Ausgezeichnetes Weinkonzept 2026

VDP.Prädikatsweingüter und meiningers sommelier zeichnen auf der VDP.Weinbörse 2026 in Mainz die “Ausgezeichneten Weinkonzepte” aus.

Es gibt Häuser, in denen Wein mehr ist als ein beliebiger Punkt auf der Getränkekarte. Genau dafür steht das „Ausgezeichnete Weinkonzept“ – vergeben vom VDP.Die Prädikatsweingüter in Kooperation mit meiningers sommelier. Aus einer Ehrung für besonders gut durchdachte Weinkarten mit Fokus auf deutschen Erzeugnissen, ist ein begehrtes Siegel geworden: ein sichtbares Zeichen gelebter Weinkultur, von der urbanen Weinbar bis zur alpinen Luxusadresse. Wo das Messingschild mit dem VDP.Adler hängt, geht es nicht um „viel“, sondern um „richtig“: gute Beratung, klare Handschrift, herausragendes Konzept.

Auch 2026 war das Interesse groß. Über 70 Häuser aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch aus den Niederlanden und sogar Italien haben sich beworben – und die Jury hat erneut die spannendsten Konzepte ausgezeichnet.

Der Sonderpreis widmete sich in diesem Jahr dem Spätburgunder – einer Rebsorte, die wie kaum eine andere für Finesse und Herkunft im deutschen Rotwein steht. Ausgezeichnet wurde das Hotel Restaurant Ruland, getragen von Andreas Carnott und seinem Sohn Jacob Carnott.

Die Preisträger:innen insgesamt sind facettenreich – verbunden durch ein kompromissloses Ja zum deutschen Spitzenwein. Sie kuratieren und vermitteln, sie übersetzen Wein in Genuss. Unaufgeregt, aber prägend.

Die Preisträgerinnen und Preisträger – Sie lesen die Laudationes von Sascha Speicher

Sonderpreis bestes Spätburgunderkonzept

Riesling ist und bleibt Deutschlands USP. Selbstverständlich. Doch der Spätburgunder wird immer mehr zum Joker, auch im internationalen Konzert. Keineswegs nur, weil der Platzhirsch Burgund zunehmend zwischen den Herausforderungen der Klimaveränderung und Preisexzessen aufgerieben wird. Sondern ganz einfach deshalb, weil die Pinots made in Germany immer besser, immer stilsicherer werden. So war es fast schon überfällig, den Pinot als Sonderthema zu wählen.

 

Andreas Carnott und Jacob Carnott, Hotel-Restaurant Ruland

Dass wir den Preis ausgerechnet an ein Hotel im Ahrtal vergeben, könnte zu vorschnellen Reaktionen verleiten. Denn es handelt sich keineswegs nur um eine exzellente Regionalauswahl. Natürlich ist die heimische Region mit über 80 Positionen Spätburgunder und weiteren ausgewählten Frühburgundern nahezu lückenlos vertreten. Aber eben nicht nur. Sieben Weingüter aus Baden, acht aus der Pfalz sowie weitere Betriebe aus Franken, dem Rheingau und Württemberg sorgen für eine echte Leistungsschau des deutschen Spätburgunders, zudem in angemessener Jahrgangstiefe. Alle Ernten der letzten Dekade von 2013 bis 2022 sind ausnahmslos und mehrfach auf der Weinkarte präsent. Andreas und Jacob Carnott vom Hotel-Restaurant Ruland in Altenahr haben es in ihrer Bewerbung treffend formuliert: „Der Blick über den Glasrand hinaus und zu wissen, was rechts und links des Ahrtals in den Kellern passiert, spiegelt sich auch im Sortiment wider. Nur das Bekannte zu trinken, wäre langweilig.“  

 

Ausgezeichnetes Weinkonzept international

Marco Pignotta, Ristorante da Michele, Roma

Wie hell der USP Deutscher Riesling auch international strahlen kann, macht die Karte von Marco Pignotta deutlich. Die Mitglieder der Jury waren schlicht und einfach perplex, wie umfangreich die Riesling-Auswahl im Ristorante da Michele ist. Denn das Lokal befindet sich nicht etwa in München sondern in Rom. Dort erwartet die Gäste eine Auswahl von 290 deutschen Weinen mit großer Jahrgangstiefe und zu erstaunlich moderaten Preisen. Dazu zahlreiche Versteigerungsraritäten. Der Fokus liegt eindeutig auf Mosel, Saar und Ruwer, stärkster Einzelwinzer ist jedoch das Weingut Dönnhoff mit mehr als 40 Positionen. Meyer-Näkel hält die Fahne des deutschen Spätburgunders in die Höhe. Eine eher neue Erweiterung der Weinkarte, während Marco Pignotta seine Riesling-Leidenschaft schon viele Jahre kultiviert. Und zwar in verschiedensten Ausdrucksformen, wie er betont: „Er passt trocken, feinherb oder fruchtsüß zu vielen Speisen.“ Um dies zu beweisen, hat er sogar ein eigenes Menü kreiert. Wahrlich ein perfekter Botschafter.  

 

Ausgezeichnetes Weinkonzept Deutschland

Magnus Wanner, Panorama Allgäu Spa Resort

Diesen Preisträger hat vielleicht nicht jeder auf dem Schirm. Es ist schon sehr erstaunlich, was sich in den letzten Jahren auf engstem Raum im Dreieck Füssen-Nesselwang-Pfronten an Weinkonzepten entwickelt hat. Nicht weniger als fünf Top-Hotel-Adressen, die alle als würdige Preisträger hier auf der Bühne stehen könnten. Den Ausschlag für das Panorama Allgäu Spa Resort haben im direkten Vergleich drei Punkte geliefert: Der durchdachte Aufbau der Karte, der bereits bei dem sehr strukturierten und vielfältigen Angebot an hochwertigen offenen Weinen anfängt, inklusive hervorgehobener Empfehlungen des Sommeliers; sowie die Relevanz der ausgewählten Weine mit klarem Fokus auf klassifizierte Lagen, die fast ausnahmslos mit einer gewissen Jahrgangstiefe angeboten werden. Das Team, es handelt sich um Jacqueline Paul, Laura Bartenschlager und Magnus Wanner, erklärt sein Konzept sehr treffend: „Der erste Teil der Karte lädt niederschwellig zum Genuss ein. Er richtet sich an alle Gäste, unabhängig von Vorkenntnissen. Der zweite Teil widmet sich Herkunft, Reife und Vergleich. Deutschland bildet dabei das Rückgrat der Karte. Vertikalen machen Entwicklung und Zeit erlebbar.“ Der dritte Punkt sind die attraktiven, sehr gut gestaffelten Preise, die bei klassifizierten Lagen von 57 bis 285 Euro reichen und Gästen die Scheu nehmen, sich vielleicht auch einmal auf ein Abenteuer einzulassen.

 

Andrea Kauk & Team, Grill Royal, Berlin

Vom einen Ende der Republik ans andere. Von der Bergwelt des Allgäus in die Hauptstadt. Dort gibt es einen Ort, der wie kein zweiter für hedonistischen Genuss, für Lebenslust, für Sehen und Gesehen werden, steht: das Grill Royal. Hier werden mit Freude edle Fleischstücke und Meeresfrüchte gespeist und große Flaschen getrunken. Die Weinkarte lässt aus deutscher Sicht keine Wünsche offen, abgesehen von deutschem Sekt, der im Grill gar nicht stattfindet. Dafür fehlt bei Weiß und Rot kein großer Name der deutschen Weinszene, garniert um einige Senkrechtstarter der letzten Jahre aus der alternativen Szene. Auffallend ist der gute Mix aus aktuellen und reiferen Jahrgängen. Hier wird keinem Gast etwas aufgedrängt und nahezu jeder Wunsch erfüllt, Sortenvielfalt inklusive. Geleitet wird der Service von Andrea Kauk, sie ist das Gesicht des Grill, quasi seit Tag eins. Das Sommelier-Team besteht aus fünf Personen: Nikolaus Laurentius, Pauline Perou, Anna-Patricia Schilling, Nancy Großmann und Alexander Brauer. Das allein ist schon ein grandioses Statement und garantiert, dass die Gäste im Grill bestens beraten werden und entsprechend auch Freude beim Genießen und Geldausgeben empfinden. Wir bräuchten weit mehr solcher Lokale in Zeiten wie diesen.

 

Die gleiche Lebenslust versprühen auch die folgenden beiden Preisträger, nur mit noch deutlich klarerem Fokus auf Wein. Wieder Nord und Süd, Berlin und München. Einmal Weinbar, einmal Wirtshaus. Zwei Formate, die von der Weinkompetenz und dem Standing ihrer Betreiber profitieren, die fraglos zu den profiliertesten Weinkonzepten im deutschsprachigen Raum zählen. Beide haben nicht die umfangreichste Auswahl an deutschen Weinen in der Republik, bei beiden spielen Österreich und Frankreich sogar eine noch größere Rolle. Dennoch verkaufen beide Lokale mehr deutschen Spitzenwein in einem guten Monat, als andere mit der doppelten Anzahl an Positionen im ganzen Jahr. Und darum geht’s. Schließlich heißt es ausgezeichnetes Weinkonzept und nicht umfangreichste Weinkarte.

 

Johannes Schellhorn und Willi Schlögl, Freundschaft, Berlin

In Berlin Mitte betreiben Johannes Schellhorn und Willi Schlögl seit 2018 die Freundschaft. Seither ist die Weinkarte der Weinbar gewachsen, von ursprünglich 450 auf heute 800 Positionen und mit am stärksten gewachsen ist in dieser Zeit die Auswahl an deutschen Weinen. Den wollten die beiden Gastgeber eigentlich eher aussparen: „Wir haben darauf vertraut, dass in der deutschen Hauptstadt deutsche Weine in großer Breite und Tiefe in vielen Lokalen feilgeboten werden. Es hat Jahre persönlicher und sensorischer Reife gebraucht, um diesen Fehler einzugestehen.“ Wer die beiden kennt, weiß: Es wird nicht gefackelt und so wurde die Auswahl deutscher Weine in den vergangenen zwei Jahren vervielfacht. Dass die Auswahl exzellent kuratiert ist, versteht sich bei den beiden von selbst. Die lockere Art der Präsentation lässt Berührungsängste mit Großen Gewächsen und Co. erst gar nicht aufkommen. Große Weine volksnah offeriert.

 

Charlotte Schwarz, Waltz, München

Ähnliches gilt für das zweite kongeniale Sommelier-Duo, das sich in wenigen Jahren in München an die Spitze der Weingastronomie gesetzt hat. Auch Markus Hirschler und Stefan Grabler sind gebürtige Österreicher, die uns in Deutschland gezeigt haben, was mit der richtigen Kombination aus Weinkompetenz und Wirtshauskultur möglich ist. Nämlich die Menschen in schöner Regelmäßigkeit zum Genuss hochwertiger Weine zu animieren. Das Waltz läuft so gut, dass die beiden gemeinsam mit ihren Partnern, der Familie Bieber, 2025 zusätzlich noch eine Weinbar eröffnet haben. Die Rolle der Sommelière hat im Waltz inzwischen Charlotte Schwarz übernommen. Sie pflegt die Weinkarte und entwickelt sie weiter. Deren große Stärke ist ganz klar die Relevanz. Wer es als Winzerin oder als Winzer aus Deutschland auf die Karte geschafft hat, erzeugt Weine mit klarer Aussage, mit Profil und Charakter. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf den ganz großen Namen an, sondern nur auf die Botschaft im Glas.

 

Nicht nur in den Metropolen wird Weinkultur gepflegt, in den Weinbaugebieten, wird sie gelebt. Paradebeispiele hierfür liefern die letzten beiden Preisträger. Beides Adressen, an denen sich auch ganz vortrefflich speisen lässt, was der Michelin mit zwei Sterne bestätigt.

 

Stephan Nitzsche, Restaurant L.A. Jordan, Deidesheim

Weintourismus in seiner hochwertigsten Form, vielleicht zuweilen etwas posh und protzig: Dafür steht kein anderer deutscher Weinort so wie Deidesheim. Sehr großen Anteil am touristischen Erfolg hat neben den örtlichen Weingütern die Ketschauer-Hof-Gruppe mit ihren Hotels und Restaurants. Dass es jedoch Zeit und vor allem Kontinuität braucht, um ein exzellentes Weinkonzept zu entwickeln, zeigt das Beispiel L. A. Jordan. Seit fünf Jahren ist Stephan Nitzsche dort als Sommelier tätig, nachdem es zuvor auf dieser Position einige Wechsel gab, und mit Geduld hat er eine Weinauswahl aufgebaut, die Daniel Schimkowitschs Sterne-Küche absolut ebenbürtig ist. Anfangs war die Auswahl deutscher Weine sehr stark auf die drei zur Gruppe gehörenden Weingüter konzentriert, allerdings damals schon mit einer atemberaubenden Jahrgangstiefe. In den letzten Jahren wurde auf diesem Fundament massiv erweitert. Die Pfalz ist heute nahezu lückenlos vertreten, auch andere Betriebe wie Dr. Bürklin-Wolf oder Odinstal mit stattlicher Jahrgangstiefe. Dazu große Namen aus acht weiteren deutschen Weinbaugebieten, die dafür sorgen, dass das ganze Weinland Deutschland standesgemäß abgebildet wird.

 

Désirée Steinheuer und Paul Biermann, Steinheuers Restaurant Zur Alten Post, Heppingen

Nicht zufällig ganz zum Schluss kommen wir zu einer Institution der deutschen Weinkultur und Kulinarik, deren Auszeichnung an dieser Stelle längst überfällig ist. Es kommt bei unseren Jurysitzungen selten vor, dass totale Einigkeit herrscht. Dafür ist die Auswahl an erstklassigen Weinkonzepten einfach zu groß. Doch dies war so ein Fall: Bei den Steinheuers fühlen sich Weinliebhaberinnen und Kenner wie im siebten Himmel, maximal etwas überfordert, angesichts der gebotenen Auswahl. Das fängt bei der Ahr in maximaler Breite und Tiefe, auch Jahrgangstiefe, an, und setzt sich in den anderen deutschen Anbaugebieten genauso fort: So sind auch von Schönlebers Halenberg zehn Jahrgänge vorrätig, gleiches gilt für Dönnhoffs Hermannshöhle, das Pettenthal von Kühling-Gillot oder Wittmanns Morstein und Brunnenhäuschen. Die Liste ließe sich fortführen. Auch deutscher Sekt ist von immerhin sieben Erzeugern erhältlich, mehr Breite als bei fast allen anderen ausgezeichneten Weinkonzepten dieses Jahres.  Das ganz unprätentiös und übersichtlich dargestellt. Wer sich angesichts der riesigen Auswahl dennoch etwas überfordert fühlt, kann sich ganz auf die Empfehlungen von Désirée Steinheuer und Paul Biermann, Gastgeberin und Sommelier bei Steinheuers in Heppingen, verlassen. Und wenn es zu späterer Stunde um die dritte Flasche des Abends geht, kann es auch sein, dass der Patron noch seine Expertise einfließen lässt.

©VDP by Peter Bender