Laudatio Christina Fischer 2008Laudatio zur Verleihung der silbernen Ehrennadel an Christina Fischer an der Weinbörse 2008
Mensch & Innovationsmotor aus Leidenschaft
Es gibt Menschen, die vergisst man nicht. - Nicht, weil ihr Gesicht regelmäßig über den Bildschirm flimmert, noch, weil sie eine Steuerreform propagieren, die auf einen Bierdeckel passt. Nein, ich meine diese Art von Menschen, die andere begeistern und mitreißen können, die ihren Job mehr als gut machen und deren Job eigentlich grenzenlos ist, soweit die Phantasie sie trägt.
Christina Fischer ist eine von diesen Menschen. Ein begeisterndes und mitreißendes, vor Ideen sprühendes, dabei höchst fachkundiges Perpetuum mobile. Seitdem sie ihre Liebe zu „Weingenuss und Tafelfreuden“ entdeckt hat, geht sie mit gleichbleibender Energie an die Umsetzung der Beiden – Kreatives Ende nicht absehbar.
Sie ist: Hotelkauffrau, Sommeliere, Restaurantbesitzerin, Geschäftsführerin, Weinakademikerin, Fernsehmoderatorin, Vielfaches Jurymitglied, Weinhändlerin, Seminarleiterin, Event-Managerin, Buchautorin, Weinreiseleiterin. Und natürlich ist sie auch Beraterin und Konzeptioner in allen vorgenannten Jobs. Fehlt noch etwas? Fast bewusst vergessen habe ich alle Auszeichnungen, die ihr im Laufe ihres gastronomisch-vinologischen Lebens zuteil wurden, aber ich wollte Sie nun doch nicht 45 Minuten hier an die Sitze fesseln. Christina Fischer – ein Multitalent.
Die Basis für ihre Weinkompetenz erarbeitete sie sich als Sommeliere, während ihrer Lehr- und Wanderjahre, die sie neben London hauptsächlich in ihrem so geliebten Rheinland absolvierte. 1996 – mit 35 Jahren - eröffnete sie ihr Restaurant Fischers Weingenuss & Tafelfreuden– ein innovatives Restaurantkonzept, das in Deutschland seiner Zeit weit voraus war. Genauso wie das, vom englischen Decanter mit dem „Wine by the glass Award“ honorierte, Weinkonzept. 800 Positionen Wein aus aller Herren Länder – und demgegenüber, ständig wechselnd, 40 Positionen offener Weine: vom frischen, unkomplizierten Zechwein bis hin zum handwerklichen Spitzenwein mit Kultstatus Das ist noch heute der Traum eines jeden Restaurantbesuchers und nach wie vor eine Seltenheit in der deutschen Restaurantlandschaft. Doch gerade dieser fulminante, glasweise Weinausschank ist ein Schlüssel dazu, dass bei Weingenießern die Berührungsängste vor großen Namen schwinden und es ihnen möglich wird, sich den Mythos eines Weines zu „ertrinken“.
Christina Fischer - eine Türöffnerin.
Doch ich stände heute nicht hier an dieser Stelle, wenn Christina Fischer sich nicht auch auf die Fahnen geschrieben hätte, die Menschen für deutschen Wein zu begeistern.
Dabei steht bei ihr an erster Stelle bestimmt kein Missionsgedanke für zurückgebliebene Wein- und Winzergruppen, sondern mit Sicherheit die persönliche Überzeugung, dass deutsche Spitzenweine es wert sind, be- und gekannt zu sein und im Konzert der großen Weine der Welt ihre Rolle spielen. Sie ist überzeugt vom Riesling – wie sonst hätte sie darüber gemeinsam mit Ingo Swoboda ein so facettenreiches Buch schreiben können. „RIESLING“ – hier wird die ganze Bandbreite des Rieslings vermittelt, das, was diese Rebsorte so einzigartig macht, ihr Alterungspotential, die Stilistiken, die Herkunftscharaktere. Und genauso enthusiastisch wie im Buch vermittelt sie in London und anderswo die Vorzüge dieser und anderer Rebsorten. Das nimmt man ihr ab.
Christina Fischer – eine Glaubwürdige.
In all den Jahren ihres „Wein-Schaffens“ lernte sie quer durch Deutschland viele Winzer kennen, darunter - das versteht sich von selbst - auch Prädikatsweingüter. Sie zog sie alle in ihren Bann – und… mit Veranstaltungen nach Köln, ob es in den Anfangsjahren das Barrique-Forum war, später die VDP-Regiononalgruppen Nahe-Ahr, die 5 Freunde, die Grosse Gewächs Tour der Pfalz, um nur einige zu nennen. Und machte ihr Haus so auch zum Mekka des deutschen Spitzenweines.
Sie lernte die Winzer kennen, sie lernte deren Wein kennen, aber viel wichtiger, sie lernte auch sich in die Winzer hineinzudenken, sich von ihnen fachliche Ratschläge zu holen, und ihnen gleichermaßen die Leviten zu lesen, wenn es z.B. um Klassifikationsmodelle und Klarheit für den Verbraucher geht.
Ich erinnere mich gerne an Ihre beratende Unterstützung, als wir die Initiative „Herkunft Deutschland“ vor vielen Jahren auf der Stromburg diskutiert haben - Frank und frei äußert sie ihre Meinung – kritisch wie positiv - und ist dadurch für viele zu einer guten Freundin geworden, deren Meinung man hören möchte.
Christina – das Gewissen des VDP.
Sie hat eine ganze Generation von Sommeliers geformt, ob als Vorstandsmitglied in der Sommelierunion, ob als Ausbilderin im eigenen Restaurant – und ihnen mit Sicherheit eine große Liebe für die Post-Liebfraumilch-Generation an Weinen mitgegeben. Sie war und ist eine Super-Botschafterin für den deutschen Spitzenwein. Gefragt nach dem erfolgreichsten Wein in ihrem Restaurant, sagt sie: „Bei uns ist es schon der Riesling. Weil wir den Riesling lieben und den Riesling leben und darüber sehr viel sprechen. Unser Restaurant könnte vielleicht auch "Riesling" heißen.“ Für mich spricht diese Aussage Bände……
Liebe Christina, ich hoffe, dass es mir in meinen Ausführungen ein wenig gelungen ist, Ihren Talenten, die sie für den deutschen Spitzenwein so mannigfach einsetzen, gerecht zu werden. Eigentlich gebührt Ihnen ein lebenslanges VDP-Riesling-Abonnement, aber Ihr Keller ist sicher gut sortiert. Was also kann ein Verband tun, der Ihre Arbeit unendlich schätzt und dem nur begrenzt Mittel zur Verfügung stehen, um Ihnen diese Wertschätzung zu zeigen?
Einmütig hat Der Vorstand der Prädikatsweingüter Deutschlands beschlossen, Ihnen unsere größte Wertschätzung, die silberne VDP-Ehrennadel zu teil werden zu lassen.
Wir wollen damit Christina Fischer, als Multitalent, als glaubwürdige Schlüsselfigur für den deutschen Spitzenwein und als Gewissen des VDP würdigen. Und nebenbei erstmals die Frauenquote bei den VDP-Ehrennadelträgern einführen! Herzlichen Glückwunsch!