VDP.WINZERVIEW | "Die Rotweine von der Ahr werden eine Renaissance erfahren."

 
Hans-Jörg Lüchau vom VDP.Weingut Deutzerhof Cossmann-Hehle an der Ahr im ultimativen & schonungslosen VDP.Winzerview.

Ihr Weinglas – ist es halb voll oder halb leer?

Hans Lüchau: Definitiv halbvoll.

Wie, womit und wo wurden Sie mit dem sogenannten Winebug infiziert?

Die Dorintgruppe hat in 1999 eine Weinoffensive in allen Häusern gestartet. Zusammen mit der Sommelierschule der IHK-Koblenz wurden in unserem Hotel in Bad Neuenahr über 200 Mitarbeiter zum Thema Wein geschult. Aus dieser Gruppe wurden über 60 Mitarbeiter ausgewählt und zum Weinfachberater ausgebildet und wiederum aus dieser Gruppe erhielten 16 Personen von der Dorint-Gruppe ein Stipendium zum Sommelier. Ich war einer von den 16 Personen. Als Winzer-Paten hatten wir Fritz Keller, Joachim Heger, Werner Näkel und Wolfgang Hehle. Der Sympathie-Funke zu Wolfgang Hehle ist sofort übergesprungen. Daher habe ich 2001 ein einjähriges Praktikum im Deutzerhof begonnen, welches bis heute anhält.

Können Sie sich eine Partnerschaft mit jemandem vorstellen, der keinen Wein trinkt?

Nur schwer.

Wann waren Sie das erste Mal betrunken? Und wovon?

Wir haben mit 16 Jahren heimlich kleine Cocktail-Abende mit den verschiedenen Bols-Likören gemacht und eigene Kreationen erfunden. Das war nicht immer lecker, hatte aber Umdrehungen. 

Wollten Sie jemals etwas anderes sein, als Winzer und was wäre das gewesen?

Ich bin in die Gastronomie gegangen, weil ich den Kontakt mit Menschen sehr mag. Ich hätte auch gerne eine Gesangsausbildung gemacht, war aber realistisch genug, dass ich damit nur schwer mein Geld hätte verdienen können.

Trinken Sie Wein von Mitbewerbern?

Sehr gerne.

Rot, Weiß oder Rosé?

Alles und auch gerne mit Bubbles.

Was war ihr emotionalster Weinmoment?

Als ich den Winzermeister bestanden habe, war Wolfgang Hehle schon verstorben. Ich weiß aber, dass er sehr stolz auf mich gewesen wäre.

Welches war der beste Wein, den Sie je getrunken haben?

Ich bin nicht so der Typ mit dem extremen Langzeitgedächnis bei Wein. Ganzbesonders beeindruckt hat mich gerade Vorgestern ein 2001er APOLLO Spätburgunder von Wolfgang Hehle. Wir waren bei Steinheuers in den Poststuben und haben diesen Wein wirklich genossen. Er war nach 17 Jahren immer noch perfekt in der Farbe, frisch in der Nase und am Gaumen - einfach beeindruckend!

Welchen Wein haben Sie gerade offen in Ihrer privaten Küche / Ihrem Kühlschrank stehen?      

Riesling vom Weingut Paul Böndgen aus Zell a d Mosel

Auf eine einsame Insel – was nehmen Sie mit? Welcher Wein ist im Gepäck?

Sommerinsel : Deutzerhof Toujours Rosé

Winterinsel:"Ypsilon" von Moritz Haidle

Welches Weingut oder welche Lage würden Sie sofort kaufen / tauschen? Warum?

Ich hätte gerne einen Weinberg im Chablis. Ich finde diese Chardonnays vom Muschelkalk super interessant.

Holz oder Edelstahl?

Die Hochkaräter ins Holz, aber die leichten fruchtigen in den Stahl.

Ihr größtes Kellergeheimnis ist …?

Wir bemühen uns im Weinberg alles richtig zu machen, dann muß ich im Keller nichts nacharbeiten.

Und was war Ihr schrägster Winemaking-Moment?

Johann Hehle lebte noch und wir wollten zwei gärende Rieslinge in einem Tank zusammen führen. Natürlich schäumte es vor Kohlensäure über und Johann versuchte den Spund zuzuhalten - leider erfolglos. Bis in die letzte Ritze wurde er von Riesling durchtränkt und wir konnten vor Lachen kaum eine Bütt holen, zum Auffangen des Weines.

Zu welchem Anlass passt Wein überhaupt nicht?

Grünkohl mit Pinkel.

Was war für Sie der unmöglichste Typ bei einer Weinprobe?

Ein Endverbraucher in einer Weinprobe mit 10 anderen Personen, der mich ständig unterbrochen hat, mich immer weiter mit Fragen bombadierte, aber mich nicht zum antworten kommen lies. Da hab ich doch mal die Beherrschung verloren und wurde etwas laut.

VDP.Geheimtipp: Welcher Ort in Ihren Weinbergen / Ihrer Region wäre ideal für einen Heiratsantrag (oder nur einen Ausflug)?

Das Michaelis-Kapellchen im Mönchberg oberhalb vom "Schwarzen Wooch". Man hat einen wunderbaren Ausblick auf die Windungen der Ahr, Mayschoss und seine steilen Weinterrassen.

Welche Person der Zeitgeschichte hat am Meisten für den Wein getan? Welche Weinpersönlichkeit respektieren Sie am Meisten?

Bernhard Huber. Wolfgang ist im März 2013 verstorben. Ich mußte zum ersten Mal die GG's aus 2012 alleine machen. Ich habe mich bewußt außerhalb des Ahrtals an Bernhard Huber gewandt. Ein großer Winzer und sehr feiner Mensch - wie die ganze Familie! An einem der wenigen freien Sonntage, die er hatte, durfte ich Ihn besuchen und wir haben zusammen meine Weine verkostet und analysiert. Er war sehr offen und ehrlich.

VDP.Glaskugel: Was sind die Weintrends von morgen?

Ich denke, dass der Trend der Bubbles - sei es als Sekt oder Perlwein - noch weiter ansteigt. Sollten die Sommer weiter so lang und heiß sein, werden wir Rotwein-Winzer fruchtige und gerbstoffreduzierte Rotweine für den Kühlschrank machen.

Außerdem erfahren die Rotweine von der Ahr durch die jungen und neuen Weinmacher eine Renaissance.

 

Daten

Name: Hans-Jörg Lüchau

Geburtsjahr: 1968

Ausbildung: Hotelfachmann, Sommelier, Winzergeselle, Winzermeister

Lebensmotto: Wer suchet, der findet