Souverän durch den Wandel
Wenn Mainz in diesen Tagen zum Treffpunkt des deutschen Weins wird, dann zeigt das, was die VDP.Weinbörse seit mehr als fünf Jahrzehnten ausmacht: Sie ist nicht nur die Hausmesse des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP), sondern hat sich zu einer der wichtigsten Plattformen für deutsche Spitzenweine entwickelt und gibt Handel, Gastronomie sowie Multiplikatoren Jahr für Jahr Orientierung. Als wichtigste Veranstaltung des Verbands ist sie damit zugleich der passende Zeitpunkt, um auf das zurückliegende Wein- und Wirtschaftsjahr zu blicken und Bilanz zu ziehen.
Die wirtschaftliche Abfrage unter den VDP.Mitgliedern ordnet das Wirtschaftsjahr 2024/25 in ein Umfeld ein, das in Deutschland wie international von Zurückhaltung im Konsum und dynamischer Kostenentwicklung geprägt war. Für Handel, Gastronomie, Weinkonsumentinnen und -konsumenten im Heimatmarkt und weltweit bleiben die Weine der VDP.Weingüter eine verlässliche Größe. Sie behaupten ihre Rolle als Orientierungspunkt für deutsche Spitzenweine: Herkunftsprofile, handwerkliche Präzision und die klare Qualitätspyramide schaffen Vertrauen bei Absatzpartnern. Viele Betriebe arbeiten deshalb konsequent an Marktnähe und langfristigen Partnerschaften und stärken ihre Präsenz im In- und Ausland. „In einem Markt, der sich spürbar verändert und anspruchsvoller geworden ist, zeigt sich, wie tragfähig die Grundpfeiler des VDP sind. Der Traubenadler, das Markenzeichen des VDP, steht seit 100 Jahren für Werte wie Qualität durch konsequentes Handwerk. Für Qualität durch konsequentes Handwerk und Verlässlichkeit durch nachhaltiges Wirtschaften. Gutes bewahrend, aber immer wieder kritisch hinterfragend, sind wir gut aufgestellt für die Zukunft“, fasst VDP.Präsident Steffen Christmann die Lage zusammen.
Der Jahrgang 2025 – Ein Jahr mit schnellem Rhythmus
Das Weinjahr 2025 war von einem zügigen Takt geprägt: frühe Entwicklungsphasen im Frühjahr, ein rascher Reifeverlauf und ein Herbst, der vielerorts deutlich vorgezogen einsetzte als gewohnt. Anders als 2024 blieb glücklicherweise ein flächiger Spätfrost aus – die Vegetation kam gut in Gang und die Betriebe konnten die Arbeit im Weinberg problemlos angehen.
Der Sommer brachte warme, sonnige Abschnitte, die die Reife vorantrieben. Punktuelle Regenphasen – insbesondere im Juli – sorgten für Wachstumsimpulse, verlangten aber zugleich ein enges Monitoring der Traubengesundheit und umsichtige Laubarbeit. Anschließende längere Trockenperioden verstärkten den Reifedruck: Vieles entwickelte sich parallel, Entscheidungen mussten schnell getroffen werden.
Die Lese konzentrierte sich auf einen kurzen, intensiven Zeitraum. In einigen Betrieben begann sie bereits im August, vielerorts konzentrierte sich die Hauptlese auf wenige Wochen. Wo Niederschläge in die Ernte fielen, war konsequente Selektion gefragt; Handarbeit und präzises Timing blieben die Grundlage, um das optimale Lesegut in den Keller zu bringen. Die Erntemengen zeigen ein heterogenes Bild – regional teils etwas mehr als 2024, andernorts spürbar weniger; insgesamt ist der Jahrgang mit 50 Hektolitern pro Hektar quantitativ so klein, wie seit 2017 nicht mehr – lässt man den frostgeschädigten Jahrgang 2024 außen vor.
2025 verspricht damit ein Jahrgang zu werden, der weniger über spektakuläre Einzelereignisse als über punktgenaue Arbeit und Herkunftsklarheit definiert ist. VDP.Präsident Steffen Christmann drückt es so aus: „Ich erinnere mich kaum an ein anderes Jahr, das uns so exzellente Trauben geschenkt hat. Wenig, aber wunderbar. Das Jahr begann recht trocken, was wahrscheinlich zu einem geringen Fruchtansatz geführt hat. Dann kam rechtzeitig Regen und zusammen mit ausgewogenem Wetter konnten die Trauben perfekt ausreifen. Vollreif und mit feinster Fruchtsäure geerntet, vergoren die Moste zu vollen intensiven Jungweinen heran. “
Direktvertrieb: Ab Hof bleibt Fundament, systematische Forcierung des digitalen Vertriebs
Der deutsche Markt bleibt für die VDP.Prädikatsweingüter wichtig: Im Durchschnitt werden rund drei Viertel des Umsatzes im Inland erzielt. Der Direktvertrieb ist dabei ein Stabilitätsanker und bleibt ein zentrales Standbein, das nahezu alle Betriebe anbieten. Im Durchschnitt liegt der Ab-Hof-Anteil konstant bei rund einem Drittel.
Parallel gewinnt der digitale Direktvertrieb weiter an Bedeutung. Rund neun von zehn Weingütern verfügen über einen eigenen Webshop; darüber werden im Schnitt rund 12% des Absatzes erzielt. Viele Betriebe investieren gezielt in Kundenkommunikation – Newsletter, Social Media, Einladungsformate, digitale Verkostungen – nicht als kurzfristige Aktion, um den Absatz anzukurbeln, sondern als verlässliche Beziehungspflege und Marketinginstrumente, um so auch den Vertrieb bei den Handelspartnern zu stützen. Ergänzend arbeiten viele Weingüter mit externen Onlinehändlern zusammen; dieser Kanal macht im Mittel rund 5% des Absatzes aus.
Markt und Wertschöpfung: Weniger Volumen, mehr Arbeit am Markt
Im Jahr 2025 verzeichneten die VDP.Weingüter hochgerechnet einen Gesamtabsatz von 33,5 Millionen Flaschen (0,75 l). Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr (35,7 Mio. Flaschen) spiegelt das allgemeine Umfeld, aber auch die frostbedingten Ausfälle in 2024: Der Binnenmarkt bleibt geprägt von Konsumzurückhaltung, und bei Wein wird im Einkauf stärker auf Preis und Anlass geachtet.
Gleichzeitig zeigt sich im Premiumsegment eine zentrale Dynamik: Wertschöpfung entsteht nicht allein über Volumen, sondern über Profil, Preisstabilität, Partnerschaften und Kundennähe.
Das Umsatzvolumen der VDP.Weingüter beträgt für 2025 rund 426 Millionen Euro (ca. 2,1 Millionen Euro pro Betrieb). In der Umsatzentwicklung berichten über die Hälfte positiv, genauer 22% der Betriebe von steigenden, 31% von stabilen Umsätzen. Generell wird aber vor allem der höhere Aufwand im Verkauf und der spürbare Kostendruck genannt.
Viele Betriebe beschreiben die Lage dabei nicht als „Krise“, sondern als Strukturwandel: Der Markt verlangt mehr Präsenz, mehr Erklärung, mehr Beziehungspflege. Vertrieb passiert seltener „automatisch“, er muss aktiver gestaltet werden – durch Reisen, Events, Verkostungen, alternative Verkaufsformate und eine engere Begleitung der Partner.
Fachhandel und Gastronomie: Gut gepflegt ein verlässlicher Partner
Fachhandel und Gastronomie bleiben für die VDP.Weingüter unverzichtbare Partner – nicht nur als Vertriebskanäle. Sie schaffen Orientierung, ermöglichen Beratung und stellen den Kontext her, in dem Spitzenweine wirken: Kulinarik, Genuss, Weinkultur.
In der Gastronomie zeigt sich eine robuste Basis: Rund jede fünfte Flasche wird weiterhin direkt dorthin verkauft. In einem Umfeld, das sich durch Konsolidierung, neue Konzepte und ein verändertes Ausgehverhalten wandelt, ist dieser Wert ein Signal für tragfähige Beziehungen. Entscheidend sind dabei auch die vielen engagierten Sommelièren und Sommeliers, die VDP.Weine mit großer Kompetenz und Leidenschaft am Tisch vertreten – als Übersetzer:innen von Herkunft, Stil und Jahrgang. Viele Betriebe stärken diese Partnerschaften durch Präsenz bei ausgewählten Veranstaltungen, gemeinsamen Menüs und Winzerabenden, Schulungen sowie durch gegenseitige Unterstützung vor Ort.
Auch im Fachhandel bleibt die Partnerschaft zentral, zugleich ist der Kanal vielerorts stärker unter Druck, da auch die Händler den Konsumwandel spüren. Umso mehr setzen die Betriebe – wie in der Gastronomie - auf Formate, die Bindung schaffen, wie Proben, Besuche, gemeinsame Verkostungen, Hausmessen bei Importeuren, Masterclasses – und vor allem Kontinuität in Kommunikation und Service. Diese „Arbeit am Markt“ ist zeitintensiv, zahlt sich aber dort aus, wo Partner gemeinsam an Profil und Platzierung arbeiten.
Eine Rolle spielt dabei zunehmend auch der Sekt: Die Investitionen der vergangenen Jahre in die Klassifikationen VDP.SEKT und VDP.SEKT.PRESTIGE®, die vor zehn Jahren mit dem VDP.SEKT.STATUT auf den Weg gebracht wurden, zeigen Wirkung in Handel und Gastronomie – als Ergänzung im Sortiment und als Alternative zu anderen etablierten Herkünften.
LEH: teilweise – Discount spielt faktisch keine Rolle
Während ein großer Teil des Weinverkaufs in Deutschland über den Lebensmitteleinzelhandel läuft, spielt dieser Kanal im Vermarktungsmix der VDP.Weingüter eine deutlich kleinere Rolle. Für sie bleibt der LEH ein eher optionaler Kanal mit einem durchschnittlichen Absatzanteil von rund 6 %. Der Discount liegt weiterhin bei unter 1% und spielt im VDP praktisch keine Rolle. Wo VDP.Weine im LEH platziert werden, gelingt das vor allem dort, wo inhabergeführte Märkte bewusst auf regionale Qualität, Beratung und verlässliche Sortimente setzen und dort, wo die Zusammenarbeit durch persönliche Präsenz, Verkostungen und kontinuierliche Kommunikation sichtbar getragen wird.
Export & Nachhaltigkeit: strategischer Schwerpunkt – und Ausdruck internationaler Wertschätzung
Der Export gewinnt weiter an strategischem Gewicht – nicht als Ersatz für den Heimmarkt, sondern als notwendiges zweites Standbein in einem schrumpfenden Binnenmarkt. Das internationale Umfeld bleibt volatil: Wirtschaftliche Unsicherheit, geopolitische Spannungen, Wechselkursrisiken und unterschiedliche Marktstimmungen beeinflussen Abverkauf und Planung. Dennoch zeigt die Abfrage, dass viele VDP.Weingüter ihre internationale Präsenz ausbauen konnten.
38% der Betriebe berichten von steigenden, 32% von stabilen Exportabsätzen. Insgesamt bleibt der Exportanteil im Absatz bei rund einem Viertel; im Umsatz zeigt sich aufgrund höherer Wertschöpfung in vielen Märkten ein entsprechend stärkeres Gewicht.
Zu den wichtigsten Märkten zählen weiterhin Skandinavien auf dem ersten Platz, sowie die USA auf Platz zwei und Großbritannien und die Schweiz als europäische Märkte auf Platz drei. International gefragt sind dabei genau die Eigenschaften, die das VDP-Profil prägen: klare Herkunft, handwerkliche Präzision, Verlässlichkeit – und die Wiedererkennbarkeit der Herkunftspyramide. Viele Betriebe beschreiben, dass das Exportgeschäft heute weniger über klassische „Akquise“ funktioniert, sondern über langfristige Partnerschaften, Präsenz, Schulung und gezielte Marktbearbeitung.
Als perspektivische Ergänzung zu den etablierten Exportmärkten nennen Betriebe insbesondere ausgewählte asiatische Märkte sowie Indien; in Europa werden Polen und Tschechien häufiger als Wachstumsmärkte im unmittelbaren Umfeld Deutschlands genannt sowie teilweise Kanada und Südamerika in Übersee.
Ein Thema, das nicht nur Zusatz, sondern längst Teil der DNA des VDP ist, ist die Nachhaltigkeit: Um ein Zeichen zu setzen wurde vor fünf Jahren beschlossen, dass alle VDP.Weinügter eine nachhaltige Zertifizierung durchlaufen. Diese Agenda ist mit dem Jahr 2025 erreicht. 82 von ihnen bewirtschaften 40,3% der VDP.Rebfläche ökologisch (teilweise noch in Umstellung). Damit wird rund 15% der deutschen Öko-Weinbaufläche vom VDP bewirtschaftet – bei knapp 6% Anteil an der gesamten deutschen Rebfläche. Jedes zehnte VDP.Weingut arbeitet zudem biodynamisch.
Kosten und Rahmenbedingungen: Resilienz ist keine Zukunftsgarantie
Das zentrale Thema, das von wesentlich größerer Bedeutung ist als die Veränderung der Konsumgewohnheiten, zieht sich durch viele Rückmeldungen: eklatant steigende Kosten in nahezu allen Bereichen. Besonders genannt werden Energie, Betriebsmittel sowie wachsende administrative Anforderungen durch Bürokratie, vor allem aber Lohnkosten, wie die Anhebung des Mindestlohns, und Lohnnebenkosten, Gerade die arbeitsaufwändigen Handarbeitslagen, die so prägend für unsere Kulturlandschaften sind, sind immer schwieriger rentabel zu bewirtschaften. Hier wurde aus Sicht der VDP.Weingüter und auch des gesamten Weinbaus in Deutschland eine Kostenentwicklung in Gang gesetzt, die ganz fatale Folge haben wird.
Viele VDP.Mitglieder berichten gleichzeitig, dass diese Mehrkosten nur begrenzt und nicht kurzfristig an den Markt weitergegeben werden können – umso wichtiger werden Effizienz, Priorisierung und Investitionen, die langfristig entlasten, wie beispielsweise Energieautarkie, Prozessoptimierungen, strukturierte Direktvertriebsarbeit.
Planbare und verhältnismäßige Rahmenbedingungen sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass handwerkliche Spitzenbetriebe im ländlichen Raum investieren, ausbilden und Wertschöpfung in den Regionen halten können. Das gilt umso mehr, wenn es darum geht, die nächste Generation für den Beruf zu gewinnen und Ausbildung verlässlich zu sichern. Gerade in Zeiten, in denen Vertrieb und Produktion anspruchsvoller werden, wünschen sich die VDP.Winzerinnen und Winzereine verlässliche Zukunftsperspektive und sind bereit, ihren Anteil beizutragen.
Facts & Figures 2025 (Hochrechnungen)
Gesamtabsatz im Jahr 2025 (bezogen auf 0,75-l-Flaschen)
• Gesamt VDP: ca. 33,5 Millionen Flaschen
• Pro Weingut: ca. 176.500 Flaschen
Rebfläche
• Gesamt VDP: ca. 5.850 Hektar (ca. 5,7% der deutschen Gesamtrebfläche)
• Pro Weingut: ca. 28,5 Hektar
Personalstruktur im VDP
• Durchschnittlich: 8 feste Mitarbeitende, 3 Aushilfen
• 3 von 4 Weingütern bilden aus (durchschnittlich 1-2 Auszubildende pro Betrieb)
• Im Durchschnitt bis zu 11 Saisonarbeitskräfte pro Weingut
Umsatzvolumen im Jahr 2025
• Gesamt VDP: ca. 426 Millionen Euro
• Pro Weingut: ca. 2,1 Millionen Euro
Durchschnittlicher Hektarertrag (hl/ha)
• 2025: 50 hl/ha
• 2024: 46 hl/ha
• 2023: 56,5 hl/ha
• 2022: 62 hl/ha
• 2021: 53 hl/ha
Endverbraucher Flaschenpreise 2025 (0,75 l)
Zum Vergleich: Durchschnittspreis einer Flasche deutschen Weins liegt bei 3,35 € pro 0,75 Liter
• VDP.GUTSWEIN: 11,50 € (66 %)
• VDP.ORTSWEIN: 17,00 € (17 %)
• VDP.ERSTE LAGE®: 22,50 € (12 %)
• VDP.GROSSE LAGE®: 42,00 € (5 %)
(Prozentangaben beziehen sich auf die Absatzanteile der befragten VDP.Weingüter)
Absatzverteilung (Durchschnitt)
• Inland: 75 %
• Export: 25 %
Top 4 Exportmärkte
• Skandinavien (Dänemark, Norwegen, Schweden)
• USA
• Großbritannien
• Schweiz
Rückblick Weinlese 2025
Auf der nun bevorstehenden VDP.Weinbörse in Mainz können sich die Fachgäste einen ersten Eindruck des neuen Jahrgangs 2025 verschaffen. Zu den Stimmen der Weinlese 2025 können Sie hier mehr Details erfahren:
VDP.Die Prädikatsweingüter
Im Verband Deutscher Prädikatsweingüter sind 200 der besten Winzerinnen und Winzer Deutschlands zusammengeschlossen. Was sie eint, ist ihr Individualismus. Was sie antreibt, ist ihr zeitloses Ideal handwerklich erzeugter, herkunftsgeprägter Weine. Unverwechselbar wie sie selbst. Und wie ihr weltweit geschätztes Markenzeichen: der VDP.Adler.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
VDP.Die Prädikatsweingüter
Max Rohde
m.rohde@vdp.de
+49 (0) 6131 945 65 14
