Die Geschichte des Bundesverbands

Im Zeichen des Traubenadlers 2.0
Eine digitale Geschichte des deutschen Weins im Spiegel des VDP.

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Im Zeichen des Traubenadlers: Eine Geschichte des deutschen Weins

Ein Buch das von Wein und Krieg, von Blut und Boden und jüdischen Weinhändlern, Wiederaufbau und Weingesetzen, vom Auf und Ab großer Namen handelt - und dem unbeirrten Festhalten an dem Ideal großer Weine.

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Chronologie VDP


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1910 - Gründung des VDNV

Am 26. November 1910 schließen sich vier Regionalvereine namhafter „Naturweinversteigerer“ zu dem Verband Deutscher Naturweinversteigerer (VDNV zusammen. Die Gründungsvereine sind die „Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer“ (gegr. 1897), der „Verein der Naturweinversteigerer in Rheinhessen“ (gegr. vermutlich 1910), der „Trierer Verein von Weingutsbesitzern von Mosel, Saar und Ruwer“ (gegr. 1910) sowie der „Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“ (gegr. 1908). Im Frühjahr 1912 gründet sich auch an der Nahe ein Verein von Naturweinversteigerern und tritt dem VDNV bei. In Franken scheitert ein erster Versuch, es den Naturweinversteigerern an Rhein und Mosel gleichzutun.  Betrieben wird der Zusammenschluss von namhaften Persönlichkeiten des deutschen Weinbaus, darunter den Brüder Ludwig und Friedrich von Bassermann-Jordan, aber auch Weinbaubeamten wie dem Direktor der königlich-preußischen  Domänenverwaltung Trier, Peter Ehatt, und dem nachmaligen königlich-bayerischen Landesinspektor für Weinbau, August Dern. Den Vorsitz des Verbands übernimmt der Trierer Oberbürgermeister Albert von Bruchhausen (1849-1948), ein Mann mit erheblichem politischem Gewicht. Der Zentrumspolitiker wird das Amt bis zum Jahr 1935 innehaben.

Albert von Bruchhausen, Vorsitzender 1910 - 1934 (c)VDP

1914 - Das Ende des langen 19. Jahrhunderts

Deutscher Naturwein steht zu Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit in höchstem Anstehen. Die Preise, die auf den der in der überregionalen Presse sowie in allen Fachzeitschriften beworbenen „Naturweinversteigerungen“ bezahlt werden, sind die höchsten, die jemals für deutsche Weine „angelegt“ wurden. Kein angesehener Weinhändler und kein namhaftes Hotel kann es sich leisten, „Originalabfüllung“ aus den Kellern der Naturweinversteigerer nicht auf der Weinkarte zu führen.

1917 - Wein und Krieg

Die Blockade der Entente macht den Absatz deutscher Weine in das westliche Ausland praktisch unmöglich. Gleichzeitig geht die Einfuhr ausländischer Weine zurück, so dass die Nachfrage nach Wein seitens der Bevölkerung wie der Heeresverwaltung schon bald größer ist das Angebot. Die qualitativ herausragenden Jahrgänge 1915 und 1917 heizen die Weinpreise zusätzlich an. In den letzten Kriegsmonaten steigen die Preise so stark, dass die Weinbranche insgesamt als „Kriegsgewinnler“ gilt. Ein Rückgang der Preise setzt erst 1919 ein. Verboten werden die „preistreibenden“ Weinversteigerungen trotz mancherlei Forderungen weder während des Krieges noch nach dessen Ende.

1918 - Revolutionen allerorten

Auch im vierten Kriegsjahr werden die „preistreibenden“ Weinversteigerungen unvermindert abgehalten. Erst der Waffenstillstand am 8. November verändert die politische und wirtschaftliche Lage. Während die Trierer Naturweinversteigerer wenige Tage nach dem Waffenstillstand unbeirrt die 1917er Ernte versteigern, geht die Furcht vor Plünderungen und Beschlagnahmungen vor allem durch die Besatzungstruppen um. Aus Berlin erhält der Direktor der Preußischen Staatsdomäne im Rheingau die Order, alle transportfähigen Weine dem Zugriff der Franzosen zu entziehen. Anfang Januar erreichen mehrere hundert Weinfässer aus allen rheingauer Domänen per Schiff das bayerische Würzburg. Bald wird der Plan gefasst, einen Teil der preußischen Weine an Ort und Stelle zu versteigern. Verwirklicht wird diese Absicht nicht. Im Herbst 1919 wird ein Großteil der ausgelagerten Bestände in den Rheingau zurückgebracht und unter allgemeinem Jubel versteigert.

1919 - Revolutionen allerorten

Durch den Versailler Vertrag verliert das Deutsche Reich Elsass-Lothringen, das bis dahin größte Weinbaugebiet. Alle linksrheinischen „Edelweinbaugebiete“ von der Rheinpfalz über die Nahe und Mosel-Saar-Ruwer einschließlich des Rheingaus liegen auf unabsehbare Zeit in der französischen Besatzungszone. Die Ausfuhr von Wein und Sekt erreicht nie mehr das Niveau der Vorkriegszeit: Großbritannien, der größte Auslandsmarkt, steht im Lager der Kriegsgegner, in Russland obsiegen die Bolschewisten und bereiten der adeligen Feudalherrschaft ein Ende, in den Vereinigten Staaten beginnt die Zeit der Prohibition.

1921 - Ein Jahrhundertjahrgang

Nach den sehr guten Jahrgängen 1911 und 1915 reift im Jahr 1921 ein weiterer herausragender Jahrgang. Als die ersten Weine Ende 1922 (im Fass) versteigert werden können, halten sich viele Weingüter wegen der zunehmenden Geldentwertung zurück. Auch im folgenden Jahr, dem Höhepunkt der Inflation, wird nur in einer finanziellen Zwangslage versteigert. Viele Güter gehen dazu über, die 1921er Weine auf Flaschen zu ziehen und sie nach und nach zu verkaufen. Während der Wirtschafts- und Finanzkrise der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre dienen 1921er Flaschenweine als „Notgroschen“.

1923 - Unter französischer Besatzung

Der Besetzung des Ruhrgebietes durch französische und belgische Truppen Anfang Januar 1923 folgen in allen Teilen des linksrheinischen Besatzungsgebietes Sanktionen der Interalliierten Rheinlandkommission, vorgeblich, um die mit Reparationszahlungen in Rückstand geratene Regierung zu zwingen, ihren Verpflichtungen nachzukommen. In der Pfalz, an der Mosel, wie auch in dem ebenfalls französisch besetzten Brückenkopf Mainz, der die Stadt Wiesbaden und große Teile des Rheingaus einschließt, kommt es zu Ausweisungen tausender Bürger, darunter des Trierer Oberbürgermeisters von Bruchhausen, des Vorsitzenden des VDNV. In letzter Minute vermag der preußische Fiskus einen Großteil seiner Domänenweine dem Zugriff der Franzosen zu entziehen. Mit der Auflage, einen Großteil von ihnen in Deutschland zu versteigern, werden sie an die die Frankfurter Weinhandelsfirma Nicolaus verkauft, eine Tochterfirma der amerikanischen Brauerei Anheuser. Deren Inhaber wiederum entstammten einer an der Nahe zu Wohlstand gekommenen Weinbaudynastie.

1925 - Geburt des Traubenadlers

Überall in Deutschland begeht man die tausendjährige Zugehörigkeit der Rheinlande zum Deutschen Reich. In Koblenz findet unter den Augen der Franzosen die erste „Reichsausstellung Deutscher Wein“ statt. Für ein Werbeplakat entwirft der Kölner Grafiker Franz-Josef Lichtenberg einen stilisierten Reichsadler, der Trauben als Brustschild trägt.

1926 - Beste Lagen

Der Verband wird in das Vereinsregister eingetragen gibt sich ein „Markenzeichen“ und veröffentlicht erstmals ein Mitgliederverzeichnis. Das Markenzeichen ist der „Traubenadler“, neu gezeichnet von dem Trierer Maler und Grafiker Fritz Quandt. Bis 1971 bleibt der stilisierte Reichsadler mit Traube und Umschrift VDNV das gesetzlich geschützte Warenzeichen des Verbandes: „Prägen Sie sich das Verbandszeichen ein. Es bürgt für Naturreinheit, Güte und Bekömmlichkeit des Flascheninhalts“ heißt es werbend. Zusammen mit dem Korkbrand dient das Vereinszeichen als Garant der Naturreinheit des Weins und wird bald zum international gültigen Erkennungszeichen des deutschen Qualitätsweinbaus.

Weinversteigerung im Paulinenschlösschen Wiesbaden 1926 by VDP

1927 - Krise und kein Ende

Im deutschen Weinbau bringen die zwanziger Jahre eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Die Inflation des Jahres 1923 vernichtet auch im Weinbau und Handel viel Kapital. Wegen der schlechten Qualität der meisten Jahrgänge, geringer Erträge und hoher Aufwendungen für die Schädlingsbekämpfung geraten immer mehr Betriebe in Existenznot. Mit einer Werbekampagne unter dem Motto „Trinkt deutschen Wein“ und der finanziellen Unterstützung von Publikationen über den Weinbau versucht der preußische Staat, den Absatz von Wein zu fördern.  Auch die Naturweinversteigerer können sich dem Sog der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht entziehen. Unter Druck der „Absatznot“ verlassen zahlreiche Gründungsmitglieder die Regionalvereine, um dem Handel unter Umgehung der Versteigerungen Naturweine im Fass und in Flaschen anzubieten und „verbesserte“ Weine unter eigenen Namen vermarkten zu können. An der Mosel schließen sich mehrere ehemalige Naturweinversteigerer zu „Promorsa“ zusammen. Im Rheingau scheitert der Plan, eine Absatzgenossenschaft ins Leben zu rufen.

Der Trierer Oberbürgermeister von Bruchhausen tritt aus Altersgründen in den Ruhestand, bleibt jedoch an der Spitze des VDNV. Dass am 13. Juli 1927 in Trier das „Deutsche Weinmuseum“ eröffnet wird, ist auch sein Verdienst.

1927 - Weine für den Reichspräsidenten

Aus Anlass des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg am 2. Oktober 1927 stellen die Mitglieder des VDNV ein Weinpräsent zusammen: Eine Kollektion deutscher Spitzenweine, wie sie vielleicht niemals zuvor zusammengestellt wurde und wenn überhaupt nur noch einmal danach - aus Anlass der Verabschiedung von Bruchhausens im Jahr 1934 - zusammengestellt werden konnte.

1930 - Das Traubenadler-Etikett

Unter den drei Vorschlägen für ein gemeinsames Etikett kommt der Entwurf des Berliner Graphikers und Malers Ernst Böhm (1890-1963), der sich seit 1921 als Professor an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und An-gewandte Kunst unter anderem als Gestalter von  Bucheinbänden einen Namen gemacht hatte, den Vorstellungen der Naturweinversteigerer am nächsten. Die Mitglieder des VDNV verbinden mit dem senkrecht geteilten „Einheitsschild“ die Absicht, „die Aufmerksamkeit des Weintrinkers auf das Weingut und den Verband mehr als bisher zu lenken“. Es soll naturreinen Weinen vorbehalten bleiben, im eigenen Keller abgefüllt sind.

1932 - Am Ende

Das Jahr 1932 wird für den deutschen Weinbau das schwierigste seit Menschengedenken. Das Land wird mit Notstandsmaßnahmen reagiert, immer größere Bevölkerungsschichten werden von dem Sog der Massenarbeitslosigkeit befasst, Industrie und Handel kämpfen ums Überleben. Weinbau und Weinhandel geht es nicht anders. Über die legendäre Trierer Herbstversteigerung heißt es in einem Zeitungsbericht: „Die erzielten Preise waren, abgesehen von einigen Spitzenweinen oder bei Weinen, bei denen der Name den Grund zu einer höheren Bewertung bildete, so niedrig, dass bei weitem einmal die Erzeugungskosten aus dem Erlös gedeckt werden können. Wenn trotzdem zu solchen Preisen der Zuschlag erteilt wurde, so zeigt das, dass auch bei den größeren Weingüter der Bedarf an baren Gelde kaum geringer ist als beim Kleinwinzer. Größer als bei allen früheren Versteigerungen war die Zahl der Fuder, die den Zuschlag nicht erhielten.“ Die preußischen Domänen müssen auf Anweisung des Landwirtschaftsministeriums den VDNV verlassen. Durch den Verkauf „verbesserter“ Weine soll die Rentabilität wiederhergestellt werden.

1933 - Hitler an der Macht

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933, der Reichstagswahl am 5. März 1933, den Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April und dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums am 7. April machten sich die Nationalsozialisten daran, auch den deutschen Weinbau von Juden zu „säubern“. Widerstandslos werden alle Juden aus den Standesorganisationen des Weinbaus verdrängt. Mit Berufsverbot belegt werden die jüdischen Händler und Kommissionäre jedoch nicht. Da etwa 60 Prozent des in Deutschland gehandelten Weines durch jüdische Hände gehen, kommt eine Zerschlagung des jüdischen Weinhandels zu diesem frühen Zeitpunkt ungelegen. In Deutschland leben etwa eine Million Menschen direkt oder indirekt vom Weinbau, die meisten im Westen des Reiches.

1935 - 25 Jahre VDNV und Eingliederung in den Reichsnährstand

Wie alle landwirtschaftlichen Organisationen muss der VDNV damit rechnen, aufgelöst und in den Reichsnährstand eingegliedert zu werden. Die Nationalsozialisten begnügen sich damit, den VDNV dem Reichsnährstand anzugliedern und den Vorsitzenden Albert von Bruchhausen durch Kreisbauernführer Jakob Werner (NSDAP, Rüdesheim) zu ersetzen. Alle Indizien sprechen dafür, dass man das internationale Prestige des deutschen Naturweins nicht aufs Spiel setzen wollte. Aus demselben Grund konnten auch die Weinversteigerungen bis zum Herbst 1939 fortgesetzt werden. Der VDNV zählt zu diesem Zeitpunkt sechs Regionalverbände: Baden, Nahe, Mosel-Saar-Ruwer, Rheingau, Rheinhessen und Rheinpfalz. In der Satzung des VDNV heißt es: „Zweck des Verbandes ist, das Interesse der Versteigerer deutscher Naturweine im Einvernehmen mit dem Reichsnährstand zu wahren und zu fördern. Seine Tätigkeit erstreckt sich insbesondere auf: Regelung der Versteigerungsbedingungen und Termine, gemeinsame Werbung;  Ausstellungen im In- und Ausland; alle sonstige den Weinabsatz berührende Fragen, Austausch von Erfahrungen im Weinbau und in der Weinbehandlung.“

1938 - Verbot des Handels mit jüdischen Weinhändlern

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten hat sich der „arische“ Weinhandel so weit etabliert, dass die Nationalsozialisten die jüdischen Händler und Kommissionäre wirtschaftlich zugrunde richten können. Den preußischen Domänen wird verboten, Wein an Nichtarier zu verkaufen. Die Mitglieder des VDNV werden angehalten, ebenso zu handeln. Wie viele von ihnen der Anweisung folgen, ist nicht zu ermitteln, ebenso das Ausmaß an Sympathie oder Antipathie gegenüber den Nazis. Kein Weingutsbesitzer bekleidet ein mittleres oder gar hohes Parteiamt. Ende 1938 kommen die „Arisierungen“ zum Abschluss.

1939 - Internationaler Weinbaukongress in Bad Kreuznach - Beginn des Zweiten Weltkriegs

Wenige Tage vor dem Überfall auf Polen versammeln sich Fachleute aus aller Welt in Bad Kreuznach zu einem Internationalen Weinbaukongress. Deutschland gilt dank herausragender Leistungen auf dem Feld der Forschung als Vorbild schlechthin. An dem Schicksal der Juden nimmt offiziell niemand Anstoß.

1940 - Letzte Versteigerung

Die Weinbaugemeinden entlang der französischen Grenze sind evakuiert, auf den Herbstversteigerungen 1939 finden die letzten Weine des herausragenden Jahrgangs 1939 ihre Käufer. Im Frühjahr 1940 wird eine bereits angekündigte Versteigerung in Trier wegen des bevorstehenden Frankreich-Feldzuges verboten.

1945 - Ende des Zweiten Weltkriegs

Weingüter und -berge, über die die Front hinweggegangen ist, sind zerstört, der Bombenkrieg hat überall seine Spuren hinterlassen. Durch alliiertes Bombardement wurden die Zentren von Mainz und Bingen, den Hauptstädten des Weinhandels, größtenteils zerstört. In Berlin stößt die Rote Armee auf die Weinsammlung Hermann Görings. Wie viele andere hohe Nazis hatte er sich bis zuletzt in den Schatzkammern der preußischen Domänen bedient. Nach dem Krieg ist an eine Wiederaufnahme des freien Weinhandels und der Versteigerungen ist vorerst nicht zu denken. Die Besatzungsmächte beschlagnahmen Wein zur Versorgung ihrer Truppen und setzen einzelne Partien im Interzonenhandel so wie im Außenhandel als Tauschmittel für lebenswichtige Güter ein.

1947 - O Mosella

Die linksrheinischen Weinbaugebiete Pfalz und Mosel-Saar-Ruwer sowie das größte, Rheinhessen, liegen in der französischen Besatzungszone, der Rheingau sowie die rechtsrheinischen Gebiete Rheinhessens stehen unter amerikanischer Verwaltung. Die französische Besatzungszone wird von der britischen und amerikanischen isoliert, der Handel über die Grenzen verboten. Bald blüht der Schmuggel, auch von Wein. Für den rheinischen Karneval des Jahres 1947 komponiert Karl Berbuer ein Stimmungslied, das den Weinmangel in Köln persifliert: „O Mosella, du hast doch so viel Wein, … trink doch den Wein nicht allein … in deinem Garten Eden, wächst doch der Wein für jeden … “.

1949 - Wiederaufnahme der Versteigerungen

Noch vor der Gründung der Bundesrepublik finden in Trier und im Rheingau die ersten Weinversteigerungen statt. Auch der Verband Deutscher Naturweinversteigerer konstituiert sich. Dr. Alfred Bürklin, der langjährige Vorsitzende der Pfälzer Naturweinversteigerer und seit 1937 Stellvertreter Jakob Werners, wird zum Vorsitzenden des VDNV gewählt. Bürklin wird dieses Amt bis 1967 innehaben. In allen Regionen treten Inhaber von VDNV-Weingütern in den (ehrenamtlichen) Dienst von Weinbauverbänden, nicht selten als deren Präsidenten. Auch im Vorstand des Deutschen Weinbau-Verbands sind die Naturweinversteigerer prominent vertreten. Zu nennen sind unter anderem: Richard Graf Matuschka-Greiffenclau (Rheingau),  Freiherr von Neveu (Baden), Dr. Albert Bürklin (Pfalz) und Werner Tyrell (Mosel).

1955 - Spitzenweinversteigerung in Wiesbaden und Beitritt Frankens

Mit Ausnahme der Naturweinversteigerer der Mosel beteiligen sich alle Regionalverbände einschließlich der zu Beginn des Jahres 1955 gegründeten Vereinigung Fränkischer Naturweinversteigerer an der ersten Spitzenweinversteigerung des VDNV statt. Die Veranstaltung im Wiesbadener Kurhaus findet in der Fachwelt wie in den Medien ein breites Echo. Weitere Versteigerungen von Spitzenweinen finden in den Jahren 1969, 1974, 1978, 1981 (s.u.), 1985, 1991 und 1997 statt.

1958 - Qualität vor Quantität

Eine Serie von „Fehljahren“ mit einer geringen Ausbeute an versteigerungsfähigen Naturweinen sowie mit dem Wirtschaftswunder einhergehende Nachfrage nach einfachen und vor allem süßen „Konsumweinen“ stellen die Naturweinversteigerer auf die Probe. Einerseits werden verbandsintern die ersten Qualitätskontrollen eingeführt und die Mitglieder verpflichtet, bei der Anlage der Weinberge, der Auswahl der Rebsorten und der Einrichtung der Keller an den Traditionen des Naturweins festzuhalten. Zugleich werden „Notstandsmaßnahmen“ beschlossen, die es den Mitgliedern ermöglicht, nach vorheriger Genehmigung und Anzeige bei der DLG auch „verbesserte“ Weine zu verkaufen. Die Fränkischen Naturweinversteigerer verweigern entsprechenden Beschlüssen regelmäßig ihre Zustimmung. Im Rheingau endet der zweite Versuch, eine Absatzgenossenschaft für nicht versteigerungsfähige Weine, mit einem wirtschaftlichen Misserfolg. Der Trierer „Große Ring“ schafft die regelmäßigen Frühjahrsversteigerungen ab.

1959 - Jahrhundertjahrgang

Mit den Weinen des qualitativ wie quantitativ herausragenden Jahrgangs 1959 kehren die Naturweinversteigerer auf die Märkte im westlichen Ausland zurück, vor allem in die Vereinigten Staaten.

1967 - Aus für den Naturwein

Die Beratungen über das neue Weingesetz, das das Gesetz von 1930 ersetzen soll, treten in ihre entscheidende Phase. Innerhalb des Deutschen Weinbau-Verbandes (DWV) arbeiten starke Kräfte seit Jahren auf das gesetzliche Verbot des Begriffes „Natur“ oder gleichlautender Wortbildungen hin. Obwohl viele namhafte Mitglieder des VDNV an führender Stelle im DWV tätig sind, unterliegt der Verband mit seinen Anträgen zum Erhalt des Begriffs „Naturwein“. Begriff und Idee sind nicht mehr zu retten. An die Stelle von „Naturwein“ tritt mit dem neuen Weingesetz von 1969/1971 das System der „Qualitätsweine mit Prädikat“.

1971 - Neues Weingesetz und Fortsetzung der Verbandsarbeit

Nach der Abschaffung des Begriffs „Naturwein“ erwägen der VDNV sowie einzelne Regionalverbände wie die „Vereinigung Fränkischer Naturweinversteigerer“, sich aufzulösen. 16 Vertreter der nur noch 75 Mitgliedsbetriebe schrecken unter dem Eindruck einer leidenschaftlichen Rede von Peter von Weymarn, Besitzer des Niersteiner Weinguts Heyl zu Herrnsheim, in letzter Minute vor diesem Schritt zurück und er kann die Auflösung des traditionsreichen Verbandes abwenden. Das Ergebnis: Ein neuer Sitz, ein neuer Name (Verband Deutscher Prädikatsweingüter, VDP), eine neue Satzung, ein neuer Präsident (Peter von Weymarn, Nierstein), höhere Anforderungen an die Mitgliedschaft.

1972 - Die Nahe ist zurück

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich der Verband der Naturweinversteigerer an der Nahe nicht wieder konstituiert. Jetzt gründet sich ein VDP-Nahe und tritt dem Bundesverband bei. 1975 wird der VDP Württemberg ins Leben gerufen.

1973 - Gründung der Weinbörse

Unter dem Vorsitz von Peter von Weymarn wird die „Mainzer Weinbörse e.V.“ ins Leben gerufen. Sie soll die nahezu überall aus der Übung gekommenen Versteigerungen ersetzen und Wiederkäufer und VDP-Mitglieder im zeitigen Frühjahr eines jeden Jahres zusammenbringen. 1973 bestritten zehn rheinhessische Weingüter im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz die erste Weinbörse. Mittlerweile ist die Weinbörse die Fachmesse für deutschen Spitzenwein schlechthin, auf der 150 der annähernd zweihundert VDP-Prädikatsweingütern alljährlich die internationale Weinfachwelt zu Gast haben.

1978 - Rheingauer Adel

Erwin Graf Matuschka-Greiffenclau, der Eigentümer des traditionsreichen Rheingauer Weingutes „Schloss Vollrads“, wird zum Präsidenten des VDP gewählt. Mit seinem Anliegen, Wein und Küche zu verbinden, eröffnet Graf Matuschka dem deutschen Qualitätsweinbau wie der deutschen Gastronomie neue Horizonte.

1981 - Eine Spitzenweinversteigerung

Auf dem Höhepunkt der Erzeugung von Massenweinen und der Süßweinwelle veranstaltet der VDP am 19. November 1981 in der Mainzer Rheingoldhalle wieder eine „Versteigerung Deutscher Spitzenweine“. In dem Vorwort zu der Festschrift bekräftigt der VDP die Bindung der Qualität des deutschen Weins an die Lage und die Pflege der bewährten Rebsorten. Über die Mitgliedsbetriebe heißt es, sie verfügten über gute und beste Weinbergslagen und zumeist über eine lange Tradition im Weinbau, pflegten die Weine in eigenen Kellern und bauten diese sortentypisch aus. Selbstverständlich sei es für die Betriebe auch, mehrere Jahrgänge im Angebot zu haben. Alles in allem hätten die Weingüter im VDP seit Jahrzehnten einen „wesentlichen Beitrag“ zum Ruf des deutschen Weines geleistet: „Ihre Namen sind im In- und Ausland häufig auf Weinkarten vertreten und in fast allen internationalen Weinbüchern erwähnt.“ Dem Verband gehören 161 Betriebe mit 2575 Hektar Rebfläche an.

1982 - Auf eigenen Pfaden

Gut zehn Jahre nach dem Inkrafttreten des deutschen Weingesetzes beschließen die Mitglieder des VDP, verbandsintern höhere Qualitätsstandards verbindlich zu machen. Unter anderem werden die Mindestmostgewichte für Prädikatsweine angehoben. Alle Betriebe werden verpflichtet, den Traubenadler als Verbandszeichen  zu führen. Der Grundstein für den Aufbau einer Marke ist gelegt.

1985 - Auslandsmärkte zurückgewinnen

Einige Regionalvereine gehen dazu über, ihre Weine auf wichtigen Auslandsmärkten zu präsentieren. Das Bild des deutschen Weins im Ausland ist zwiegespalten: Auf der einen Seite ein Quasimonopol von Kellereien, die mit Markenweinen wie Black Tower oder Blue Nun und tatkräftiger Unterstützung von Organisationen wie dem Deutschen Weinbauverband und dem Deutschen Weinfonds das Bild den deutschen Weins als „sweet and cheap“ verfestigen, auf der anderen Seite eine kleine Gruppe von Spitzenweinerzeugern, die das Ansehen des einst sogenannten Naturweins hochhalten. Der Glykolskandal, der im Sommer 1985 publik wird, wirft deren Bemühungen um Jahre zurück. Auch deutsche Spitzenweine werden in Japan oder den Niederlanden unverkäuflich. Die Ausrichtung des VDP auf die Wahrung von Qualitätsstandards zeitigt neue Früchte. In Baden und am Mittelrhein schließen sich ambitionierte Weingüter zu Regionalverbänden zusammen und erhöhen deren Zahl auf neun.

1991 - Eine neue Ära

Mit der Wahl von Michael Prinz zu Salm-Salm (Wallhausen) zum Präsidenten beginnt eine neue Ära. Die Weingüter führen strenge Erzeugungsregeln ein (Erntemengenbegrenzung, Mostgewichtsanhebung, Vermarktungsregeln: Pflicht zur Führung des Verbandszeichens auf der Kapsel). Deren Einhaltung wird durch eine regelmäßige Betriebskontrolle überprüft. Von den 161 Betrieben, die zu Beginn der Salmschen Präsidentschaft dem VDP angehören, scheiden bis zum Jahr 2010 73 Betriebe stillschweigend aus dem Verband aus. Im selben Zeitraum werden insgesamt 108 aufgenommen.

1994 - Selbstbeschränkung

Die VDP-Güter versuchen Fehlentwicklungen des deutschen Weingesetzes durch weitere Selbstbeschränkungen zu korrigieren. So wird nach heftigen Diskussionen beschlossen, bei der Bezeichnung der Weine auf die Verwendung von Großlagen zu verzichten. Die Hervorhebung der selektiven Handlese ist die Antwort auf den zunehmenden Einsatz von Vollerntern. In Anwesenheit des englischen Weinkritikers Hugh Johnson beschließen die VDP-Mitglieder, eine eigenständige Klassifikation der deutschen Weinbergslagen zu erarbeiten.  Im Rheingau gründet der Winzer Bernhard Breuer die „Vereinigung Rheingauer Charta-Weingüter“.

2002 - Ein Klassifikationsstatut

Während der Mitgliederversammlung in Castell wird das verbandinterne Klassifikationssystem beschlossen. Es ist eine Mischung aus den besten Elementen der romanischen und der deutschen Weinbautradition. Die Kapsel mit dem Traubenadler steht für eine Klassifikation der Weingüter nach dem Vorbild von Bordeaux, die „1“ mit hochgestellten Trauben auf dem Hals der Flasche versinnbildlicht eine Klassifikation von „Erste Lagen“ analog zu dem Lagenklassifikation in Burgund, das Flaschenschild mit den Angaben von Lage, Rebsorte und Prädikat (fakultativ) adaptiert das deutsche Bezeichnungsrecht. Auf der Basis einer verbandsinternen Weinbergsklassifikation unterscheiden die VDP Weingüter künftig zwischen Guts- und Ortsweinen, Klassifizierten Lagenweinen sowie Grossen bzw. Ersten Gewächsen

2007 - Der neue Präsident

Steffen Christmann, Gimmeldingen, wird zum Nachfolger von Prinz Salm als Präsident des VDP gewählt.

2010 - Im Zeichen des Traubenadlers

Der VDP feiert sein hundertjähriges Bestehen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt gründet sich der zehnte Regionalverband.