VDP.Weinlese 2026
Ein Rückblick

2026 war ein besonderes Jahr. Besonders früh, besonders schnell, aber auch – und das ist das Wichtigste – besonders gut. Der neue Jahrgang ruht nun in den Kellern unserer VDP.Weingüter und beschenkte sie mit einer zwar kleineren Menge an Trauben, jedoch allererster Güte. Bei voller Konzentration bringen sie eine fast schon verblüffende Leichtigkeit mit und werden von einer, für die diesjährige Hitze ungewöhnlich, frischen Säure gestützt. Wir blicken schon voller Vorfreude auf die kommenden Monate, in denen diese vielversprechenden Ansätze zu großen, ausdrucksstarken Vertretern des deutschen Weins heranreifen. 
Unsere Mitglieder erzählen von den Besonderheiten des Jahrgangs in ihrer Region.

Weinjahr 2026:
So früh wie noch nie und herausragend gut

Wer mit der Natur arbeitet, weiß, dass jedes Weinjahr seine eigenen Besonderheiten und Chancen mit sich bringt. Zunehmend stellt sich dabei weniger die Frage, ob die Witterung die Winzerinnen und Winzer vor außergewöhnliche Aufgaben stellt, sondern vielmehr, welche es diesmal sein werden. Das Weinjahr 2026 begann mancherorts bereits Ende März und damit sehr früh. Es war wieder einmal ein Jahr der Extreme: Hagel, Trockenheit und Hitzewellen stellten die Betriebe vor Herausforderungen.  

Gleichzeitig wurden sie aber auch mit einem Jahrgang beschenkt, bei dem ohne viel Selektionsarbeit perfektes und vor allem gesundes Lesegut eingeholt werden konnte. Hierbei zeigte sich, wie wichtig es ist, aus den Erfahrungen vergangener Jahre zu lernen, Bewirtschaftungsmethoden kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Weinberge langfristig widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen aufzustellen. 

Ein vielversprechender Start durch gute Winterniederschläge und wenig Frostschäden hat das Fundament für den Jahrgang gelegt. Der frühe Austrieb, gefolgt von einer vielerorts sehr frühen und homogenen Blüte, hat Vergleiche mit Jahrhundertjahrgängen wie 1959 nach sich gezogen. Der heiße Sommer mit langen Trockenphasen wurde dann im August zum Glück vielerorts von ein wenig Regen abgelöst und hat viele Winzerinnen und Winzer aufatmen lassen. Allerdings blieben auch in diesem Jahr die Unwetter nicht komplett aus: Lokal begrenzte Hagelschläge verursachten insbesondere in der Südpfalz und am Kaiserstuhl teils erhebliche Schäden. Während in manchen Betrieben nur einzelne Weinbergslagen betroffen waren, mussten einige wenige vollständige Ernteausfälle hinnehmen. 

Starke Reben und große Vorfreude auf den Jahrgang

Blickt man auf das Weinjahr zurück, waren es vor allem die Reben, auf die Verlass war. Mit ihrer bemerkenswerten Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit haben sie gezeigt, wie viel sie selbst unter herausfordernden Witterungsbedingungen leisten können. Voraussetzung dafür sind geeignete Standorte, tiefreichende Wurzeln und nicht zuletzt die umsichtige Bewirtschaftung durch die Winzerinnen und Winzer. 

Dass die Lese unter diesen Voraussetzungen vielerorts so erfreulich verlaufen ist, gibt Anlass zur Zuversicht – auch wenn die zunehmenden Wetterextreme die Betriebe in Zukunft vor weitere große Herausforderungen stellen dürften. 

Zuletzt hat es VDP.Präsident Steffen Christmann auf den Punkt gebracht:  

„Wir leben in einem neuen Normal, die Weinlese beginnt regelmäßig Ende August. Wenn es in meiner Kindheit in der Pfalz normal war, dass von Anfang Oktober bis in den November gelesen wurde, hat sich alles 5-6 Wochen nach vorne verschoben. Wir Winzerinnen und Winzer haben uns aber darauf eingestellt und wissen mit den wärmeren Bedingungen umzugehen. Auch haben die meisten Reben, mit ihren tiefen Wurzeln kaum unter der Trockenheit gelitten. So sind die 2026er enge Verwandte der hervorragenden 2025er. Am Ende, so sehr wir das aus Sorgen um den Klimawandel auch bedauern, stimmt der Satz doch noch: „Kleiner Rhein, großer Wein.“. So weicht die Hoffnung der Winzerinnen und Winzer auf einen guten Jahrgang der Gewissheit.” 

Stimmen aus den VDP.Regionen

Ahr

„2026 war die historisch früheste Lese. Es ist ein sehr markanter Jahrgang. Die Trauben sind unheimlich konzentriert und die Qualität ist herausragend. Die Weine werden früh zugänglich sein und darüber hinaus ein sehr langes Leben haben. 

Natürlich klingt es so, als wäre der Klimawandel in solch einem Jahr gar nicht so schlecht, aber wenn der Vegetationszyklus Jahr für Jahr so früh anfängt, wird die Angst vor Frösten auch immer größer. Dennoch sind wir sehr froh über diesen Jahrgang und seine sich jetzt schon abzeichnende Dichte und Konzentration.” 

Simona Kruse, VDP.Weingut Burggarten

Baden

„Bei uns im Anbaugebiet Baden hat die Lese bei den einigen Betrieben bereits am 12. August. Letztendlich haben die Betriebe in der Regel zwischen drei und maximal vier Wochen gelesen – sprich eine sehr schnelle Lese, die den topgesunden Trauben und der relativ kleinen Menge geschuldet war. Wir sind sehr zufrieden, weil man damit während der heißen und dürren Sommerphase gar nicht gerechnet hätte. Dieser Jahrgang wird sich auf jeden Fall in die Reihe von 2018, aber sicherlich auch 2015 einreihen – Jahrgänge, die relativ trocken waren, schnell gelesen wurden und bei denen es wichtig war, zum richtigen Zeitpunkt in die Lese einzusteigen. Das war auch in diesem Jahr entscheidend. Im Moment fühlt es sich so an, als ob 2026 ein Jahrgang sein wird, über den wir uns noch lange unterhalten werden.“ 

Arne Bercher, VDP.Weingut Bercher

 

Franken

„Es war in Franken, wie in vielen anderen Regionen auch, der heißeste und trockenste Sommer, den wir als Weingut jemals erlebt haben. Die Ernte war sehr früh: Viele Weingüter haben schon im August begonnen und ihre Lese dann am 14. oder spätestens am 18. September beendet. Das ist wahnsinnig früh. Trotzdem sind wir sehr happy mit dem Ergebnis: Die Traubenqualität war fantastisch. Wir haben kerngesunde Trauben mit moderater Ertragsmenge und perfekter Reife geerntet. Trotzdem werden die meisten Weine einen moderaten Alkoholgehalt haben. Wir sind hier sehr glücklich mit dem Ausgang der Ernte.” 

Sebastian Fürst, VDP.Weingut Rudolf Fürst
 

Mittelrhein

„Wir sind mit dem Jahrgang 2026 äußerst glücklich – deutlich glücklicher, als wir es im Sommer noch erwartet hatten. Der im Vergleich zu den Vorjahren ausbleibende Pilzdruck und die Trauben, die sich zwar schnell, aber stetig entwickelten, haben es uns erlaubt, alles termingerecht, ohne Zeitdruck und in optimaler Reife zu lesen. 

Wir sind hier sehr zufrieden mit Säure, Süße und Aroma. Zwar liegt der Ertrag um etwa 30 % niedriger – was dem Wetter und den daraus resultierenden kleineren Beeren geschuldet ist – doch diese haben uns im Gegenzug sehr konzentrierten Saft geschenkt. Auch wenn der Mittelrhein auf seinen 100 Kilometern Länge natürlich nicht überall homogen ist teile ich diese Erfahrung mit vielen Kollegen, und wir dürfen uns nun gemeinsam über einen wirklich tollen Jahrgang freuen.“ 

Johannes Müller, VDP.Weingut Matthias Müller

 

Mosel-Saar-Ruwer

„An Mosel, Saar und Ruwer sind wir sehr zufrieden mit dem Jahrgang 2026. Der Sommer war zwar sehr warm, jedoch waren die Reben die ganze Zeit gut versorgt. Das hat man daran ablesen können, dass sich die Blätter nicht aufgerollt haben, sondern ständig saftig grün blieben – ein wunderbarer Indikator. Natürlich hängen insgesamt eher weniger Trauben in den Weinbergen, aber das macht uns nichts aus. Die Qualität ist viel entscheidender. Da hat uns der Jahrgang bisher sehr reich beschenkt. Wir konnten alles vom VDP.GUTSWEIN über Ortsweine bis hin zu Weinen aus der VDP.GROSSEN LAGE, Trockenbeerenauslesen und Beerenauslesen ernten. Das ist definitiv ein Jahrgang, auf den man sich voller Genuss freuen kann! ​​​​" 

Dorothee Zilliken, VDP.Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken

 

Nahe

„Der neue Jahrgang zeichnet sich genial ab. Superschöne, kleinbeerige Trauben in einem perfekten und gesunden Zustand. Es ist ein Jahr, in dem die Lese große Freude macht. Das Wetter stimmt, die Trauben stimmen, sie sind enorm aromatisch, und ich glaube, dass das richtig, richtig gut wird!”

Caroline Diel, VDP.Weingut Schlossgut Diel

Pfalz

„In der Pfalz hatten wir eine sehr frühe Lese, bedingt durch viele sonnige Tage und geringen Niederschlägen. Dafür waren die Weingüter durch gesammelte Erfahrungen aus den letzten Jahren gut vorbereitet. An der Mittelhaardt ging es Mitte August richtig los. In der Südpfalz erst später wegen einer verzögerten Reife, bedingt durch die andere Topographie und den daraus resultierenden Niederschlägen. Insgesamt war die Lese in allen Betrieben ein echter Sprint - nur wer ein gutes Team und eine ausgereifte Logistik hat, konnte hier den Überblick behalten. Absolut positiv war, dass man im Weinberg kaum Probleme hatte - perfekt gesunde Trauben und gute Reifegrade mitsamt stabilen Säurewerten. Die schlechte Wasserversorgung war vor allem für junge Weinberge und Anlagen auf leichten Böden eine Herausforderung. Dennoch ist der Riesling gut klargekommen und auch beim Spätburgunder konnten wir außergewöhnlich gute Ergebnisse sehen. Alles in allem ist es ein sehr guter Jahrgang.“

Franz Wehrheim, VDP.Weingut Dr. Wehrheim

 

Rheingau & Hessische Bergstraße

„Der Herbst hat so früh begonnen wie noch nie. Die Sektlese begann im Rheingau am 15. August. Fantastische Qualität, wenn auch am Anfang noch geringere Mengen, weil wenig Flüssigkeit in den Trauben war. Es ist jedoch über das trockene Jahr hinweg alles gesund geblieben und wir wurden von jeglichen Krankheiten verschont – alles sieht aus wie gemalt. Wir schließen diese Lese nun glücklich ab. Vergleichen könnte man den Jahrgang mit 2015, denn wir haben durch das warme Jahr eine hohe Konzentration an Reife – bei einer dennoch stabil gebliebenen Säure. Beste Voraussetzungen für langlebige Weine, insbesondere bei den Lagenweinen. Ich bin schon gespannt, was jetzt in den Fässern und Tanks daraus entsteht.“ 

Mark Barth, VDP.Wein- und Sektgut Barth

 

Rheinhessen

„Selten war ich Mitte September bereits so entspannt. Das zeigt, welch besondere Weinlese das für uns war. Wir haben am 11. August angefangen – so früh wie nie in unserer Geschichte – und hatten nach der sehr trockenen Witterung dieses Jahres gefragt, wie unsere Weinberge damit zurechtkommen und wie viele Trauben im Endeffekt am Stock hängen. Nun können wir mit Gewissheit sagen, dass wir sehr überrascht von der Gesundheit der Trauben und dem Ertrag sind. Die Menge ist nicht riesig, aber auch nicht katastrophal wenig und die Trauben schmecken trotz Trockenheit extrem balanciert, mit viel Spannung und schöner Frucht. Lediglich die Mostgewichte sind ein bisschen höher als in anderen Jahren. Aber es passt alles zusammen und erzählt, sehr schön die Geschichte dieses außergewöhnlichen Jahrgangs. Wir genießen hier nun die zweite Septemberhälfte und freuen uns über das, was langsam im Keller vor sich hin gärt. Jedes Mal, wenn wir probieren, lernen wir ein bisschen mehr darüber: Wo will der Jahrgang hin, was will er uns erzählen? Wir sind super gespannt, was dieser außergewöhnliche Jahrgang, dieses Jahr noch an Überraschungen für uns parat hat.” 

Johannes Hasselbach, VDP.Weingut Gunderloch

Sachsen/Saale-Unstrut

„Auch in Sachsen und Saale-Unstrut ist die Weinlese 2026 bereits abgeschlossen. Es war der früheste Herbst, den wir jemals begonnen haben, wobei die Lese in Sachsen etwas später startete. Was beide Regionen eint: Wir haben extrem extraktreiche, kleine Beeren geerntet, die das Winzerherz höherschlagen lassen. Gleichzeitig war es aber auch einer der mengenmäßig kleinsten Herbste, die wir jemals eingebracht haben.

Die letzten Rieslingtrauben wurden in der ersten Oktoberwoche gelesen, sodass wir sowohl in Sachsen als auch in Saale-Unstrut die Weinlese 2026 außergewöhnlich schnell abschließen konnten.“

Björn Probst, VDP.Weingut Schloss Proschwitz 

 

Württemberg

„Die Weinlese 2026 ist nahezu überall beendet und wir und alle anderen Kollegen können uns wirklich über einen herausragenden Jahrgang freuen. Tolle Qualitäten vom VDP.GUTSWEIN bis zu den VDP.GROSSEN GEWÄCHSEN. Dank unserer kräftigen Böden, die viel Wasser speichern können, konnten die Reben die Trockenheit sehr gut wegstecken. Die Säurewerte sind moderat, die Menge ist leicht unterdurchschnittlich – letztlich kann man aber zusammenfassen, dass das Jahr vom Verlauf bis zum Ergebnis ein Traum ist.“ 

Felix Ellwanger, VDP.Weingut Jürgen Ellwanger