VDP.INTERVIEW | Deutscher Riesling zeigt viel Terroir für seinen Preis

 
Der Kopenhagener Sommelier Christian Jacobsen über deutschen Wein in Dänemark. Am 25. Februar werden die VDP.Prädikatsweingüter ihre Spitzenweine aus VDP.GROSSER LAGE® in der dänischen Hauptstadt zeigen.

Was war Deine erste Erfahrung mit deutschem Wein? Wie wurdest du mit dem Virus infiziert?

Es ist schwer, das wiederzugeben, weil ich so viele tolle Erlebnisse mit deutschem Wein hatte. Das erste Mal, dass ich die herausragende Qualität deutscher Weine wirklich verstand, war als ich den 1990er Riesling Kabinett von VDP.Winzer Fritz Haag probierte. Er zeigte mir, wie gut Riesling mit etwas Restsüße reifen kann, wie tiefgründig Wein sein und was für ein Potential er haben kann.

Welche deutschen Winzer haben Dich besonders beeindruckt und warum?

Weingut Dönnhoff von der Nahe. Vielleicht eine einfache Wahl – aber wenn ich mir überlege, wie sehr diese Weine am Punkt sind, Jahr für Jahr, trockene genauso wie edelsüße Exemplare – die Weine sind beständig Weltklasse!

Warum glaubst du, sollten Menschen in Dänemark deutschen Wein probieren?

Speziell bei den trockenen Rieslingen bekommt man eine wirklich hohe Qualität für sein Geld. Terroir – also der Ausdruck von Boden, Lage und Klima – sind entscheidende Faktoren für Weinqualität. Und deutscher Riesling neigt dazu, sehr viel dieser Einflüsse zu zeigen – eigentlich ein bisschen wie Burgund, Piemont oder die Loir-Weine. Wein Geeks fahren auch auf die hohe Komplexität der Weine ab, die man bereits im Einstiegsbereich und mittleren Segment finden kann, etwa in den VDP.GUTSWEINEN und VDP.ORTSWEINEN. Deutscher Riesling spielt bereits auf dem großen Weltparkett, aber er ist noch nicht so teuer.  

Kann man deutschen Wein gut mit dänischer Küche kombinieren?

Ja, das geht gut zusammen – besonders mit unseren typischen Frühlingsgerichten: rohes Seafood, wie beispielsweise Austern, Muscheln, Fischrogen oder Prawns verlangt geradezu nach trockenem deutschem Riesling oder Silvaner. Die Weine sind außerdem wundervolle Begleiter für lokale Produkte, wie weißer und grüner Spargel, den es ja auch in Deutschland gibt, oder Erbsen. Wir haben eine Menge frischen Gemüses im Frühling und deutsche Weißweine sind herrliche Begleiter dieser frischen, jungen Aromen.

Und: Riesling reift sehr schön – nicht nur die süßen Varianten, wie Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese oder Eiswein. Letztere bereiten übrigens ein unglaubliches Vergnügen mit Desserts oder auch zu unseren vielen verschiedenen dänischen Käsesorten.

Welche Weine aus Deutschland würdest Du empfehlen? Gibt es Regionen, die du besonders magst?

Bei den fruchtsüßen und süßen Stilistiken braucht man Weine von der Mosel im Glas. Diese cool-climate Region hat eine sehr lange Tradition mit diesen Prädikaten. Die steilen Weinberge und Schieferböden liefern unglaublich viel Komplexität. Bei den trockenen Weißweinen ist Rheinhessen the place to be. Die junge Generation dort hat in den vergangenen Jahren viel für eine Steigerung der Qualität und das Ansehen der Weine getan. Die Nahe ist ebenfalls faszinierend, aber leider auch recht klein. Wenn man nach einem schönen Spätburgunder sucht, ist Baden eine sichere Bank. Die Entwicklung der Weinqualität dort in den vergangenen Jahren war beeindruckend. Um es zusammenzufassen: Die Weine in Deutschland werden immer besser! 

Wieviele deutsche Weine haben Sie auf Ihrer Weinliste?

Im Augenblick sind es etwa 30 bis 40, hauptsächlich Riesling, aber auch ein paar Weissburgunder. Wir sind momentan aber nicht so gut bestückt. Für den Frühling werden wir unser Angebot deutlich ausbauen, denn wir brauchen vor allen Dingen Riesling, um die Weine mit unseren Frühlings- und Sommergerichten zu kombinieren. Wir werden aber auch einige Spätburgunder und Grauburgunder auf die Karte setzen und vielleicht einige Silvaner aus Franken.

Gibt es bei der Weinwahl Unterschied zwischen jungen und „älteren“ Weinliebhabern in Dänemark?

Ja, auf jeden Fall. Die Jüngeren sind viel neugieriger und abenteuerlustiger. Sie haben meist keine  deutlichen Vorprägungen und wollen neue Sachen probieren und etwas über Wein lernen. Sie haben auch keine vorgefasste Meinung über deutsche Weine und sind sehr offen für unsere Empfehlungen. Ob jetzt trocken oder fruchtsüß, Riesling oder Silvaner, weiß oder orange. Es gibt kein Richtig oder Falsch so lange der Wein ihnen schmeckt. Erfahrene Weinliebhaber tendieren dazu, nach Herstellern und Regionen zu trinken. Wenn sie sich mit deutschen Weinen auskennen, ziehen sie häufig die feinherben Weine vor. Das ist bei den Jüngeren nicht unbedingt so.

Wie ist die Wahrnehmung von deutschem Wein in Dänemark?

Der dänische Markt ist sehr offen für deutsche Weine. Deutscher Wein hat zur Zeit einen Marktanteil von sieben bis acht Prozent. Und ich glaube, es gibt da noch mehr Potential. Der globale Trend geht ja im Augenblick weg von hochalkoholischen Weinen. Deutsche Weine passen da prima ins Schema, besonders für die Dänen. Weinkonsumenten in Dänemark haben früher körperreiche Weine aus Chile und Südafrika bevorzugt, Heute entdecken sie, was Deutschland im Angebot hat.

Wie ist sind denn die dänischen Essgewohnheiten?

Über die vergangenen 10 bis 15 Jahre sind die Menschen in Dänemark eine immer höhere Aufmerksamkeit dafür entwickelt, was sie essen und trinken. Beim Essen liegt der Fokus mittlerweile auf lokalem Gemüse in Bioqualität. Dies ist zur Zeit auch ein extrem starker Trend in der nordischen Küche allgemein. Die Menschen sind heute wissbegierig, abenteuerlustig und genießen es, ihren Gaumen weiterzuentwickeln – das ging Hand-in-Hand mit der Erkundung der Weinwelt. Dies drückt sich auch darin aus, dass die Angebote von Weinschulen in den vergangenen sieben Jahren boomen – nicht nur für Sommeliers sondern auch für privat Weininteressierte. Die Menschen hier sind hungrig nach Wissen und Qualität.

 

Übrigens: Am 25 Februar zeigen die VDP.Prädikatsweingüter ihre Spitzenweine aus VDP.GROSSER LAGE®, und eine kleine Auswahl von VDP.ORTSWEINEN in Kopenhagen. Hier finden Sie mehr Informationen über die Verkostung.