Glossar Geschichte

Was heißt „Naturwein“?

Angesichts der weitverbreiteten „Verbesserung“ von Weinen durch die Hinzufügung von Zuckerwasser, des ausufernden Verschnitts von Weinen unterschiedlicher Herkunft und vieldeutiger Weinbezeichnungen standen die „Naturweinversteigerer“ für das „nicht gewerbsmäßige Aufkaufen von Trauben und Wein und die Garantie für absolute Reinheit und Originalität ihrer Weine“ (Rheingau). In der Rheinpfalz verpflichtete sich auf die Förderung des Absatzes unter Betonung der Qualität sowie Besitz der Spitzenlagen des Weinbaugebietes sowie die Förderung und Bewahrung des Qualitätsideals der nicht angereicherten, "naturreinen" Weine“ (Pfalz).

Warum „Naturweinversteigerer“?

Wer renommierte Lagen besaß und genügend Kapital, um seine Moste nicht im Fass verkaufen zu müssen, der brachte seine besten Weine auf dem Weg der Versteigerung auf den Markt. Am Rhein hatten renommierte Weingüter schon im 18. Jahrhundert Weinversteigerungen abgehalten, zu denen Weinkommissionäre und -händler an den Sitz des jeweiligen Weingutes reisen mussten. Als die Zahl der Weinversteigerungen ausgangs des 19. Jahrhunderts infolge mehrerer guter Jahrgänge und der weltweit rauschhaften Nachfrage nach deutschem Riesling-Naturwein sprunghaft anstieg, schlossen sich Weingüter von Mosel, Saar und Ruwer zu Versteigerungskonsortien zusammen und hielten ihre Versteigerungen gemeinsam ab. Die Rheingauer Weingutsbesitzer koordinierten wenig später ihre Termine. Der Zusammenschluss der Regionalvereine diente im Jahr 1910 dem Zweck, die Versteigerungstermine in den einzelnen Regionen so aufeinander abzustimmen, dass sich die Mitglieder des VDNV im Wettbewerb um Kommissionäre und Händler nicht länger untereinander Konkurrenz machten. Auch die Versteigerungsbedingungen wurden harmonisiert. Beides stärkte die Stellung der Naturweinerzeuger gegenüber dem mittlerweile ebenfalls gut organisierten Handel.

Mitgliederverzeichnis 1926

Das Mitgliederverzeichnis verzeichnet zum Stichtag 1. April 1926 nicht nur die Regionalvereine Rheingau, Rheinpfalz, Rheinhessen und Mosel-Saar-Ruwer und deren Mitglieder. Hinzugekommen sind Vereinigungen von Naturweinversteigerern an der Nahe sowie in Baden. In Franken ist in der Zwischenzeit ein zweiter Gründungsversuch gescheitert. Immerhin zählt der VDNV zählt mittlerweile 216 Mitglieder, die etwa 3600 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Die meisten Flächen bewirtschaften mit weitem Abstand die Naturweinversteigerer der Pfalz. Auf 52 Gutsbesitzer entfallen rund 56500 Ar, auf die 20 Genossenschaften rund 135 300 Ar. Damit stellt die Pfalz nicht nur etwa ein Drittel der Mitglieder, sondern mehr als Hälfte der Rebfläche, Der Rheingau kommt mit 49 Mitgliedern immerhin auf annähernd 60500 Ar, Mosel-Saar-Ruwer mit 54 Mitgliedern auf kleinteilige 48500 Ar. Die immerhin 24 badischen Naturweinversteigerer – unter ihnen einige Winzervereinigungen – bewirtschaften stattliche 37 700 Ar, die acht Weingüter aus Rheinhessen etwa 10600, die neun Betriebe an der Nahe etwa 13190 Ar.  Bemerkenswerterweise heißt es über den Status des Verbandes, in ihm seien „die besten Lagen der betreffenden Weinbaugebiete vertreten“.

Weine zur Eröffnung des Deutschen Weinmuseums

Die Weine, die anlässlich der Eröffnung des Deutschen Weinmuseums sowie während des Festessens im Hotel Porta Nigra gereicht werden, stiften Mitglieder des Trierer Vereins von Weingutsbesitzern von Mosel, Saar und Ruwer. Unter den 16 Nummern überwiegen, wie in Trier üblich, Weine von der Saar. Zahlreiche Weine entstammen den besten Jahrgängen der beiden zurückliegenden Dekaden, allen voran dem Jahrgang 1921.

Was ist eine "Großlage"?

Großlage ist eine Herkunftsbezeichnung im deutschen Weinbau. Die Bezeichnung wurde mit dem Weingesetz 1971 geschaffen. Sie ist nach dem deutschen Tafel- und Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) die drittgrößte Einheit, um die Herkunft eines Weines aus Deutschland zu bestimmen. Sie bezeichnet fast immer die Zusammenfassung mehrerer Einzellagen eines bestimmten deutschen Anbaugebietes. Es gibt derzeit knapp 170 (Stand 2006) Großlagen in Deutschland, die zwischen 600 und 1800 Hektar groß sind.