Etappen der Weinlese 2015 | Positive Zwischenbilanz

by VDP.Weingut Robert Weil | Rheingau



Veröffentlichung
09.09.2015
Kategorie
Jahrgang/Ernte
 
In Kooperation mit Dirk Würtz berichten VDP.Winzer & VDP.Winzerinnen ab sofort live aus den Regionen ....

Würtz-Wein.de

05.11.2015 | Rheingau, Balthasar Ress | Dirk Würtz

Die Ernte im Rheingau ist beendet. Zeit für ein Fazit.

Der Jahrgang 2015 war beinahe ähnlich einem Spaziergang. Stress gab es keinen. Das lag vor Allem daran, dass es rechtzeitig ziemlich kühl wurde. Nämlich genau zu dem Zeitpunkt, als es so aussah, als ob es feucht werden würde. Am Ende war Feuchtigkeit eigentlich gar kein Thema. Weder Regen, noch Nebel. Wir hatten einige großartige Wochen mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen tagsüber um die 18 bis 20 Grad. Nachts und in den frühen Morgenstunden war es schön kühl. Man könnte sagen, das Wetter war annähernd perfekt um Trauben zu ernten. Es gab keinerlei panikartige Leseaktionen, Negativselektionen oder sonstige Dinge, die einem das Leben unnötig schwer machen. Einerseits ist das beinahe schon langweilig, andererseits ist das auch mal ganz schön!

Die Traubenqualität war herausragend. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so perfekte Trauben gesehen habe. Bis zum Ende des Herbstes konnten wir Rieslinge mit Mitte 90 Grad Oechsle und einer Säure von 10,5 ernten. Das ist – analytisch betrachtet – perfekt. Zu den gesunden Trauben gab es als Bonbon obendrauf eine wunderschöne Botrytis. Das heißt es gibt endlich mal wieder edelsüße Weine bis hoch zur Trockenbeerenauslese. Ob das ein Eisweinjahr wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Es wird die Tage wieder ziemlich warm, das wird den noch hängenden Trauben weniger gefallen.

Leider – und irgendwas ist ja immer – ist die Menge viel zu klein. 2015 reiht sich nahtlos in die kleinen Erntemengen der Jahre 2010 und 2014 ein. Dass das so kommen könnte, war absehbar. Es hat, wie sich vielleicht der eine oder andere noch erinnert, quasi monatelang nicht geregnet. Und wenn es nicht regnet, ist am Ende auch wenig Saft in den Trauben. Ein Grund zum jammern ist das in diesem Jahr aber nicht. Das was geerntet werden konnte, ist in einem Bereich, der über die Mindermenge hinwegtröstet. Nicht nur die edelsüßen Weine entschädigen, sondern endlich auch einmal die nützlichen Mengen an potenziellen Weinen im gehobeneren trockenen Segment. Was wirklich schwierig war, war der klassische Kabinett. Ein Leichtweinjahr wird 2015 sicherlich nicht – allerdings auch kein “Alkoholmonsterjahr” wie 2003. Richtig Spaß macht der Pinot Noir. Hier wurden die Fässer voll und die Qualität passt. Alles in allem kann man eigentlich zufrieden sein. Und das ist doch auch mal ganz schön.

Was die finale Qualität des Jahrgangs angeht, ist jegliche Aussage ähnlich werthaltig, wie die Voraussage der Lottozahlen am kommenden Samstag. Potenzial ist zweifelsohne vorhanden, was daraus wird, wird sich zeigen. Ganz sicher wird es Wein und ganz sicher ist es ein 2015er…

 

VDP.Die Prädikatsweingüter

12. Oktober 2015 | Positive Zwischenbilanz der südlichen Weinbauregionen


Die Weinlese bei den VDP.Prädikatsweingütern ist in vollem Gange. Nach ersten Aussagen sind die Aussichten auf einen exzellenten Jahrgang 2015 gegeben. Für die südlichen Anbaugebiete, wie Baden, Württemberg und die Pfalz, die bereits die letzten Weinberge abernten, war es zeitweise ein Wechselbad der Gefühle. Zum Glück folgte auf den Regen zu Beginn der Lese ein stabiles, sonniges Wetter mit kühlen Nächten, so dass bis zuletzt sehr gute Qualitäten geerntet werden konnten.
VDP.Präsident Steffen Christmann zieht als erstes Resümee. „Wieder einmal gilt: Ende gut, alles gut.“

Stimmen aus den Regionen


Baden:

Die VDP.Winzer des südlichsten Weinbaugebiets zeigen sich sehr zufrieden mit dem Leseverlauf.
„Im Prinzip war der Herbst so, wie man ihn sich wünschen kann: Gesunde, vollreife Trauben. Die Mostgewichte blieben durch die deutliche Abkühlung zu Beginn der Weinlese moderat. Die ersten durchgegorenen Weine zeigen sich sortentypisch mit ausgeprägter Frucht und angenehmer Stoffigkeit“, fasst Timo Renner (VDP.Weingut Dr. Heger und Geschäftsführung VDP.Baden) die eingebrachte Ernte zusammen.


Württemberg:
Das trockene Herbstwetter mit den kühlen Morgenstunden der vergangenen Wochen bescherte auch den Württemberger VDP.Winzern Idealbedingungen zur Lese. Ein Umstand, der Markus Drautz, Vorsitzender des VDP.Württemberg, ins Schwärmen bringt: „Wir sind sehr glücklich, wunderschöne gesunde Trauben geerntet zu haben.“ Er stellt auch den vorsichtigen Vergleich zu Spitzenjahrgängen, wie 1976 und 2003, an. „Das sind Jahrgänge mit idealen Bedingungen, über die nach der Lese und auch noch in 100 Jahre geredet werden wird“, so Drautz.


Pfalz:
Durch die ausgiebigen Regenfälle im Winter, insbesondere in der nördlichen Mittelhardt, ist die Pfalz mit den besten Wasservorräten seit vielen Jahren in die Vegetationsperiode gestartet. So konnte der Trockenstress des heißen Sommers den Reben wenig anhaben.
Bereits in der zweiten Septemberwoche wurde vielerorts mit der Ernte begonnen. VDP.Präsident Steffen Christmann spricht von einer außergewöhnlichen Weinlese 2015. „Noch nie haben wir so früh und in so kurzer Zeit die Weinlese durchgeführt“.
Für Hansjörg Rebholz, Vorsitzender des VDP.Pfalz, war es eine „unproblematische Lese“. Er hebt hervor, dass vor allem die kühle, windig-trockene Witterung ein wesentlicher Faktor für die positive Lesebilanz war. „Vom Regen aufgeplatzte, gesunde Trauben rosinierten durch den frischen Wind außergewöhnlich gut. Dies ermöglicht es dieses Jahr sogar grandiose Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen zu erzeugen“.

 

Würtz-Wein.de

07.10.2015 | Rheingau, Balthasar Ress | Dirk Würtz

Hier ist alles irgendwie anders – und ziemlich entspannt.

Wir sind in der Ernte, aber irgendwie ist die so ganz anders als sonst. Es gibt mehr oder minder keinen Druck. Das Wetter ist zwar aktuell nicht so, dass sich ein breites Grinsen einstellen würde, aber auch nicht so dramatisch schlimm, dass die Tränen laufen müssten. Das was fault, fault gut und auch nicht übermäßig. Die Säure ist auf einem entspannten Niveau und reif. Der Weinsäureanteil ist enorm hoch. Was wir bis jetzt in Sachen Riesling geerntet haben hat ein Mostgewicht von Anfang 80 Oechsle bis 99 (!) – und letzteres waren keine faulen Trauben… Damit ist wohl jetzt schon klar, dass das kein Jahrgang der Leichtweine hier wird. Zucker, sprich anreichern, ist kein großes Thema. Entsäuern auch nicht. Zumindest bei denen, die jetzt anfangen in die Hauptlese zu gehen. Bei den “frühen Vögeln” war das natürlich anders. Aber auch da hört man eigentlich nur Gutes und sieht entspannte Gesichter.

Wir haben mittlerweile knapp zwei Drittel der Rotweine geerntet. Für den Pinot wird es wohl ein ordentliches Jahr werden. Die Erntemenge ist sehr sympatisch, die Trauben waren kerngesund – der dämlichen Mistfliege, die uns letztes Jahr alle so geplagt hat, war es dieses Jahr definitiv zu warm und somit was sie kein wirkliches Thema.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder deutlich mehr Erntehelfer als in den Vorjahren – und es macht richtig Spaß mit denen zu ernten. Wir fräsen uns jetzt von Weinberg zu Weinberg und die lieben Kollegen ernten in einer Geschwindigkeit, die atemberaubend ist. Das wird kein “Maschinenlesejahrgang” – auch das ist jetzt schon klar. Es sein denn natürlich, es fängt dramatisch an zu regnen und wird schwülwarm – so wie es gestern war. Dann sieht das alles ganz anders aus. Das braucht natürlich niemand und ich bin eigentlich auch davon überzeugt, dass uns derartige Szenarien in diesem Jahr erspart bleiben. Ich gehe im Moment davon aus, dass wir sicherlich noch bis in den November hinein ernten werden.

Unsere wirkliche echte Sorge ist momentan eigentlich nur die Frage des täglichen Essens und die Auswahl des abendlichen Weins. Wenn der Herbst so weitergeht, haben wir demnächst alle leicht zugenommen. Oder auch etwas mehr…

 

30.9.2015 | Pfalz, Weingut Christmann | Steffen Christmann

Unser VDP.Präsident ist fertig mit der Ernte und zieht eine erste Bilanz…

Ein erstes Resümee – Wieder einmal: Ende gut alles Gut.

Am letzten Montag war es geschafft. Bis auf einen Teil des Reiterpfad, aus dem wir die gesunden vollreifen Trauben herausgelesen haben und die Beeren mit beginnender Edelfäule hängen ließen, haben wir die Lese beendet. Großartige Moste liegen in unserem Keller und beginnen zu gären. Es riecht fantastisch und die spannende Kombination aus Reife und präsenter Säure macht uns beim Verkosten große Freude.

Die Weinlese 2015 war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Noch nie haben wir so früh und in so kurzer Zeit die Weinlese durchgeführt. Nicht dass dies ein völlig unerwarteter Trend wäre, denn die Lese wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer früher und die Notwendigkeit schlagkräftig und damit schnell zu sein hat sich auch abgezeichnet, aber im Ergebnis ist das dennoch bemerkenswert.

Doch zuerst ein kleiner Rückblick auf das Jahr. Ein wesentlicher Umstand diesen Jahrgang richtig zu verstehen, liegt ganz am Anfang des Jahres, sogar teilweise noch im Jahr 2014. Was uns im letzten Herbst Sorgen bereitete, legte den Grundstein dafür, dass uns die Sommerhitze und Trockenheit in 2015 fast gar nicht beeinträchtigten. Durch die ausgiebigen Regenfälle im Winter sind wir mit den besten Wasservorräten seit vielen Jahren in die Vegetationsperiode gestartet.

Frühjahr und Frühsommer waren zwar früher als normal, aber doch nicht so außergewöhnlich. So lagen der Austrieb und die Blüte nur wenige Tage vor dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Doch dann kam der Jahrhundertsommer. Auch dieser hat jedenfalls gegenüber Jahren wie 2014, 2011, 2007 aber auch 2008, das ja als kühles Jahr gilt, keinen wesentlichen Unterschied hervorgerufen. Das zeigt uns wieder einmal plastisch, wie wichtig die Zeit nach dem Reifebeginn ist, also der Spätsommer und der frühe Herbst. Haben wir hier ein stabiles eher kühleres Wetter, dann wachsen große Weine. Regnet es in dieser Zeit häufig und ist gar noch warm dabei, dann droht eine problematische Lese.

Zum Glück lief 2015 alles nahezu perfekt. Die kurzen Regenschauer Anfang September sollten uns wohl nur zur Wachsamkeit ermahnen. Das ist gelungen.
So haben wir letztlich alles genauso im Keller wie wir uns das gewünscht haben.

Los ging die Lese mit den Burgundersorten. Weiß- Grau und vor allem Spätburgunder wie gemalt. Kerngesund und reif bis vollreif.

Gutsriesling – 80-93° Oechsle – ebenso reif bis vollreif, da teilweise nach den Ersten und Großen Lagen gelesen, mit feiner Säure. Das Ergebnis dürfte wieder bei ca. 8g Säure im Wein und einem Alkohol um 11% liegen. Das sollte eine perfekte Kombination ergeben.

Die Riesling Orts- und Lagenweine waren exakt auf dem Punkt. Reif, aber keinesfalls überreif, wie es unser Petitum ist. Genau so konnten wir die Trauben wohlbehalten nach Hause bringen. Alles über 90° und nichts über 97° Öchsle, Säuren je nach Standort im Most zwischen 7,5 und fast 10g. Das verspricht Weine voller Intensität, dabei doch kristallin und präzise. Ideale Boten ihres jeweiligen Weinbergs.

Zum Abschluss der Ernte nahm dann der Anteil der mit Botrytis befallenen Beeren doch deutlich zu. So war dann Eile angesagt, da gleichzeitig auch die Reife der noch gesunden Trauben schnell voranschritt. Fast innerhalb von Stunden änderten Mitte letzter Woche die Rieslingbeeren ihre Farbe von grüngold in ein hochfarbiges gelbgold, der Vorstufe von Braungold und Botrytris. Wir waren froh, dass nicht mehr viel hing.

Beim Gedanken an unsere Kollegen in anderen Regionen, die teilweise noch gar nicht richtig begonnen hatten, beschlich uns ein schlechtes Gefühl, das unser Freude trübte. Der jetzige Goldene Oktober im September hat die Entwicklung gebremst. Wir beobachten das noch an unserem „Ausleseweinberg“ im Reiterpfad und hören allenthalben, dass es fast überall zu gelingen scheint ausgezeichnete Weine zu ernten. Das freut uns sehr und nimmt diesen Schatten von uns.

Wir werden wahrscheinlich auch die allerletzten Trauben Ende dieser Woche lesen. Edelfaul und mit feinster Botrytisnote sollten diese eine schöne feine bis hochfeine Auslese ergeben.

Was gibt es dann noch Negatives zu vermelden? Winzer und Bauern klagen doch so gerne…. Mir fällt im Moment nichts ein, denn auch die Quantität passt. Was will der Winzer und wohl auch der Weinfreund mehr?

 

28.9.2015 | Rheinhessen, Weingut BattenfeldSpanier | H.O. Spanier

“Die Krise stärkt den Mann” sagte Adenauer zu Strauss, als der wegen der Spiegel Affäre zurück treten musste…

Daran erinnerte ich mich als am Wochenende vom 18.-20. September der Regen kam. Kurzum ich hasse Regen ab Mitte September. Bei relativ hohen Temperaturen, war es absehbar, das es jetzt flott zur Sache geht. So kam es dann auch. Wir beginnen “langsam”, war ab dann nur noch ein frommer Wunsch. Binnen weniger Tage holten wir alles an Pinot, die ich noch nie so perfekt gesehen habe. Sensationell!!!

Währenddessen verstärkten wir  die Lesemannschaft, um die ersten Rieslinge vorzulesen.

Bis gestern Abend wurden Pettenthal, Hipping, Ölberg und Rothenberg fertig gelesen. Das stabile Wetter und die kühlen Nächten, brachten die erhoffte Stabilität. Die Öchslegrade sind moderat, und die Säure bei 8-10 g/l. Somit quasi perfekt. Bis Mittwoch werden wir in Nackenheim, Nierstein auf dem Plateau unsere Guts-und Ortsweine final im Keller haben, und bei Kühling-Gillot fertig sein. Ab dann geht es im Wonnegau bei Battenfeld-Spanier erst richtig los.

Hier gibt es noch Sylvaner, Weißburgunder und natürlich fast alles an Riesling zu lesen. Die Lagen im Zellertal mit Frauenberg und Herrgott sind aufgrund der späteren Reife nahezu perfekt. Der Wind und die Sonne im Moment, sind ein Segen. Die Wetterlage scheint stabil zu werden. Hurra!!! Ich möchte nur noch staubig aus dem Wingert kommen. Gestärkt.

H. O.

25.09.2015 | Württemberg, Weingut Haidle | Moritz Haidle


Moritz Haidle mit einer ersten launigen und kurzweiligen Wasserstandsmeldung aus dem wilden Württemberg…Der Jahrgang 2015 ist auf jeden Fall schon Mal ein bisschen verrückt. Das muss man mal so sagen.

Dass wir früher begonnen haben als erwartet, muss ich glaube ich nicht mehr erwähnen. Ich habe noch vor ein paar Wochen krampfhaft versucht den Herbstbeginn zu verdrängen, da ich noch diverse Kumpels im Keller liegen hatte, die den biologischen Säureabbau nicht ganz so sportlich gemeistert hatten wie ich mir das vorgestellt hatte und somit im Keller noch nicht genügend Platz war für den Herbst. Das hat sich dann schlagartig geändert, als wir mal einen Blick nach draußen geworfen haben. Den Pinot für den Sektgrundwein haben wir bereits am 4. September gelesen. Die ersten Rotweine kamen direkt 5 Tage später.

Es gibt übrigens nichts schöneres, als Abfüllen und Ernten an einem Tag… So manch ein Kollege wird davon auch ein Lied singen können. Just-In-Time war beispielsweise der Chardonnay dieses Jahr. 2014er raus, Fässer geputzt, 2015er rein, und das am selben Tag.

Hier im Dirty South (Württemberg) geht die Lese natürlich etwas länger als im Rest der Welt, da wir ja einen recht großen Sortenspiegel haben (Haters gonna hate). Doch den Trockenstress haben die Rebsorten bei uns völlig unterschiedlich verkraftet. Teilweise ist das natürlich auch abhängig vom Alter der Reben, vom Ertrag und von der Lage. Doch es ist wirklich verrückt 2015, denn die Sorten reifen überhaupt nicht in ihrer gewohnten Reihenfolge. Mein Vater, mit seinen fast 71 Jahren Lebenserfahrung, kann sich noch an kein Jahr erinnern, an dem wir den Lemberger (Call it what you wanna call it…) vor dem Riesling geerntet haben. Dieses Jahr war es so. Generell reifen die Rotweinsorten (ich lasse den Trollinger hier mal bewusst außen vor) relativ zeitgleich und dicht hintereinander, was uns vor ganz neue Probleme stellt. Normalerweise haben wir die frühen Rotweine bereits abgepresst wenn die späten Rotweine ankommen. Dieses Jahr kann man das wohl vergessen. Deswegen mussten wir nun mitten im Herbst neue Maischebehälter einkaufen, die glücklicherweise innerhalb von wenigen Tagen auch geliefert wurden. Nächstes Problem dabei ist, dass es für die neuen Maischebehälter keinen Platz gibt. Mögliche Option ist momentan die Garage meiner Eltern. Hätte marketing-technisch natürlich den wundervollen Charme der Garage-Winery, hat aber bisher leider noch nicht alle Familienmitglieder überzeugt… So wie es aussieht werden wir aber bis Samstag mit den Rotweinsorten fertig werden (abgesehen vom Vernatsch).

Positiv überrascht bin ich bisher aber von den Säurewerten. Ich persönlich achte dabei mehr auf den pH-Wert, als auf die Gramm Säure und damit bin ich sehr zufrieden bisher. Man muss eben darauf achten, dass die Oechsle nicht zu weit nach oben steigen dieses Jahr. Das ist aber nur meine persönliche Meinung. Ich wundere mich nur manchmal über ein paar Kollegen hier im Umkreis, die jetzt so langsam mal angefangen haben mit der Lese. Allerdings muss man wieder betonen, dass alles extrem verschoben ist dieses Jahr. Andere Lagen, andere Erträge, anderer Lesezeitpunkt. Abgefahren ist jedoch, dass wir hier im Remstal normalerweise zwei Wochen nach dem Unterland (Heilbronner Raum) dran sind und es dieses Jahr scheinbar genau andersherum ist.

Über die Weinqualität generell möchte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen – da bilde ich mir meine Meinung immer erst kurz vor der Füllung. Von daher kann ich mich nur den Worten meiner Mitarbeiter anschließen die sich schon mal sicher sind, dass wir dieses Jahr einen 2015er machen werden…

Und insgeheim liebäugeln wir alle , glaube ich, mit dem Gedanken dieses Jahr auf dem Wasen bei einer Maß Bier das Ende der Ernte einzuläuten. ?

WEITERHIN EINEN GUTEN HERBST EUCH ALLEN!

 

22.09.2015 | Pfalz, Weingut Christmann | Steffen Christmann

Bald ist es geschafft.

Seit dem letzten Wochenende sind wir in großen Schritten voran gekommen. Den für heute angekündigten Regen fest im Blick, gaben wir Vollgas. Zunächst haben wir im Idig weiter gelesen, so dass dort nun etwas mehr als die Hälfte der Rieslingtrauben geerntet sind. Auch der Most des Königsbacher Ölberges liegt nun schon im Fass und wartet darauf, dass die weinbergseigenen Hefen mit der Arbeit beginnen.

Gestern schließlich fingen wir am Morgen in der alten Meerspinne im Mandelgarten in Gimmeldingen an. Ausgezeichnete, reife grüngelb bis gelbgoldene Trauben mit feinem Aroma. Schnell zu lesen, da fast keine Beere mürbe oder gar angefault war. Danach ging es in den Reiterpfad in Ruppertsberg: ebenso ein Vergnügen, denn alles liegt zwischen 93 und 96°Oechsle und zwischen 7,8 und 9,4 Gramm Säure. Kerngesund und ideal. Um 17:00 Uhr dann die Frage, hören wir für heute auf?

Der Blick in die WetterApp verhieß für heute nichts Gutes, also wurde schnell entschieden noch in den Langenmorgen in Deidesheim zu fahren. Der von der Fläche her kleinste unserer VDP.Grossen Lagen war dann auch noch flott bis 19:30 Uhr gelesen. Sonderschicht!

Heute morgen dann blieb zum Glück der angesagte Regen aus. Also gingen wir unverzagt an den Fürstenweg Weinberg im Gimmeldinger Biengarten. Pünktlich zum Mittagessen und als die letzte Traube geschnitten war, fing es an zu tröpfeln und dann doch noch etwas stärker zu regnen. Bislang sind es statt der vorhergesagten 10mm nur 2,7mm gewesen. Hoffen wir in diesem Fall, dass sich die Meteorologen mal wieder geirrt haben und es dabei bleibt. So gibt es heute einen frühen Feierabend, da die Trauben erst einmal wieder trocken werden müssen.

Noch vier bis fünf Tage werden wir brauchen und so setzen wir für uns, aber noch mehr für die vielen Kollegen, die noch weit vom Leseende entfernt sind und viel mehr Regen in den letzten Tagen zu verdauen hatten, auf einen Altweibersommer ab Donnerstag.

17.09.2015 | Pfalz, Weingut Christmann | Steffen Christmann

Es regnet…
Das braucht kein Mensch. Den ganzen Sommer hätten wir uns über jeden Tropfen gefreut, jetzt ist jeder Tropfen einer zuviel. Endlich hat es heute Nachmittag aufgehört. Noch betrachten wir das mit einer ganzen Portion Gelassenheit, gleichzeitig steigt natürlich auch die Anspannung. Werden die Trauben das aushalten?

Doch zunächst ein paar Fakten: Ab Anfang September bis heute Mittwoch 15 Uhr hatten wir im ganzen September 23 Liter Niederschlag. Viel sollte jetzt nicht mehr kommen.

Die besondere, eher trockene Situation an der Mittelhaardt – mit dem Haardtgebirge im Westen – hilft dieser Tage. Gerade gestern zogen die starken Niederschlagsfelder westlich des Jura nach Norden, hielten sich weiter westlich der Vogesen und dann westlich des Haardtgebirges. Nur wenige Wolken kamen über den Bergkamm und so über die Weinregion.

Manchmal ist es ein Fluch, wenn man sich nach Regen sehnt. In der Lesezeit jedoch gerät uns diese geographische Besonderheit zum Vorteil. Auch sind wir inzwischen wegen des guten Leseverlaufs schon weit fortgeschritten. Mehr als die Hälfte der Weinberge sind schon gelesen. Das beruhigt natürlich auch ein wenig. Jetzt können wir schnell reagieren und haben auch schon geplant Ende der Woche die ersten Grossen Lagen zu ernten, einen Teil des Idig und die Hälfte des Reiterpfad.

Die Moste im Keller beginnen langsam zu gären und schmecken großartig. Wir nutzen die Regenpause um einiges Liegengebliebene zu erledigen. Die Rotweine werden untergestoßen und die Weißweinfässer beschriftet. Ein paar Bestellungen gepackt und dann auch mal früher Feierabend…

Morgen soll es weiter gehen, zunächst den letzten Teil vom Ruppertsberger Ortswein und dann in ein paar Gimmeldinger Ortsweinlagen. Dann wird es langsam ernst, wenn es an die großen Weinberge geht.

 

 

15.09.2015 | Ruwer, Weingut Karthäuserhof | Christian Vogt

Neu im Berichterstatterteam ist in diesem Jahr Christian Vogt, vom Karthäuserhof an der Ruwer.Es sieht derzeit sehr gut draußen aus, aber es ist eine fragile Situation. Die Regenfälle von Ende August haben den jüngeren Reben, die im trockenen Sommer etwas zu leiden hatten,sehr gut getan. Bei den älteren Reben jedoch, die auch im Sommer schon ausreichend Wasserreserven hatten, waren die Regenmengen nun gerade so an der Grenze. Viele Beeren sind sehr dick und ganz vereinzelt findet man auch aufgeplatzte Beeren.

Das Reifeverhalten ist je nach Standort unterschiedlich, insgesamt jedoch auf einem hohen Niveau – auch beim Riesling finden wir schon braune Kerne und vereinzelt auch 80° Oechsle bei exponierten Beeren. Durch die spätere Blüte in 2015 hatten viele ja auch mit einem späteren Lesebeginn gerechnet. Das sehe ich bei uns aber nicht – wir werden in etwa so starten wie in 2014. Das war zwar vor einem Jahr eine höchst umstrittene Entscheidung, im Endeffekt lagen wir damit aber genau richtig. Wir wissen, wie schnell sich die Situation im Weinberg ändern kann. Von daher hoffen wir, dass es möglichst kalt und trocken bleibt und natürlich gehen wir nun mindestens 2 Mal wöchentlich durch unseren Weinberg, um die Entwicklung ganz genau zu verfolgen.

 


14.09.2015 | Pfalz, Weingut Christmann | Steffen Christmann

Ganz besonders freue ich mich, dass der VDP:Präsident Steffen Christmann in diesem Jahr auch hier über die Ernte berichtet.

Es ist schon ein ganz außergewöhnliches Jahr. Auch wenn man im Sommer seine Zweifel haben konnte, ob diese Wärme den Rebstöcken zusagt, scheint dies offensichtlich der Fall gewesen zu sein. So früh, so reif, so wohlschmeckend, da kann sich sogar mein 86jähriger Vater nicht erinnern. Vielleicht 1945 oder 1959, aber sicher nicht 2003 sind da vergleichbar. Denn 2003 ging dann am Schluss wegen der Trockenheit doch alles recht langsam. Das kann man in diesem Jahr für die südliche Mittelhaardt sicher nicht sagen.

Natürlich, und das trifft ja für alle deutschen Weinbaugebiete zu, hatten wir eine mehr als ausreichende Winterfeuchte. Dazu kam noch, dass wir hier doch den einen oder anderen etwas ergiebigeren Regen mehr hatten als in manch anderer Region. Dann ist es natürlich wichtig, dass man mit einem gesunden Bodenleben und Humusgehalt die Wasserspeicherkraft des Bodens erhöht und die Reben zum tiefen Wurzeln erzogen hat. So lässt sich wirklich nicht schimpfen, allenfalls, dass jetzt alles so schnell geht und so früh begonnen hat.

Auch wir waren natürlich nicht ganz darauf vorbereitet und hatten noch eine Rotweinfüllung und die Berliner GG-Premiere auf dem Schirm . So ging es bei uns am letzten Mittwoch mit voller Macht los. Wie das flutscht in diesem Jahr! Wenn wir in den letzten Jahren mit unseren 30 Erntehelfern mal knapp einen ganzen, mal aber auch nur einen halben Hektar am Tag gelesen haben, da uns die penible Selektion gebremst hat, kann man in diesem Jahr einfach drauf los schneiden. Alles reif, alles gesund ist das Motto. So sind in den paar Tagen bis zum Wochenende fast all unsere Burgunder gelesen worden. Sie schmecken wunderbar und liegen mit um die 95 Oechsle und einer gerade noch akzeptablen Säure zwischen sechs und sieben Gramm im gewünschten Bereich. Fast zwei Hektar am Tag ohne Probleme. Das hab ich noch nicht erlebt.

Fast hätte ich es vor lauter Trauben probieren und im Keller und Weinberg herurum springen nicht geschafft den Lesebericht zu schreiben, den ich Dir versprochen habe. In der ersten Pause hat es endlich geklappt…

Noch ist es ganz ruhig um uns herum. Früher waren wir immer die letzten, nun sind wir mit die ersten, die mit der Hauptlese beginnen. Nur ein paar Kollegen sind genauso am lesen. Da bin ich mal gespannt wie viele wuchtige Weine es dieses Jahr geben wird.

Auch den ersten Riesling als säurefrische Basis für den Gutswein haben wir im Ruppertsberger Linsenbusch eingebracht.  Heute war ich dann nochmals in allen Riesling Weinbergen. Es ist eine Wonne, viele eher kleinbeerige Trauben, immer noch fest aber schon gelbgrün und voller Geschmack.  So geht es ab morgen mit Vollgas in die Rieslinglese.


13.09.2015 | Franken, Weingut Bickel-Stumpf | Melanie Stumpf-Kröger

Südliches Maindreieck – kurz vor dem Lesestart 2015 (11.September 2015)

Zwischen Februar und August hat es immer wieder nur schwache Regenschauer gegeben. Zu keinem Zeitpunkt gab es einen durchdringenden Regen und nur die gut eingestellten und älteren Anlagen haben eine normale Entwicklung genommen und keinen Wassermangel gezeigt. Positiv dabei: es gab auch keinen Hagel und kein Unwetter in dieser Zeit. Junge Anlagen wurden 2-3 Mal gewässert. An jüngeren Anlagen, die nicht bewässert werden konnten, wurden massive Traubenkorrekturen vorgenommen, um den Rebstock zu erhalten.

Glücklicherweise hat es um den 16. August einen sehr gedeihlichen Landregen mit 36L/qm2 gegeben. Man hat das Aufatmen der Natur fast hören können und die Bestände haben sich fortan prächtig entwickelt. Ende August kam auch die nötige Abkühlung. Wir haben Tagestemperaturen von 20 Grad und Nachttemperaturen von unter 10 Grad. Dem Traubenbestand hat dieser schöne Vorherbst sehr gut getan. Die Trauben sehen im Augenblick sehr sehr gut aus. Wenn es so weitergeht dürfen wir uns auf einen super Herbst freuen.

 

7. September 2015 | Jahrgang 2015 – update 1| Dirk Würtz

Wie in jedem Jahr, werde ich hier wieder über die Lese berichten. Und wie in jedem Jahr, wird das Ganze von einigen Kollegen aus anderen Länden und Regionen ergänzt. Ich starte heute, mit einem ersten Eindruck und Ausblick.

In manchen Regionen hat die Ernte bereits begonnen. Damit dürfte die Ernte 2015 einer der früheren in der jüngeren Geschichte sein. Die Tatsache, dass beispielsweise in Rheinland-Pfalz die Säuerung bereits erlaubt wurde, zeigt deutlich wohin die Reise geht. Und wenn ich mir die heute von uns gemessenen Säurewerte der roten Sorten hier im Rheingau anschaue, fühle ich mich in meiner Annahme eher bestätigt. Die Säure fällt in manchen Lagen teilweise rapide. Das führt wohl dazu, dass auch wir am Wochenende, vielleicht auch erst am Montag, die ersten Trauben ernten werden. Rote Trauben wohlgemerkt. In jedem Fall die, die wir für unseren Sektgrundwein brauchen.

Die Mostgewichte in Sachen Riesling, ebenso wie die Säuren sind noch sehr unterschiedlich. Im Rüdesheimer Berg sind sie die Oechslegrade deutlich höher, als in Hattenheim. Im Moment gehe ich davon aus, dass wir in ca. zwei Wochen die ersten Trauben für die Sektgrundweine und so um den 28ten September herum die ersten Trauben aus den eher wärmeren Lagen ernten werden. Mit dem Beginn der Hauptlese rechne ich um den 5ten Oktober.

Was wir jetzt nicht mehr wirklich brauchen ist Regen. Wir hatten zwar deutlich zu wenig, aber jetzt darf er dann auch noch weiter ausbleiben. Insbesondere da, wo die Trauben kompakt sind, wird es ansonsten gefährlich. Ich sehe in einigen Weinbergen bereits die ersten, sich deutlich abdrückenden Trauben. Da ist die Fäulnis quasi vorprogrammiert.

Überhaupt gehe ich davon aus, dass wir auch in diesem Jahr sehr viel selektionieren werden. Nicht unbedingt aus der Not heraus, wie letztes Jahr. Aber ohne penible Selektion wird es auch in diesem Jahr nicht gehen. Wie auch immer, ich freue mich. Die Ernte, der Herbst ist die schönste und aufregendste Zeit im Jahr und ENDLICH ist es wieder soweit!

I´ll keep you updated…