Rede Christina Fischer 2008


Christina Fischer, Trägerin der silbernen Ehrennadel des VDP:

Meine Gedanken zum VDP
anlässlich der Eröffnung der 35. Mainzer Weinbörse 2008



Herzlichen Dank für diese Auszeichnung, über die ich mich von ganzem Herzen freue und sehr geehrt fühle. Es gibt wohl kaum einen bedeutenderen Ort, um über deutschen Wein zu sprechen, als die traditionsreiche Weinbörse in Mainz. Viele große Namen der internationalen Weinwelt sind hier schon zu Wort gekommen. Ich erinnere mich angenehm an einige wohl durchdachte, sehr feinfühlig formulierte Reden mit konstruktivem Gedankengut.

Ich möchte Ihnen an diesem wunderschönen Sonntagmorgen, an dem man den Frühling riechen und den Sonnenschein fühlen kann, ein wenig Einblick in mein Liebesleben gewähren.

Meine Liebe für den Deutschen Wein.

Wie wir alle wissen ist die Liebe ein sehr lebendiges Objekt, voller Gefühle und Energie, welches allerdings einer ständigen Weiterentwicklung und damit sorgfältigen Pflege unterliegt.

Wer Recht behält, ist nicht so wichtig, es geht um die Sache! Also im besten Fall ein Gedankenaustausch in Form einer herzhaften Diskussion samt konstruktivem Ergebnis und im besten Fall mit solidarischem Blick in die Zukunft.

Ja, wenn das so einfach wäre...

Aber diese Liebe begleitet mich nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert. Vorher war es eher eine Zuneigung, die bereits in meinem Elternhaus mit Rheingauer Riesling geprägt wurde.

Nach einer so langen Zeit ist die Liebe nicht mehr taufrisch. Himmelhoch jauchzend musste ab und an der Realität weichen. Aber Vertrauen und Intensität sind gewachsen, was mir den Mut gibt, Ihnen meine Gedanken zum Deutschen Wein nahebringen:

Unterteilen möchte ich das in sechs kleine Kapitel:

1.    Deutscher Wein und VDP
2.    Der VDP aus Verbrauchersicht
3.    VDP als Marke (Gütesiegel)
4.    Gastronomie und VDP
5.    Klassifizierung VDP
6.    meine Vision

 


1. Deutscher Wein und VDP

Knapp 4% der gesamten Deutschen Anbaufläche wird heute vom VDP mit 198 Betrieben bewirtschaftet (= ca. 4.000 ha). In den letzten zwei Jahrzehnten haben ca. 65 Betriebe den VDP verlassen oder sind nicht mehr existent und es sind gut 100 neue Betriebe hinzugekommen.

Der VDP hat in den letzten Jahren seine Vorreiterrolle sehr gut umgesetzt und an einer ständigen Weiterentwicklung gearbeitet. Längst hat man alte Zöpfe abgeschnitten und den Focus auf Qualität gelegt. Wäre es doch vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen, dass ein VDP Weingut irgendwo anders herkommt als von der Rheinfront. Heute sind im lange unterschätzen Wonnegau die besten Betriebe der Region zu finden.

In der Lage Engelstein des großen Amphitheaters Bopparder Hamm werden heute anstelle Kegeltourschoppen finessenreiche Rieslinge erzeugt.

Die Südpfalz war früher vor allem für den Tabakanbau bekannt, heute sorgt ein ganzes „Dream-Team“ samt VDP-Vorsitzendem für feinste Wein-Qualitäten.

Getrost kann man den VDP mit der 1. Bundesliga vergleichen. Er dürfte seine Vorbildfunktion ruhig noch ein wenig intensiver wahrnehmen, um vielleicht auch einen auch der Champions-League Plätze zu erreichen.

Das Qualitätsbild in Deutschland wird also sehr massiv durch den VDP und seine Mitglieder geprägt. Parallel dazu haben die besten Nicht-VDP-Betriebe längst die Philosophie und den Klassifikationsgedanken des VDP aufgegriffen und umgesetzt.

Es tut sich etwas in Deutschland, die Qualitätsoffensive ist deutlich zu erkennen. Es ist nie so viel passiert wie im Moment. Qualitätsstreben scheint ansteckend!

Umgekehrt sieht man allerdings auch sofort, wer sich nicht weiterentwickelt.

Dieser enorme Druck von unten bewirkt, dass es in Zukunft Auf- und Absteiger geben wird. Das ist gut so, weil der VDP sich dieser Verantwortung stellen und die Qualitätswandlung positiv umsetzen muss.

Eine solche Entwicklung ist für alle Deutschen Winzer dienlich, weil sie Ehrgeiz für Spitzenleistungen fördert und damit der Deutsche Wein insgesamt nur gewinnen kann.

Dem VDP steht ein Generationenwechsel bevor. Wie stellen Mitgliedsbetriebe sicher, dass Töchter und Söhne „hungrig“ bleiben und sich nicht auf ihren „noch nicht vorhandenen Lorbeeren“ ausruhen.

Wie bereits erwähnt, gibt es in Deutschland einige sehr engagierte Betriebe, die stetig entwickeln und in punkto Qualität bereits an einige VDP-Weingüter heranreichen. Ihre Weine kosten oftmals aber nur die Hälfte.

Wenn auch im VDP in einigen Punkten kein Konsens besteht, in punkto  Preiserhöhung parallel zur Einführung des Großes Gewächses herrscht Einigkeit. So können die Großen Gewächse heute alle mit stolzen Preisen aufwarten aber leider nicht immer mit entsprechender Qualität. In der jährlich stattfindenden, im Übrigen hervorragend organisierten „Große Gewächs-Probe“ in Wiesbaden fühlt man sich als Proband ein wenig überfordert. Viele gute Weine aber bei weitem nicht alle Große Gewächse.

Mein Vorschlag: zwei Tage dranzuhängen, damit die knapp 200 VDP Betriebe ihre Weine mal im nationalen Vergleich probieren können. Das würde so manche Qualitäts-Diskussion überflüssig machen.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, der Deutsche Wein hat ein tiefes Tal durchschritten und war lange Zeit unterbezahlt. Und so lange es noch Riesling aus Steillagen für unter zehn Euro gibt, hat sich das nachhaltig nicht verändert. Aber mit steigenden Preisen steigt eben auch die Erwartungshaltung der Käufer.

Aber wer soll entscheiden, wo die Qualitäts-Messlatte denn genau liegt? Ob die sprichwörtliche Preis-Leistung stimmt?

Wenn der VDP das nicht selber umsetzt, wird vielleicht irgendwann der Markt die Kontrollfunktion übernehmen. Erkennt wirklich große Weine und tauscht teure Mittelmäßigkeit gegen hervorragende Newcomer-Qualitäten aus.

Während manches Grosse Gewächs wie Blei im Regal liegt, ist in den führenden VDP Betrieben jedenfalls kein Großes Gewächs mehr zu bekommen, weil sie ausverkauft sind.  

Die Chance ist doch, dass der Deutsche Wein ein kleines Segment auf dem Weltweinmarkt besetzt. Eine kleine, wichtige Nische. Und genau das ist die Chance für den VDP die Flagschiff-Rolle der Qualitätsspitze zu leben.


 
2. Der VDP aus Verbrauchersicht


Ich habe mir erlaubt, in den letzten Wochen eine kleine Umfrage zu erstellen. Fast alle Leute, die mir begegnet sind, mussten die Frage beantworten, was der VDP für sie darstellt. Das Ergebnis war für mich ein wenig enttäuschend:

  • In Fachkreisen ist der VDP durchaus bekannt aber beim Endverbraucher ist das noch nicht richtig angekommen
  • Nur 2 von 10 Leuten kannten diesen Begriff überhaupt
  • Falls bekannt, wird der VDP in der Regel als Zusammenschluss von  guten und weniger guten Deutschen Winzern im oberen Preis- und Qualitätssegment bezeichnet
  • Niemand konnte mir den Unterscheid zwischen einer ersten Lage und einem Großen Gewächs erklären!
  • Fakt ist, dass der Name des Winzers oder des Weinguts Vorrang hat


Es gab also auch bei intensiver Nachfrage keine einheitliche Aussage zum VDP und seiner Qualitätsphilosophie, was für den Verbraucher letztendlich eine breite Palette von ausgezeichneten, sehr guten und leider auch weniger guten Weinen bedeutet.

Ein weininteressierter Verbraucher muss Zeit aufwenden und eine gehörige Portion Weinwissen mitbringen, um überhaupt mitreden zu können. Wenn man davon ausgeht, dass sich nur 5% der Verbraucher auf komplizierter, elitärer Ebene auseinander setzen wollen, bleibt ein Rest von 95%, der für eher unkomplizierten Weingenuss steht.

Vielleicht vergessen wir manchmal, dass wir uns mit unserer Diskussion in einer Art „Closed Shop“ befinden. Die kontroverse Lagen-Diskussion wird doch lediglich in einer kleinen Gruppe geführt, beteiligt sind  vor allem die Winzer, einige Gastronomen, Händler und eine Handvoll Journalisten.

Steffen Schindler vom Deutschen Weininstitut berichtet, dass es vor allem im Ausland  - selbst für Weinfachleute und Journalisten - ohne entsprechendes Fachwissen schwierig ist, die Unterschiede zu verstehen.

Selbst in Deutschland ist es mühsam immer wieder den Unterschied zwischen einer 1. Lage, dem 1. Gewächs und dem Grossen Gewächs erklären zu müssen und anschließend nur verständnisloses Kopfschütteln zu ernten.

Vielleicht war es einstmals ein Fehler, dass die Spätlese im gleichen Weingut aus der gleichen Lage in trocken, halbtrocken und süß entstanden ist. Zumindest ist dieses Sammelsurium von hervorragenden Weinen und verschiedensten Begriffen für einen normalen Menschen recht unverständlich.

Sicherlich ein Grund, warum nach wie vor einzelne Weingüter und nicht der VDP als Gütesiegel im Fokus stehen. Trotz aller Fortschritte der letzten Jahre ist der VDP immer noch nicht richtig in der Wahrnehmung der Verbraucher verankert, weil keine klare Definition vorhanden ist.



3. Der VDP als Marke (Gütesiegel)

Woran liegt es, dass der Verbraucher den VDP als Marke oder Gütesiegel nicht richtig wahrnimmt?

Sicherlich nicht daran, dass man beim googlen im Internet auf so solch illustre Begriffe wie

-    Verband Deutscher Papierfabriken
-    Verlag Deutscher Polizeiliteratur
-    Verband Deutscher Pfandbriefmarken
-    Verband der Pädagogiklehrer
-    Verband der Pudelfreunde

stößt.

Vielleicht weil jeder Einzelne und auch Regionen eher ihre eigene Sache vorantreiben, anstatt sich um das Ganze zu kümmern.

Die Marke VDP muss sowohl im In- als auch im Ausland mehr Gewicht bekommen. Schließlich steht sie für ein ganzes Jahrhundert Qualität, Sicherheit und Vertrauen.

Wie kann das umgesetzt werden?

  • VDP-Winzer müssen sich in- und extern zum „Traubenadler“ bekennen
  • Solidarität (die Kapsel mit dem Traubenadler promoten und nicht ausgerechnet von solch berühmten Protagonisten wie Bürklin Wolf und Egon Müller weggelassen oder den Adler auf der Kapsel so geschickt anbringen, dass er beim Abschneiden verschwindet)
  • Verbreitung im In- und Ausland
  • In der Wirtschaft spricht man von einem Markentrichter:
  • Zunächst muss der Bekanntheitsgrad einer Marke erhöht werden, das Vertrauen muss wachsen, der Käufer muss die Marke in der Kaufauswahl berücksichtigen und sie dann auch kaufen. Dann ist er ein loyaler, zumindest teilloyaler Kunde.
  • jeder VDP-Winzer muss regelmäßig Informationen an seine Kunden weitergeben
  1. auf der eigenen Homepage muss der VDP erwähnt sein (kleines Statement)
  2. die Homepage sollte mit VDP Seite und auch untereinander gelinkt sein
  3. alle Veranstaltungen des VDP (regional) sollten von jedem Weingut auf die Homepage gesetzt und weitergegeben werden
  4. Vernetzung des DWI nutzen (strukturierte Homepage mit vielen clicks)
  5. das Internet ist ein Teil unserer Zukunft!
  6. eine sinnvolle Homepage muss leben und ständig gepflegt werden
  7. das ist nicht nur Sache der Geschäftsstelle, sondern eine wirkliche Nachhaltigkeit wird erst durch die Umsetzung jedes, einzelnen Mitglieds erreicht



Zielgruppe und Konsumverhalten

  • der normale Weintrinker kauft in der Regel in Fachgeschäften und im Weinhandel aber auch in Supermärkten und Discountern
  • Besuche beim Winzer eher Freizeit-Aktivität
  • Das Verbraucherverhalten hat sich grundlegend geändert
  • Markenbewusstsein ist grundsätzlich gestiegen, wir leben in einer medialen Welt
  • Livestyle – was schick oder in ist - spielt Rolle (in der Küche Bulthaup aber im Keller Tiefkühlschrank von Quelle, zum Einkauf  mit Porsche Cayenne zu Aldi und anschließend auf den Bio-Markt) 
  • Wo findet der Verbraucher VDP-Weine, wenn man sie denn suchen würde?
  • Gibt es autorisierte Fachgeschäfte?
  • Eventuell durch eine Auszeichnung vom VDP und gekennzeichnet durch ein glänzendes Messingschild
  • Schließt die Schaffung von speziellen VDP-Händlern einen Verkauf an anderer Stelle aus?
  • VDP Weine in Discountern oder Tankstellen? Warum nicht, wenn das Segment und der Preis stimmt. Moet oder Veuve Cliquot gibt es ja auch an der Tankstelle.
  • Guter Wein bei Aldi ist besser als schlechter Wein beim Winzer! Solange ein Rheingauer Classic Riesling guter Qualität bei Aldi für € 7,99 gehandelt wird, ist dagegen in meinen Augen nichts einzuwenden



Qualitätsinitiative

  • Gütesiegel und Wert müssen klar definiert werden
  1. Was ist der VDP
  2. Wofür ist der VDP bekannt
  3. Wofür steht der VDP
  • Instrumentalisierung
  1. Der VDP muss auch weiterhin etwas aus den eigenen Reihen heraus unternehmen
  2. Es ist immer einfacher in die Spitze zu kommen, als dort auch zu verweilen
  3. Jedes Mitglied ist gefordert
  • Qualität
  1. Es muss eine Qualitätsoffensive entwickelt werden, die zu steter Verbesserung führt
  2. es wird immer Schwächere und Bessere geben
  3. aber der Durchschnitt muss sich noch verbessern
  4. die Standartabweichung muss sich verringern



 
Zielsetzung

  1. Genuss verbunden mit Qualität
  2. Bekanntheitsgrad erhöhen = Gewisse Menge an Top Qualitäten (sowohl im trockenen als auch im und süßen Bereich), um in die wichtige Märkte streuen zu können
  3. Rarität (diese Qualitäten dürfen nicht unbegrenzt und überall zu bekommen sein)



Fazit:

Die Marke oder das Gütesiegel VDP bekommt im In- und Ausland nur mehr Gewicht, wenn klare Aussagen durch gemeinsame Restriktionen erarbeitet werden können. Eine Marke zwingt zu „Harmonisierung“ – positiv betrachtet!



 
4. VDP und Gastronomie

       
Neben dem Fachhandel ist die Gastronomie ist in meinen Augen ein wichtiger Partner des VDP. Hier wird das Produkt Wein aus Überzeugung verkauft. Anders als im Handel kann der Kunde den Dialog gleich schmeckbar nacherleben.

Die Sommeliers und Gastronomen sind das Sprachrohr des VDP.

Der VDP hat das erkannt und in den letzten Jahren die Gastronomie sehr stark unterstützt. Mittlerweile widmen sich ganze Betriebe nicht nur dem Deutschen Wein (Brandenburger Hof, Berlin), sondern ausschließlich dem VDP (Monkeys, Düsseldorf). Die Gastronomie erfreut sich an der Qualitätsoffensive und dem frischen Wind, und gibt dieses Wissen begeistert an ihre Gäste weiter.

Ein bisschen Sorge habe ich allerdings vor Unwissen und Stillstand. Ein Servicemitarbeiter, der sich nicht mit Käse auskennt, wird mit diesem Produkt keinen Umsatz erzielen. So geht es mit Digestif und leider auch oft genug mit speziellen Weinen.

Die Einführung der Großen Gewächse hat eine neue Dimension für die gehobene Gastronomie eröffnet. Endlich können wir auch zu kräftigen Speisen, sahnigen Saucen und gebratenem Fleisch einen passenden Deutschen Wein empfehlen. Zudem erringen wir bei unseren Gästen einen klaren Punktsieg, weil sie über ihre neue Geschmacks-Entdeckung hoch erfreut sind.

Aber es muss weitergehen!

Der VDP sollte sich der Gastronomie noch mehr annehmen, damit die Qualitätsoffensive des Deutschen Weines Bestand behält und die modebewussten Trinker Gäste nicht irgendwann Deutschland wieder vergessen.

Dazu gehört in meinen Augen auch eine behutsame Preispolitik. In den meisten Restaurants kosten Grosse Gewächse mittlerweile um die € 70. Vorsicht, so kann der gerade entstandene Boom auch blitzartig wieder zu Erliegen kommen. Damit bewegen sich die Grossen Gewächse in einem Preisniveau, das nicht in jeder Gastronomie verkauft werden kann und zudem noch internationaler Konkurrenz unterliegt.

Wir alle sollten nicht vergessen, dass jeder, der über € 20 für eine Flasche Wein ausgibt, sich auch ein wenig auskennt, sonst würde er sein Geld nicht in Wein investieren. Die Preiserhöhung ist richtig und gut, muss aber behutsam durchgeführt werden.

Wie schon erwähnt, die Spitzenbetriebe des VDP haben kein Problem ihre Weine zu verkaufen.

Gastronomischen Schlüssel-Personen sollten geschult und regelmäßig von den Trends und Entwicklungen unterrichtet werden, vielleicht gemeinsam mit dem DWI und der Sommelier Union. Für meinen Geschmack wird zuwenig der Netzwerkcharakter gepflegt.

Vielleicht könnte man die Gründung eines festen Förderkreises andenken. Wissensvermittlung durch Eigeninitiative der Mitglieder oder eines kleines Schulungsteams (Regelmäßigkeit ist wichtig!).

Ich wünsche mir spezielle VDP-Workshops für Gastronomie und Handel (aktuelle und brisante Themen!).

Der VDP sollte noch intensiver die Zusammenarbeit mit dem DWI suchen und das Netz, sie bringen regelmäßig ausländische Sommeliers nach Deutschland und sind auf die namhaften Partner-Weingüter angewiesen.

Dies Gastronomie mehr nutzen und vor allem fördern:

  • die Möglichkeit, reife Weine zu verkaufen
  • die Kombination von Wein und Speisen
  • Erlebnis Kabinett restsüß aber reif
  • Einsatz von halbtrockenen und restsüßen Weinen in der Gastronomie (Beispiel Graf Matuschka)




 
5. VDP Klassifizierung

Erlaube Sie mir eine sehr provokative Aussage: Die nationale und auch internationale Weinwelt ist des Überflusses der Deutschen Weinbegriffe müde. Bitte keine neuen Begriffe und weitere Verwirrungen!

Deutschland hat keine Appellationskultur wie die romanischen Länder. Wir leben in einem „Mischmasch“ von Mostgewicht, Lagen und Geschmackskorridoren.

Und gerade deswegen kann die Erzeugung von Terroir-Weinen ein USP (Unique selling proposition = Alleinstellungsmerkmal)
für Deutschland sein.

Wie kann ein Weingut – wenn es um Terroir geht – seinen Spitzenwein kenntlich machen? Was ist wichtig?

Weinberg – Rebsorte – Winzer – VDP (Marke)

Qualität und Authenzität!

Ein Terroir-Wein entsteht nicht von heute auf morgen, das dauert Jahre. Dabei ist der Winzer ein wichtiger Bestandteil, er legt die Messlatte. Von seinem handwerklichen Geschick und seiner Erfahrung hängt alles ab. Wie geht er mit den Vorgaben der Natur um, wie interpretiert und arbeitet das heraus, was die Natur ihm vorgibt. Faszinierend wird Terroir doch erst durch eine nachhaltige Schmeckbarkeit. Erst diese Replizierbarkeit macht einen Terroir-Wein aus.

Dass dabei auch unterschiedliche Ausprägungen ihre Berechtigung haben, belegen sowohl die feinen rassigen Rieslinge von J.J. Prüm, Müller und Co. aber zum Beispiel auch die trockenen Rüdesheimer Berg Schlossberg Rieslinge aus vom Weingut Breuer. Das sind einige der wenigen Lagen, die man geschmacklich mehr als 25 Jahre zurück verfolgen kann.

Ja, Terroir ist schmeckbar! Sogar wissenschaftlich nachgewiesen - anhand von Versuchen und Forschungen der den letzten 3 Jahre - von Prof. Dr. Uli Fischer und seinem Team, Abteilung Weinbau und Oenologie, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz). Dort arbeitet man seit längerer Zeit sehr erfolgreich an einem Terroir-Projekt.

Dass der Scharzhofberg, die Wehlener Sonnenuhr und das Piesporter Goldtröpfchen besondere Lagen sind, dass weiß man auf der ganzen Welt. Diese feinsten edelsüßen Spät- und Auslesen sind weltbekannt und haben den Ruf des Deutschen Weines mitbegründet.

Und dass ein Grosses Gewächs aus einer besonderen Lage stammen muss, ist eigentlich auch klar, sonst wäre es kein großer Wein. Das sich aber selbst Fachleute ständig mit dem 1. und dem GG verheddern, sollte Ihnen zu denken geben.

Ich würde mir einen einzigen Begriff für diese Terroir-Weine wünschen.

Als ich unlängst mit einem sehr engagierten Winzer von der Mosel sprach, musste ich schmunzeln, als er sich im Dschungel der VDP Begrifflichkeiten verhedderte und ich ihm erklären musste, was der Unterschied von der 1. Lage und einem großem Gewächs ist. Wenn das schon nicht die Fachleute verstehen, wer denn dann?

Im Weingut Georg Breuer gibt es beispielsweise seit gut 25 Jahren gibt eine gutsinterne Klassifizierung für trockene Weine:

  • Rüdesheimer Berg Schlossberg und Rauenthaler Nonnenberg
  • Terra Montosa
  • Rüdesheim und Rauenthal Estate


Auf den Lagen-Weinen ist nicht mal mehr eine Geschmacksbezeichnung angegeben. Der Zweitwein Montosa ist von exzellenter Qualität und besetzt die oftmals unterrepräsentierte Mitte.  

Und ich kenne kaum ein Land, in dem Breuers Weine nicht vertreten sind. Das sind die Früchte einer klaren Aufteilung und langjährigen, exzellenten Aufbauarbeit.

Aus meiner Sicht gehören die Prädikate den wunderbaren Rieslingen den nördlichen Anbaugebieten, allerdings ausschließlich im restsüßen Bereich!

Und dem weltweit eingeführten Begriff Kabinett gehört ein Denkmal gesetzt! Aber nur, wenn es Riesling ist, zart und fein schmeckt und  wenig Alkohol (max. 12% Vol) besitzt.

Das ist verständlich und international verstanden und umgesetzt.

In meinen Augen wäre es fatal – nur der Loyalität wegen – das Große Gewächs in verschiedene Geschmacksrichtungen zu öffnen. Das Große Gewächs ist geschmacklich besetzt und das Pseudonym für den großen trockenen Wein.

Die Winzer aus den nördlichen Gebieten reklamieren doch, dass ihre Lagen nur mit anhand der verschiedenen Prädikate ihre wahre Ausprägung zeigen können. Warum sollte man diese durch die Einführung eines allgemeingültigen Ober-Begriffes zerstören.

Die Prädikate sind jedes für sich – in den verschiedenen Süß-Abstufungen – eine einzigartige Vielfältigkeit und eine absolut verständliche Bezeichnung, wenn sie nur einmal besetzt werden (Geschmacksrichtung).

Verbunden mit der Lage sind es besondere Gewächse und weltweit einzigartig in ihrer Art!

Die Besten Betriebe unter Ihnen haben Ihre Hausaufgaben längst gemacht. Sie sind sortiert, vorbereitet und ausverkauft.

Die Mitte liegt im Dornröschenschlaf. Noch.

Die nächste Generation, die im VDP ein Vorbild sieht, ist engagiert und hat Biss. Die jungen Leute sind für die Zukunft gerüstet, hellwach und verzetteln sich nicht in vermeintlichen Traditionen. Das Wissen der Altvorderen und die Möglichkeiten der heutigen Zeit nutzen sie geschickt, um Ihre Leistung zu steigern. Sie orientieren sich an der Qualität des VDP und ihre Großen Weine sind schon heute bemerkenswert.

Zeit, um Auszuwachen und Qualität als oberste Maxime zu betrachten!

Keine Frage, die Grossen Gewächse sind derzeit international gefragt, aber sie müssen den Anspruch haben, sich mit den Grand Crus der ganzen Welt messen lassen.

Wenn man allerdings die Spitze in der Spitze sucht, dann bedeutet das eher eine kleine Menge. In diesem Fall wäre es vielleicht besser, eine Basis in der Spitzenqualität zu finden. Die großen Terroir-Weine sollten eine internationale Verbreitung finden, damit die Botschaft sich verbreiten kann.

Die die eigentliche Herausforderung besteht für die VPD Winzer darin, von einem großen Wein nicht nur 3.000 Liter, sondern vielleicht irgendwann mal 10.000 – 15.000 Liter zu produzieren.

Nicht noch immer noch eins drauf: das beste Fass vom besten Fass zu machen (geht vielleicht bei Süßweinen, echten Raritäten). Mondavi produziert (in Relation gesetzt) von seinem Top-Wein Cabernet Sauvignon Reserve ca. 150.000 – 180.000 Flaschen pro Jahr / Lafite 150.000 – 200.000 Flaschen und auch bei Petrus gibt es bereits 30.000 Flaschen.

Der VDP hat im letzten Jahr rund eine Millionen Flaschen GG produziert, aufgeteilt auf die 198 Betriebe ergibt das bereits rund 5.000 Flaschen pro VDP-Weingut. Allerdings in sehr unterschiedlichen Qualitäten.

Vielleicht muss der VDP sich in dieser Frage professionalisieren, nicht bürokratisieren. Leider zeigen zu viele Große Gewächse im Moment nicht die Klasse, die man von einem Großen Gewächs erwartet.

Niemand braucht weitere Namen oder Gesetze. Die erfolgreichsten Winzer Deutschlands haben ihre Betriebe strukturiert und leben das vor. Deshalb haben sie Erfolg und sind international bekannt.


6. Meine Vision

Der VDP wird in zwei Jahren 100 Jahr alt, man könnte Altersweisheit erwarten...ich freue mich auf visionäre Gedanken und deren Umsetzung!

  • Überregionales Denken und notwendige Blick über den Tellerrand (Kenntnis der verschiedenen Weinregionen und ihrer Möglichkeiten)
  • Nationale VDP-Interne Proben
  • (Vergleich Wiesbaden GG-Probe)
  • Verzicht - es kann nicht jeder alles haben
  • (Die Anbaugebiete stehen im Wettbewerb, das ist ein Hemmnis im internationalen Markt)
  • Die regionale Typizität muss erkennbar sein (nicht jeder kann alles)
  • Weniger ist mehr
  • Vielleicht irgendwann nur noch Riesling, Burgunder und Silvaner (Rebsortenbegrenzung im VDP)
  • Eine klare Klassifizierung, für alle verständlich
  • ...und vielleicht auch offen für qualitätsorientierten Nachwuchs
  • Die Mitglieder des VDP müssen sich als Einheit betrachten
  • VDP interne Strukturierung mit klaren Statuten und einer Vision
  • Wenn VDP draufsteht, sollte auch VDP drin sein!


Sehr verehrte Zuhörer,
falls Sie nun den Eindruck haben, dass ich zu kritisch mit dem VDP umgegangen bin, dann bitte ich um Verzeihung. Steffen Christmann wird sicherlich bemerken, dass ich zu streng war... Aber Sie alle kennen die Situation. Den Freunden bringt man Gelassenheit entgegen und mit dem Liebsten geht man oft sehr direkt und  kritisch um. Was der Liebe aber keinen Abbruch tut!

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Verleihung Ehennadel


Christina Fischer