Wein-Expertise
1937 Casteller Schlossberg Riesling
Fürstlich Castell’sches Domänenamt, Franken
1937: 1984:
Öchsle: 95,6°
Restzucker: 2,6 g
Säure: 7,2 g/l 6,2 g/l
Alkohol: 13,0 Vol.% 11,0 Vol.%
Lagenbeschreibung
Fakten:
Boden: lehmiger Ton (Gipskeuper) mit Alabastereinschlüssen
Gesamtgröße: 4,2 ha
Silvaner: 1,35 ha
Riesling: 2,12 ha
Rieslaner: 0,68 ha
Pflanzalter: 16 – 20 Jahre
Höhenlage: zw.300 und 370 m über NN
Steigungswinkel: 40 – 70 %
Exposition: Süden
Der Schlossberg selber erhielt seinen Namen von der ursprünglichen Burganlage der Grafen Castell aus dem 12. Jahrhundert, die sich auf dem Gipfel über dem Dorf erhob. Die obere Burg war Stammsitz der gräflichen Familie, bis Sie im 17. Jahrhundert in das neue Schloss im Dorf zogen. 1266 wurde der Name ’Schlossberg’ das erste Mal als Weinbergsname niedergeschrieben. Bereits seit dieser Zeit sind die Weine aus dem Schlossberg für Ihre Güte und ihren unverwechselbaren Geschmack bekannt. 1659 wurde an diesem Berg erstmals in Deutschland der Silvaner gepflanzt.
Mikroklima
Die Weinberge liegen in einem kleinen Tal an den Ausläufern des Steigerwaldes nach Süden und Südwesten ausgerichtet. Die Kuppe ist bewaldet, nach unten ist das Tal frei, so dass kalte Luft abziehen kann. Atemberaubend steil – mit Hangneigung von bis zu 70 %)
Eine weitere Besonderheit am Schlossberg sind die wilden Weinbergstulpen ’Tulipa sylvestris’.
Boden
Der Schlossberg gehört aus geologischer Sicht zum Keuper, der jüngsten Epoche der Germanischen Trias. Der Keuper entstand vor etwa 200 Millionen Jahren und gliedert sich in den Unteren Keuper (Lettenkeuper), den Mittleren Keuper (Gipskeuper, Sandsteinkeuper) und den Oberen Keuper (Rhät). Die Keuperböden gelten als weinbaulich wertvoll, da sie sich schnell erwärmen und nährstoffreich sind.
Der Casteller Schlossberg besteht vorwiegend aus Gipskeuper, einer Formation, die sich besonders durch Myophorien- und Esterienschichten (farbliche Schiefertonschichten) kennzeichnet. Besonders schöne Variation Schlossberg– weißen, rosafarbenen oder rot geäderten Alabaster.
Vegetationsverlauf
Frühfrost im Oktober 36 führte teilweise zu Augenschäden. Blüte in der zweiten Woche im Juni; der Ansatz war gut. Ende August gab es schon weiche Trauben. Lese Anfang Oktober. Die Trauben waren vollreif, es gab keine Edelfäule. Der Winter war mild und niederschlagsreich, nur geringer Schnee. Günstiges Blütewetter, Sommer warm und trocken und reich an Sonnenschein. Günstiges Erntewetter und sehr gesundes Lesegut. (aus: Winzers Freud – Winzers Leid, Der fränkische Weinbau und seine Ernten in 1200 Weinjahren; Bernhard Weisensee)
Jahrgangsbeschreibung
Vorzügliche Qualität; der Jahrgang ist unter den besten Voraussetzungen gewachsen. Reife, vollmundige Weine, harmonisch. (aus: Winzers Freud – Winzers Leid, Der fränkische Weinbau und seine Ernten in 1200 Weinjahren; Bernhard Weisensee)
Geschichte der Flasche
Spitzenweinversteigerung am 19.November.1985: Taxpreis 2.000 DM (Euro 1.023); erzielter Preis 3.200 DM (Euro 1.636)
Verkostungsbeschreibung 1984
Farbe: goldgelb, kristallklar
Bukett. tieffruchtig, feine Nase
Geschmack: schöne reife Firne, kräftige Säure, vollmundig, sehr beachtlicher Wein
Neu verkorkt
1984