Die VDP. Prädikatsweingüter auf der ProWein
Düsseldorf: Bei der Pressekonferenz der Prädikatsweingüter anlässlich der ProWein in Düsseldorf nahm VDP Präsident Michael Prinz zu Salm-Salm Stellung zur aktuellen weinbaupolitischen Diskussion, die das gerade in Kraft getretene EU-USA-Weinhandelsabkommen ausgelöst hatte. Außerdem fasste er die positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Stimmung/Nachfrage)für die Weine der Spitzenweingüter Deutschlands im Inland wie in den Exportmärkten zusammen.
EU-USA Weinhandelsabkommen
Prinz zu Salm-Salm stellte die Position der Prädikatsweingüter klar und differenzierte:
A) Aus weinbaupolitischer Sicht war es im Interesse der Prädikatsweingüter das Weinhandelsabkommen zu verhindern, weil darin der Schutz deutscher Herkunftsbezeichnungen in USA völlig unzureichend fixiert wurde und darüber hinaus der Import edelsüßer Weine, die das Renommee deutscher Weine auf der ganzen Welt begründet haben, erst ab 7 Volumen Prozent gestattet werden sollte. An diesen Punkten hält der VDP nach wie vor fest und hofft, dass in den weiteren Verhandlungen, Verbesserungen erreicht werden.
B) Die Zulassung neuer önologischer Verfahren für amerikanische Weine, Verfahren, die in Europa noch nicht erlaubt sind, hat eine Diskussion um die inhaltliche Definition von Wein entfacht, die Spaltung des Marktes in eher industriell und handwerklich erzeugte Weine. in Europa und auch in Deutschland beschleunigt.
Die Industriewein-Produzenten stellen Jahrgangs unabhängig gleich schmeckende Profil-weine her und setzen dabei weitaus mehr technische Hilfsmittel ein. Dieser Branchenzweig bedient Großvermarkter, die auf Markenweine gleichbleibender Qualität angewiesen sind. Viele Weinliebhaber und -kenner schätzen aber die Weine von handwerklich arbeitenden Weingütern. Für diese ist Wein ein Produkt aus Natur, Kultur und Schöpfung, dessen Einzigartigkeit durch jeden Jahrgang geprägt wird und bei dem der Winzer so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig in die Weinwerdung eingreifen sollte.
Salm wies darauf hin, dass bei den Prädikatsweingütern der Verzichtgedanke schon eine lange Tradition habe, denn die Beschränkung auf Naturweine und der einhergehende Verzicht auf Chaptalisierung, war 1910 die Motivation zur Gründung der Naturweinversteigerer, den heutigen Prädikatsweingütern. Dieses Traditionsbewusstsein sei nicht zu verwechseln mit Scheuklappen, denn man wisse, dass die Innovationen von Heute die Tradition von Morgen begründeten. Darum steht der VDP der Weiterentwicklung von Methoden der Weinbereitung gegenüber offen, z.B. durch Versuchsgenehmigungen, um Erfahrungen zu sammeln. Er gab auch zu bedenken, dass ein Winzer, der das Glück hat, perfektes Traubenmaterial zu ernten, dumm wäre, am Ergebnis herumzubasteln. „Aufwendige Kellertechnik bringt, nüchtern gesehen, nur dann Vorteile, wenn mäßiges Lesegut technisch verbessert werden muss, oder falls es billiger ist, die Qualität im Keller zu produzieren, als im Weinberg. „Die Prädikatsweingüter suchen den Schulterschluss mit Gleichgesinnten in allen Weinbaunationen, um eine kulturelle Avantgarde des Weinbaus, die sich der handwerklichen Weinbereitung verschrieben hat, zu formieren.“
Salm hielt an der Kritik gegenüber Amerika insofern fest, als bereits vor einigen Jahren aus der OIV (Organisation International du Vin) ausgetreten seien, um sich den Festlegungen dieser internationalen Weinorganisation zu Fragen der Definition von Wein zu entziehen.
MARKTAUSBLICK: IM INLAND LIEGEN DEUTSCHE WEIßWEINE IM TREND – IM AUSLAND IST RIESLING DER EXPORTSCHLAGER
Inland
Wie die offiziellen Statistiken aufzeigen, konnte Deutscher Wein seine Marktführerschaft im Inland leicht ausbauen. „Die ‚Geiz ist geil’ Mentalität scheint ihren Höhepunkt hinter sich zu haben,“ meint Martin Meßmer aus der Pfalz. Übereinstimmend vermelden die VDP-Weingüter gute Absatzzuwächse im Inland und eine positive Trendwende zu besseren Weinen, wobei die Nachfrageschwerpunkte in ihren Gütern entweder auf den ganz teuren Weinen im Bereich von 15 Euro aufwärts liegen oder bei den günstigeren zwischen € 5 bis € 7,50. Diese Aussage korrespondiert mit der Statistik, dass in der Gruppe der jüngeren Verbraucher unter 35 Jahren der Konsum deutscher Weine im vergangenen Jahr überdurchschnittlich gestiegen ist und setzt ein positives Signal für die künftige Marktentwicklung.
Die Absatzentwicklung bei den Weißweinen wird besonders positiv herausgestellt, bei den Rotweinen scheint sich für Graf Karl-Eugen Neipperg ein Trend abzuzeichnen hin zu klassischen roten Prädikatsweinen, weg von zu viel Holz. Letzteres liege nicht mehr in der Gunst der Verbraucher. Auch Dr. Uwe Matheus (Weingut Wirsching) sieht authentische Weine, ‚nicht designt’, im Aufwärtstrend einer global denkenden und handelnden Welt, was sich positiv auf die Beliebtheit von Boxbeutel und Silvaner aus Franken auswirke.
Bei fast allen Prädikatsweingütern wächst das Privatkundensegment, doch weist Andrea Langwerth von Simmern auf den damit verbundenen immensen zeitlichen Aufwand für die Weingüter hin. Im Fachhandel wird die Stimmung deutlich besser beurteilt, insbesondere wird ein Erstarken der Fachgroßhändler festgestellt, die zunehmend die Belieferung der Gastronomie übernehmen.
Die Umsätze mit der Gastronomie werden eher zurückhaltend beurteilt, doch ist deutlich zu bemerken, dass diese zunehmend auf deutschen Wein setzt. Rein deutsche Weinkarten in Sternerestaurants sind mittlerweile keine Seltenheit mehr und wo man früher auf einen Anteil von 70% ausländischen Weines traf, liegt dieser heute oft nur noch bei 30%. Für Impulse in der gehobenen Gastronomie sorgen die Grossen Gewächse, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen.
Ausland:
In 2005 konnten deutsche Weine allgemein Wertzuwächse von 10 % bei Mengen-zuwächsen von 4 % verzeichnen. Besonders stark entwickelten sich Norwegen (Wert 28,5 %, Menge 12,6%), Dänemark (Wert 24% / Menge 5,6%), sowie USA und Benelux (Wert > 20%) und die osteuropäischen Länder allgemein. Die Wertzuwächse im Topsegment konnten die Rückgänge im Bereich der einfachen Trinkweine kompensieren. Deutscher Wein wird damit zunehmend Bestandteil einer internationalen Genusskultur. Und dazu trägt bei, wie Philipp Wittmann konstatiert „Riesling ist kein Trend mehr, Riesling ist längst etablierter Spitzenwein!“
Die Stimmen aus den Prädikatsweingütern bestätigen die allgemeine Statistik. Japan ist momentan stagnierend, obgleich dort das Zukunftspotential nach wie vor als hoch geschätzt wird. Für den übrigen asiatischen Raum (Singapore, Taiwan) melden die VDP-Güter positive Exportentwicklungen, interessanterweise auch für den Export in andere Weinbaunationen, wie Italien, Spanien und Australien.
„Mit dieser positiven Bilanz fühlen wir uns gut gerüstet für die nächsten Jahre. Unsere Qualitätsstrategie und auch die Etablierung der Weinsegmente analog der Klassifkationspyramide erweisen sich als marktgerecht. Und auch die Prowein ist für uns wieder ein Gradmesser für die positive wirtschaftliche Entwicklung deutscher Weine,“ ist das Fazit von Michael Prinz zu Salm-Salm, dem Präsidenten der Prädikatsweingüter.