Die Geschichte der Mainzer Weinbörse


Das ehemalige Logo der Mainzer Weinbörse

Die Mainzer Weinbörse wurde 1973 unter Peter von Weymarn ins Leben gerufen mit dem Ziel, eine exklusive Veranstaltung für Wiederverkäufer zu organisieren, die Markttransparenz und Einkaufssicherheit bietet und die allen Mitgliedern des VDP offen stehen sollte.

Die Mainzer Weinbörse war damals eine Antwort auf die veränderte Marktsituation. Die traditionellen Weinversteigerungen des Verbandes Deutscher Naturweinversteigerer (heute: VDP. Die Prädikatsweingüter), wie sie in ähnlicher Form noch heute in Burgund stattfinden, hatten ihre Geschäftsgrundlage verloren, da Wein kein knappes Gut mehr war. Massenjahrgänge waren keine Seltenheit mehr, dank der Selektion ertragreicher Klone aber auch dank der enormen Ausdehnung der Weinbauflächen in Deutschland. Auch die traditionellen Abnehmerkreise fielen sukzessive weg. Anstelle der alt eingesessenen Weinhandlungen etablierten sich neue Formen der Weinvermarktung.

Die Mainzer Weinbörse organisierte sich notgedrungen in der Form einer Erzeugergemeinschaft, da das Kartellamt die im Katalog angegebenen Handelsgrundpreise als Preisabsprachen bemängelte. Man hatte andererseits auch die Hoffnung, evtl. Zuschüsse nach dem Marktstrukturgesetz erhalten zu können. Letzteres wurde nie ausgenützt. In den ersten Jahren der Weinbörse wurden die Geschäfte ausschließlich über Kommissionäre abgewickelt, so wollte man die durch die Versteigerungen etablierten Verbindungen erhalten. Tatsächlich wurden in den Anfangsjahren der Weinbörse 10 – 30% der Umsätze eines Weingutes auf der Börse getätigt.

Die erste Weinbörse 1973 fand mit 10 rheinhessischen Weingütern im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz statt. Zeitlich etwas vorher hatte Dr. Ambrosi schon die “Kloster Eberbacher Weinmesse“ exklusiv für fünf der größten Rheingauer Güter aus den gleichen Erwägungen ins Leben gerufen. In den Folgejahren kamen sukzessive weitere Regionen und Güter hinzu. 1978 übernahm Peter Anheuser die Geschäftsführung der Weinbörse. Unter seiner Ägide wuchs die Anzahl der beteiligten Güter auf nahezu 100.

In den letzten Dekaden entwickelten sich die Weinmärkte und Absatzwege weltweit stark weiter. Die Vertriebsstrukturen und viele Kellereien und Händler der 70er Jahre existieren nicht mehr. Deutscher Wein musste manchen Skandal verkraften, der sich auch in sinkender Nachfrage niederschlug. Parallel ging die Bedeutung der Kommissionäre für das Börsengeschäft und das aktive Messegeschäft überhaupt zurück.

Dies führte 1999 zur Auflösung des wirtschaftlichen Vereins Erzeugergemeinschaft Weinbörse und zur Übertragung der Geschäftsführung auf den Bundesverband der Prädikatsweingüter unter Leitung von Michael Prinz zu Salm-Salm. Die Veranstaltung wurde seither zur führenden Fachmesse für deutschen Spitzenwein ausgebaut, bei der der neue Jahrgang in seiner ganzen Breite evaluiert werden kann. Heute bietet die Weinbörse mit über 150 VDP-Prädikatsweingütern alljährlich der internationalen Weinfachwelt die einmalige Gelegenheit, Deutschlands beste Erzeuger und deren Spitzenprodukte unter einem Dach kennen zu lernen.

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