „Weinkulturerbe für die Zukunft sichern". Darin formulierte der Verband die Forderung, die wertvollsten deutschen Weinberge eindeutig zu kennzeichnen und Herkunft wieder stärker zum Maßstab für Spitzenqualität zu machen. Aus diesem Gedanken entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten Schritt für Schritt die heutige VDP.Klassifikation.
Dreißig Jahre später reicht die Diskussion weit über den Verband hinaus. Mit der Änderung der Weinverordnung erhalten auch die Bezeichnungen „Erstes Gewächs" und „Großes Gewächs" einen rechtlichen Rahmen. Perspektivisch sollen sie durch das gemeinsam von Deutschem Weinbauverband und VDP gegründete Komitee „Klassifikation Erster und Großer Lagen in Deutschland e. V." bearbeitet werden.
Für den deutschen Spitzenwein ist das ein wichtiger Schritt – aber kein Endpunkt. Entscheidend wird sein, wie streng, nachvollziehbar und regional differenziert die Regeln ausgestaltet werden. Die Frage von 1996 bleibt deshalb aktuell: Was macht eine große Herkunft aus – und wie lässt sich ihr Anspruch dauerhaft sichern?



Wiesbaden: vergleichen, bevor der Markt entscheidet
Die Vorpremiere ist keine klassische Weinmesse. Die Winzerinnen und Winzer stehen während der Verkostung nicht hinter Verkostungstischen und erklären ihre Weine. Stattdessen stehen die GGs für sich.
Dafür werden Bedingungen geschaffen, die einen möglichst konzentrierten Vergleich erlauben. Die Flaschen werden Vorverkostet, die Weine passend temperiert und auf Bestellung serviert.
Die Verkosterinnen und Verkoster bestimmen selbst, was in welcher Reihenfolge eingeschenkt wird. So lassen sich beispielsweise mehrere Weine einer Lage, einer Region oder einer Rebsorte direkt nebeneinanderstellen.
Gerade bei jungen GGs ist das entscheidend. Nicht jeder Wein zeigt sich im August bereits offen. Manche wirken noch verschlossen, andere lassen ihre Struktur deutlicher erkennen als ihr Aromenspektrum. Wer sie jetzt beurteilt, beschreibt deshalb nicht nur, was unmittelbar schmeckbar ist. Gefragt ist Erfahrung: Wie ist der Wein gebaut? Welche Spannung besitzt er? Wie greifen Säure, Struktur und Frucht ineinander? Und welches Entwicklungspotenzial lässt sich bereits erkennen?
Deshalb richtet sich die Vorpremiere an ein internationale genauestens ausgesuchtes Fachpublikum, das in der Lage ist, diese Vergleiche zu ziehen und die Potenziale zu erahnen. Seine Einschätzungen wirken anschließend weit über Wiesbaden hinaus: in Publikationen und Bewertungen, im Handel und in der Gastronomie – und auch zurück in die Diskussion des VDP über seine eigenen Lagen. Denn eine klassifizierte Herkunft muss sich immer weiter bewähren.
FACTS AND FIGURES
594 VDP.GROSSE GEWÄCHSE® sind in diesem Jahr geprüft worden und haben damit die Berechtigung, erstmals ab dem 1. September 2026 auf den Markt zu kommen. Angemeldet und damit zur Verkostung bei der Vorpremiere VDP.GROSSES GEWÄCHS® in Wiesbaden, stehen in diesem Jahr 396 Weine der Klassifikationsstufe VDP.GROSSES GEWÄCHS®. Diese Weine wurden in 210 Lagen erzeugt.
Nach Rebsorte | Anzahl | In Prozent | Nach Region | Anzahl | In Prozent |
Riesling | 337 | 56,7% | Ahr | 28 | 4,7% |
Spätburgunder | 131 | 22,1% | Baden | 91 | 15,3% |
Weißer Burgunder | 38 | 6,4% | Franken | 56 | 9,4% |
Silvaner | 26 | 4,4% | Mittelrhein | 10 | 1,7% |
Grauer Burgunder | 23 | 3,9% | Mosel-Saar-Ruwer | 44 | 7,4% |
Lemberger / Blaufränkisch | 19 | 3,2% | Nahe | 36 | 6,1% |
Chardonnay | 17 | 2,9% | Pfalz | 110 | 18,5% |
Frühburgunder | 3 | 0,5% | Rheingau | 80 | 13,5% |
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| Rheinhessen | 64 | 10,8% |
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| Sachsen/Saale-Unstrut | 14 | 2,4% |
| Württemberg | 61 | 10,3% | |||
GESAMT | 594 | 100% |
| 594 | 100% |
Der Weißweinjahrgang 2025: Ein Herbst mit schnellem Takt
Für die weißen VDP.GROSSEN GEWÄCHSE® des Jahrgangs 2025 war vor allem eines entscheidend: der richtige Lesezeitpunkt.
Nach einem zügigen Vegetationsstart blieb der massive Spätfrost, der das Vorjahr vielerorts geprägt hatte, weitgehend aus. Warme und sonnige Phasen brachten die Entwicklung früh voran. Regional sorgten Regenperioden im Sommer für zusätzliches Wachstum, verlangten zugleich jedoch eine aufmerksame Laubarbeit und genaue Kontrolle der Traubengesundheit.
Vor allem die Reife entwickelte sich schnell. Erste Partien wurden mancherorts bereits im August gelesen. Aus dem langen, von Unterbrechungen geprägten Herbst 2024 wurde ein Jahr später vielerorts ein ausgesprochen kompaktes Lesefenster.
Für die Winzerinnen und Winzer bedeutete das Entscheidungen in kurzer Folge: Welche Parzelle ist jetzt reif? Wo braucht es noch Zeit? Wo stehen Reife und Säure genau in der gewünschten Balance? Und wo macht ein Wetterwechsel schnelles Handeln notwendig?
Gerade in VDP.GROSSEN LAGEN®, in denen kleinste Unterschiede innerhalb eines Weinbergs entscheidend sein können, verlangte 2025 Erfahrung und präzises Timing.
Die Mengen fallen regional unterschiedlich aus, vielerorts sind sie begrenzt. Gleichzeitig berichten die VDP.Betriebe von konzentrierten, klaren Weinen mit reifer Frucht, Zug und einer präzisen Säurestruktur. In Wiesbaden lässt sich nun erstmals in größerem Zusammenhang überprüfen, wie sich diese Voraussetzungen in den GGs zeigen – und wie deutlich die einzelnen Herkünfte trotz des schnellen Jahrgangs ihre Eigenständigkeit bewahrt haben.
Wer die Weine der Vorpremiere in diesen Tagen verkostet, tut das vor einem besonderen Hintergrund: Der Sommer 2026 zählt zu den heißesten und trockensten, die in Deutschland je gemessen wurden – mit einem neuen Allzeit-Hitzerekord, deutlich zu wenig Regen während der gesamten Vegetationsperiode und außergewöhnlich vielen Sonnenstunden. Genau dieser Kontrast macht den Blick auf den 2025er umso interessanter: Trotz eines ebenfalls warmen Erzeugungsjahres zeigen die Weine noch die für den deutschen Weinbau typische kühle Eleganz, präzise Säure und Frische – jenen Cool-Climate-Charakter, der international als Alleinstellungsmerkmal gilt. Wie lange sich dieser Charakter angesichts der Entwicklungen der vergangenen Jahre halten lässt, ist eine Frage, die auch in Wiesbaden mitschwingt.
Der Rotweinjahrgang 2024: Geduld war die Devise
Ganz anders verlief das Jahr, aus dem die aktuellen roten VDP.GROSSEN GEWÄCHSE® stammen.
2024 begann mit einem milden Winter und frühem Austrieb. Im April folgte eine Frostwelle, die zahlreiche Regionen traf und örtlich erhebliche Schäden verursachte. Manche Weinberge erholten sich durch einen zweiten Austrieb, andernorts blieben die Verluste groß.
Nach dem Frost folgten Wärme und hohe Feuchtigkeit. Der Krankheitsdruck nahm zu, die Arbeit in den Weinbergen wurde entsprechend intensiv. Gleichzeitig führte der unterschiedliche Austrieb dazu, dass auch die Reife innerhalb einzelner Regionen und Betriebe weit auseinanderlag.
So entstand jener „unendliche Herbst", von dem viele VDP.Winzerinnen und Winzer nach der Ernte berichteten. Während erste Partien bereits Ende August gelesen wurden, dauerte die Ernte andernorts bis weit in den Oktober. Statt eines klaren Lesefensters gab es Warten, Prüfen, erneutes Selektieren – und immer wieder die Entscheidung, welche Trauben tatsächlich den gewünschten Zustand erreicht hatten.
Für die Rotweine konnte diese langsame Entwicklung zugleich eine Stärke sein. Wo konsequent selektiert wurde, entstanden Weine mit feiner Struktur, Frische und Tiefe. Inzwischen hatten sie ein weiteres Jahr Zeit, sich zu sammeln und zu entwickeln.
In Wiesbaden zeigt sich nun, was aus diesem anspruchsvollen Jahr geworden ist. Besonders beim Spätburgunder richtet sich der Blick dabei weniger auf vordergründige Kraft als auf Balance, Präzision und jene innere Spannung, die große Rotweine über viele Jahre tragen kann.
So präsentiert sich der Jahrgang aktuell
VDP.Präsident Steffen Christmann sagt:
„Der Jahrgang 2025 ist bei den Weißweinen von einer außergewöhnlichen Komplexität und Dichte geprägt. Die niedrigen Erträge und die vollreifen Trauben haben eine enorme Konzentration hervorgebracht. Gleichzeitig verfügen die Weine über eine belebende Säurefrische, die dieser Kraft Spannung und Präzision gibt. Diese Verbindung aus Reife, Dichte und Frische ist etwas Besonderes – einen Jahrgang mit einer solchen Ausprägung haben wir schon sehr lange nicht mehr erlebt.
Auch die Spätburgunder des Jahrgangs 2024 zeigen eine sehr gute Konzentration, wirken dabei aber deutlich filigraner. Sie verbinden Dichte und Länge mit einer feinen, eleganten Struktur. Gerade dieses Zusammenspiel aus Substanz und Feinheit macht den Jahrgang aus unserer Sicht besonders spannend und gibt den Weinen eine große innere Ruhe und Länge.“


20 Jahre VDP.GROSSES GEWÄCHS®
©2025
Peter Bender
