Bericht zur Lage der Prädikatsweingüter 2006

 
Positive Marktentwicklung liefert hervorragende Perspektiven für deutsche Spitzenweine. Exporterfolge – Interessante ”Emerging markets“ für Wein Riesling gefragt wie nie – Die Deutschen Originale sind unnachahmbar Steigende Inlandsnachfrage – Höherpreisiger Weinumsatz wächst schneller

Wallhausen, Mainz: Der deutsche Markt bleibt für die Prädikatsweingüter der Wichtigste, doch war die Nachfrage aus dem Ausland seit Jahrzehnten nicht besser. Der enorme Imagegewinn deutscher Weine erreicht in Kombination mit dem Riesling-Boom kontinuierlich neue Höchststände und beflügelt im Besonderen die Nachfrage im Top-Segment. Die Prädikatsweingüter sehen diese Entwicklung auch als Ergebnis ihrer konsequenten Qualitätsarbeit. Doch just in diesem Jahr sind durch die um ca. 30% geringere Ernte Lieferengpässe unvermeidbar. Extraktreiche Riesling-Jungweine des Jahrgangs 2006 präsentieren sich sehr filigran, mit ausgeprägter harmonischer Säurestruktur, Burgunderweine werden als kräftig und intensiv mit großer Dichte charakterisiert.

VDP-Absatzstrukturen
Im Jahr 2006 betrug das Umsatzvolumen der knapp 200 VDP-Güter etwa 300 Mio. Euro bei einem Mengenabsatz von ca. 35 Mio. Flaschen (vormals 30. Mio. Fl.). Der enorm gestiegene, durchschnittlich erzielte Endverbraucher-Flaschenpreis von 8,60 Euro, der vier Jahre zuvor noch bei 6,50 Euro lag, lässt sich mit den Absatzerfolgen hochwertiger trockener Weine interpretieren, allen voran die erfolgreich etablierten Grossen Gewächse. Erstmals nach Jahrzehnten können die Weingüter eine geringe Kapitalverzinsung verzeichnen, die jedoch noch weit unter dem Durchschnitt anderer produzierender Gewerbe liegt. Der internationale Riesling-Boom hat die Exportnachfrage bei den VDP-Gütern beflügelt, so dass das Verhältnis Inland / Ausland sich auf 79% zu 21% veränderte, von 84 %/16% im Jahr 2004.

Inland
Die Marktsituation im Inland wird von den Prädikatsweingütern sehr positiv beurteilt. Der Nachfragedruck seitens des Handels (27%) hat sich aufgrund der durchweg geringen Erntemenge 2006 zusätzlich verstärkt. Auch die Gastronomie verzeichnet Umsatzzuwächse, wobei die Abgrenzung zwischen Handel und Gastronomie sehr schwierig ist, da der Handel zunehmend die Verteilerfunktion an die Gastronomie übernimmt. Das Endkundensegment bleibt mit fast 50% stabil. Die größten Nachfrage-Steigerungen sind für ”Trocken“ und ”Hochwertig“ zu verzeichnen. Bei allen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass sich der Flaschenabsatz seit der letzten Erhebung um 16% gesteigert hat und so die Flaschenabsätze in allen Bereichen deutlich zugenommen haben.
Die Marschrichtung des VDP hinsichtlich Forcierung der Klassischen Rebsorten (Riesling, Silvaner, Burgunder), das Herausarbeiten der besten Herkünfte und einer Individualität der Weine erweisen sich als richtig. Auch ökologisch wirtschaftende Weingüter berichten von einer sehr guten Nachfragesituation, analog der kontinuierlich zunehmenden Sensibilisierung von Privatkunden für derart erzeugte Weine. ”Die von uns hart erarbeitete Renaissance der deutschen Weine ist da. Vor 100 Jahren war die Marktsituation zwar noch besser wie heute, doch Riesling erwacht ungestüm aus seinem Dornröschenschlaf“, resümiert VDP-Präsident Michael Prinz zu Salm-Salm.
Die Aussagen der Prädikatsweingüter decken sich mit den jüngsten Zahlen der GfK, die das Absatzplus der deutschen Weinwirtschaft für 2006 mit 7,8% ausweisen und den totalen Marktanteil der deutschen Erzeuger über alle Einkaufsstätten mit 46,5% beziffern. Das größte Weinimportland der Welt trinkt mehrheitlich und zunehmend deutsch.

Export
Der Exportanteil hat sich bei den Prädikatsweingütern auf 21% gesteigert (von 16% im Vorjahr). Bezieht man den gestiegenen Gesamt-Flaschenabsatz mit ein, so konnte der Export seit der letzten Erhebung gar um 50% vermehrt werden. Die meisten Weingüter verzeichnen eine Zunahme der Exportaktivitäten, insbesondere Export-Neulinge erwarten hohe Steigerungsraten. Zugpferd im Ausland ist nach wie vor der Riesling. Eine steigende Bedeutung nehmen neben den bereits etablierten Exportländern (USA, Japan, GB, NL) vor allem Skandinavien wie auch der asiatische Raum mit ”emerging markets“ für Wein in Singapore, Südkorea und vereinzelt China ein. Kanada wird ebenfalls als Wachstumsmarkt eingestuft. Einzelne Güter exportieren sogar verstärkt in klassische Weinbauländer wie Spanien, Italien, Frankreich und Schweiz. Aktuell sind ca. 65% der VDP Güter im Export aktiv.
Dass der höherpreisige, deutsche Spitzenwein international im Trend liegt, belegen auch die deutschen Gesamtexportzahlen für 2006, die eine Mengensteigerung von 9,9% bei einem Wertzuwachs von 18,2 % ausweisen.

Preis
Mit einer sehr kleinen Ernte in den Kellern, einer international gestiegenen Riesling-Nachfrage, Preiserhöhungen bei den Zulieferfirmen für Glas, Korken, Kapseln, Verpackung sowie gestiegenen Energie- und Frachtkosten und nicht zuletzt der angehobenen Mehrwertsteuer hält die Mehrheit der VDP-Weingüter Preiserhöhungen zwischen 3 und 12 Prozent für unverzichtbar, um auch weiterhin die enorme Qualitätsarbeit leisten und finanzieren zu können.


Klimawandel und Rebsortentrends
Noch fürchtet die Mehrheit der Prädikatsweingüter den Klimawandel nicht. Im Gegenteil. Die Weingüter setzen bei Neuanpflanzungen ”in jeden Fall auf die traditionellen Rebsorten, sogar mehr auf Riesling als auf Spätburgunder“. Bernd Spreitzer: ”Durch engere Zeilen und höhere Laubwände können wir mehr Schatten schaffen und die Trauben so vor der Sonne schützen.“ Insgesamt ist festzuhalten, dass die letzten warmen Jahrgänge, Teil des qualitativen Erfolges der deutschen Spitzenweine sind.

Fazit
”Der VDP und die Prädikatsweingüter sind auf einem Erfolgskurs, das belegen nicht zuletzt die heute vorgelegten Zahlen. Wir werden die großartigen Erfolge der letzten Jahre jedoch nicht zum Anlass nehmen, uns zurückzulehnen, sondern alles unternehmen, die Qualität der Betriebe weiter zu fördern und die Flaggschifffunktion des VDP für den deutschen Weinbau weiter auszubauen,“ fasst Steffen Christmann, VDP-Präsidium, den Bericht zur Lage der Prädikatsweingüter zusammen.