Historische Lagenkarten

GESCHICHTE

Nicht ganz bis 1803 - aber immerhin bis 1910 reicht die Geschichte des VDP zurück. Lesen Sie hier, wie sich der Verband über die Jahre entwickelt hat. Mehr lesen


Alte Karten von Tranchot und Müffling dokumentieren Weinbergsqualität

Schon zu Zeiten Napoleons galten deutsche Weinbergslagen als wertvolle Herkunft einzigartiger Weine. Dies belegen neben historischen Menükarten aus dieser Zeit auch die detaillierten Lagenkarten des Rheinlands, der Saar und der Mosel, die von Jean Joseph Tranchot im Auftrag Napoleons 1803 begonnen und ab 1816 von Karl Freiherr von Müffling fertiggestellt wurden. Legt man die damaligen Karten mit den heutigen Karten der VDP.GROSSEN LAGEN® und VDP.ERSTEN LAGEN® übereinander erkennt man viele Schnittstellen. Die deutschen Spitzenlagen können auf eine lange Historie zurückblicken. 

Heute liegen die Originale dieser Karten in der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz). Über den VDP haben Sie aber die einzigartige Möglichkeit, diese Karten als Ausdruck in der Größe 50 x 46 cm zu bestellen. Der Preis beträgt 19,50 Euro.

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Wie die Tranchot-Müffling-Karten entstanden

Von Dr. Daniel Deckers, Weinhistoriker & FAZ-Redakteur

1802 beauftragte Napoleon persönlich den Obersten Jean Joseph Tranchot, ein Kartenwerk der Gebiete links des Rheins anzufertigen, die nach dem Frieden von Lunéville französisch geworden waren. Indes dachten Tranchot und seine Ingenieur-Geographen nicht daran, wie von Napoleon gewünscht, eine großmaßstäbliche Generalstabskarte anzufertigen. Stattdessen entstand zwischen 1802 und 1814 eine „topographische Landesaufnahme“ der vier linksrheinischen Departements, die als das erste „moderne“ Kartenwerk einer Region in Deutschland gelten.

Im Zuge des Zusammenbruches der napoleonischen Herrschaft musste Tranchot die Arbeiten an dem Kartenwerk abbrechen. Im Frieden von Paris verpflichtete sich Frankreich im September 1815, die vorhandenen Karten an Preußen auszuhändigen. Vor fast zweihundert Jahren, im Dezember 1816, kamen die letzten Karten nach der Anfertigung von Kopien für das Dépot de la guerre endlich nach Berlin. Von dort aus setzte der preußische Generalstab unter Leitung Karl von Müfflings die Landesaufnahme in der nunmehrigen Rheinprovinz fort. 1828 war die „Tranchot-Müffling“-Karte vollendet – 264 Einzelblätter im Maßstab 1:20 000.

In der Wissenschaft sind diese Fakten längst bekannt – auch die Tatsache, dass die Preußen die Arbeit der französischen „Ingenieur-Geographen“ für so vorbildlich hielten, dass sie deren Methoden nur weiterentwickeln mussten. Bei genauem Hinsehen indes enthalten die Karten Informationen, die noch nie in den Blick gerieten und als eine Sensation gelten müssen.

Unter dem vielen, was die Preußen von den Franzosen übernahmen, war auch der Blick für eine Besonderheit der Rheinlande: den Weinbau. So waren Weinberge schon in den Tranchot-Karten maßstabsgetreu gezeichnet und farbig hervorgehoben worden - Müffling führte diese Tradition weiter. Das Ergebnis: Das Tranchot-Müfflingsche Kartenwerk hält den Umfang der Rebfläche an Mosel, Saar, Ruwer, Ahr, Nahe und linkem Rheinufer zur napoleonischen Zeit fest – ein Umstand, dessen reale und symbolische Bedeutung für den deutschen Weinbau nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Da sich im Dezember die Übergabe der letzten Karten an Preußen zum zweihundertsten Mal jährt, wäre dieses Datum eine hervorragende Gelegenheit, um an das Zusammenwirken von Franzosen und Preußen bei der Landesaufnahme der späteren Rheinprovinz zu erinnern und die Bedeutung des dabei entstandenen Kartenwerkes als früheste kartographische Darstellung des Weinbaus an Rhein und Mosel gebührend zu feiern.