Wein-Expertise1937 Erbacher Marcobrunn Riesling feinste Trockenbeerenauslese
Domänenweingut Schloss Schönborn, Hattenheim/Rheingau
Öchsle: 162°
Restzucker: 142,6 g/l
Säure: 7,6 g/l
Alkohol: 9,59 Vol%
Lagenbeschreibung
Der Marcobrunn liegt in der Gemarkung Erbach 50 Grad in nördlicher Breite, 26 Grad nach dem Meridian von Ferro und enthält an Fläche 8 7/8 Morgen. Die nächste Waldung ist 1200 Klafter entfernt. Südlich stößt er fast an den Rhein. Der Weinberg liegt 210 Pariser Fuß über der Meeresfläche. Die mittlere Temperatur ist 11 Grad Reaumür.
Boden
Der Boden trägt unverkennbare Spuren von Auflösung. Man findet abwechselnd Letten, die hier und da mit etwas Mergel, schwerem und Lehm wenige Sandadern, auch Traß. Nicht selten zeigen sich die verschiedenen Erdarten schichtweise übereinander und enthalten öfter Wassermuscheln in großer Zahl. Als untermischte Steinadern finden sich Quarz, Wacke, Würfelschiefer, auch eine Granitart. Die meisten solcher Steine, wie auch der Traß sind eisenschüssig. Felsen fanden sich hier nicht, obwohl 6-12 Fuß in die Erdschichte eingeschlagen wurde. Die Steine mögen sich zur Erde verhalten wie 1 zu 10. Der Humus ist nur aus Dung erzeugt, dessen alle 3 Jahre 80 Karn pro Morgen eingebracht werden. Schädlich dürfte der Traß seyn, welcher Metalloxyd enthält.
Lesetag
05. November 1937
Jahrgangsbeschreibung
Der 1937 wird allgemein als ganz besonderer Jahrgang bezogen auf Qualität und Mengenausbeute beschrieben, das Domänenweingut erntete 34,3 hl auf den ha. Die 1937er Moste wiesen eine verhältnismäßig geringe Säure, bei sehr hohen Mostgewichten auf. Es gab praktisch keine verbesserungsbedürftigen Moste. Die Spitzengewächse des Jahrgangs werden als ganz groß beschrieben. Die Entwicklung der Flaschenweine verlief optimal. Bei Spätlesen und Auslesen fand man edelsüße, feinste Tropfen auf die man große Hoffnungen setzen konnte die sich in den folgenden Jahrzehnten bestätigten. Eine der Rheingauer Spitzen des 1937er bildet die vorgestellte Trockenbeerenauslese aus dem Erbacher Marcobrunn.
Vinifikation
Weitgehend unbekannt. Abgefüllt wurden am 14.September 1943 (!) 51 Flaschen.
Geschichte der Flasche
Es wurde niemals eine Flasche dieses Weines verkauft oder auf einer Verkostung präsentiert. Die Flaschen wurden aus Hattenheim auf die Schatzkammern in den Schönborn’schen Schlössern verteilt: Am 13.08.1946 wurden 24 Flaschen nach Schloss Weißenstein in Pommersfelden gebracht, die anderen 27 Flaschen kamen am 01.10.1946 in den Wittgensteinkeller auf dem Stammsitz der Familie nach Wiesentheid.
Verkostungsbeschreibung
Verkostungsnotiz vom 02.02.1978: Gold und glanzhell - dickes Fruchtbukett -höchstedles Gewächs - mit ätherischer Fruchtsüsse, Edelfinesse, hochedle Fülle und Würze - größter Edelwein. Verkostungsnotiz vom 11.07.2007:
Bernsteinfarben, sonst entsprechend obenstehender Beschreibung.
Neu verkorkt
Der Wein wurde dreimal neu verkorkt: 11. Juli 1964, 02. Februar 1978 und am 11. Juli 2007. Bei diesem dreimaligen Umkorken wurde jeweils eine Flasche geopfert um die anderen vollzuhalten. Der Bestand bis zum heutigen Tage betrug 48 Flaschen die wohlbehalten in den Schönborn’schen Schatzkammern ruhten. Ab dem 26.April 2008 sind es nur noch 47 Flaschen, ein Verlust der SE Paul Graf von Schönborn zwar schmerzt, es freut ihn dennoch den Wein erstmals bei dieser Raritätenprobe zu zeigen.