VDP.WINZERVIEW | "Ich trinke viel Wein von der Konkurrenz - man lernt immer etwas dazu"

 
Alexander Jung (36) vom VDP.Weingut Jakob Jung über Weine, die er gerade offen im Kühlschrank stehen hat, einen taufrischen 1911er Riesling, seine Sportbegeisterung und seinen ersten Rausch

Ihr Weinglas – ist es halb voll oder halb leer?

Immer halb voll, mindestens ...

 

Wie, womit und wo wurden Sie mit dem sogenannten Winebug infiziert?

Ich habe den Virus von meinem Vater, der unser Weingut schon mit 18 Jahren übernehmen musste, weil mein Großvater so früh verstarb. Als kleine Jungs sind mein Bruder und ich schon auf dem Traktor mitgefahren und im Keller rumgerannt.

 

Können Sie sich eine Partnerschaft mit jemandem vorstellen, der keinen Wein trinkt?

Schon versucht, ging sehr schnell schief ;-)

 

Wann waren Sie das erste Mal betrunken? Und wovon?

Oha, wenn das mal irgendwann mein 2-jähriger Sohn liest … Nur so viel: Ich war deutlich zu jung und es war nicht gerade Qualitätsalkohol im Spiel.

 

Wollten Sie jemals etwas anderes sein, als Winzer und was wäre das gewesen?

Ich hätte mir auch sehr gut eine Tätigkeit im Bereich des Sportjournalismus vorstellen können. Ich bin tatsächlich ein Sport-Maniac, auch wenn man es mir nicht ansieht. Ich kann an keinem Ball vorbeigehen, ohne diesen anzufassen, wegzukicken oder ihn gegen eine Wand zu werfen. Aber es beschränkt sich aktuell eher auf die Theorie und das beobachten und analysieren von Sport im Fernsehen, am Liebsten gemeinsam mit meinem Bruder.

 

Trinken Sie Wein von der Konkurrenz?

Fast ausschließlich, denn ich bin der festen Überzeugung, dass man immer etwas dazulernt, wenn man über den Tellerrand hinausschaut. Und unsere Weine kenne ich ja von ständigen Verkostungen. Man bekommt ein Bild von den Philosophien der Kollegen und kann so seinen Horizont erweitern.

 

Weiß, rot oder rosé?

Mehr weiß als rot und ganz wenig rosé.

 

Was war ihr emotionalster Weinmoment?

Am 15. September 2015 war ich zu einer Weinprobe trockener Riesling-Weine aus warmen Jahrgängen geladen, um das Reifepotential ebendieser Weine zu beurteilen. Und hier bekamen wir einen 1911er ins Glas, der war so taufrisch, dass wir in der Gruppe tatsächlich alle in Ehrfurcht erstarrten. Das war sehr ergreifend!

 

Welches war der beste Wein, den Sie je getrunken haben?

Das ist schwer zu sagen, da ich immer daran glaube, dass der beste Wein noch kommt.

 

Welchen Wein haben Sie gerade offen in Ihrer privaten Küche/ihrem Kühlschrank stehen?

Natürlich einen Wein von einem Kollegen, mit dem ich privat auch gut befreundet bin: 2016 Riesling Charta vom VDP.Weingut Spreitzer aus Oestrich hier im Rheingau. Für mich ein Sinnbild für die Typizität des Rheingaus.

 

Auf eine einsame Insel – was nehmen Sie mit? Welcher Wein ist im Gepäck?

Mein Iphone mit Social Media- und Sport-Apps, denn so ganz allein ist es doch auch langweilig, dafür bin ich viel zu gerne unter Menschen und als Rheingauer nehme ich natürlich trockenen Riesling mit.

 

Welches Weingut oder welche Lage würden Sie sofort kaufen / tauschen? Warum?

Ein Weinberg im Rüdesheimer Berg würde mich sehr reizen, ich schätze die herausragenden Berg-Weine von Johannes Leitz sehr, einem Menschen, der mich persönlich auch sehr geprägt hat.

 

Holz oder Edelstahl?

Kommt auf den jeweiligen Wein an. Bei uns liegt zum Beispiel das HOHENRAIN VDP.GROSSE GEWÄCHS (Lösslehm-Boden) im Holz und das SIEGELSBERG GG (Schiefer) im Edelstahl.

 

Ihr größtes Kellergeheimnis ist …?

Ich habe im Keller keine Geheimnisse. Von mir kann jeder alles wissen, da es sich bei uns einfach um gutes Handwerk handelt. Das ist unser Streben.

 

Und was ihr schrägster Winemaking-Moment? Zu welchem Anlass passt Wein überhaupt nicht?

Ich habe jetzt wirklich lange überlegt, aber mir fällt partout keine Situation ein, in der ich keinen passenden Wein finden würde. Man muss nur kreativ genug sein.

 

Was war für Sie der unmöglichste Typ bei einer Weinprobe?

Ich könnte da einige Geschichten erzählen. Besonders unterhaltsam war allerdings ein "liebestrunkenes" Pärchen... Während unserer Straußwirtschaft sind beide gemeinsam auf dem stillen Örtchen verschwunden. Ihrer Meinung nach völlig unbemerkt. Leider hatten sie die Rechnung ohne den Lichtschalter gemacht. Der Raum wurde lichttechnisch kurzerhand zur Disko – an, aus, an, aus, an, aus… Beim Verlassen des Raumes schallte Ihnen ein donnernder Applaus entgegen. Lustig war’s!

 

VDP.Geheimtipp: Welcher Ort in ihren Weinbergen/ihrer Region wäre ideal für einen Heiratsantrag (oder nur einen Ausflug)?

Ganz klar im Erbacher SIEGELSBERG auf der Mauer. Direkt oberhalb des MARCOBRUNN gelegen, mit einem herrlichen Blick über den gesamten Rheingau!

 

Welche Person der Zeitgeschichte hat am Meisten für den Wein getan? Welche Weinpersönlichkeit respektieren Sie am Meisten?

Puuuh, das waren natürlich sehr viele. Aber wenn ich eine Person rauspicken soll, dann würde ich mich für Bernhard Breuer entscheiden. Der Mann, der an so vielen tollen Dingen beteiligt war, wie zum Beispiel dem Rheingau Gourmet & Wein-Festival, um das uns die halbe Welt beneidet, oder die Glorreichen Rheingau Tage mit ihrem Finale, der Riesling-Gala auf Kloster Eberbach. Ganz entscheidend finde ich aber seinen Beitrag bei der Gründung der Vereinigung der Charta-Weingüter im Rheingau. Hier wurden die ersten Grundsteine für eine Lagenklassifikation gelegt, auch wenn diese schließlich zu seinem Austritt aus dem VDP geführt haben. Aber er war eben sehr konsequent. Zusammenfassend muss man sagen, dass wir beim Thema Lagenklassifikation und „Grand Cru von deutschem Boden“ bei weitem nicht an dem Punkt wären, an dem wir heute sind, wenn nicht solche herausragenden Vordenker wir Bernhard Breuer gegeben hätte, dafür sollten wir ihm alle sehr dankbar sein!

 

VDP.Glaskugel: Was sind die Weintrends von morgen?

Das ist sicher schwer zu sagen. Meine Glaskugel ist derzeit verliehen. Aber ich bin mir sicher, dass wir mit Riesling immer en vogue sein werden. Es gibt keine Rebsorte, die filigran und balanciert die jeweiligen Herkünfte besser widerspiegelt. 

 

Alexander Johannes Jung ist Dipl.-Ing (FH) für Weinbau und Önologie. Sein Lebensmotto lautet: Ohne Wein lebt man nicht länger, es kommt einem nur deutlich länger vor.

 

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