Gault Millau Weinguide 2012
Joel Payne
Gault Millau Weinguide 2012
Jahrgang 2010: Selten so gut – und selten so schwach. Der »Winzer des Jahres« kommt vom Mittelrhein, der »Aufsteiger« aus der Pfalz, die »Entdeckung« aus Württemberg und die »Kollektion des Jahres« von der Saar
Selten war ein Jahrgang so gut wie 2010 – und zugleich so schwach. In der Spitze, vor allem an der Saar, gab es eine Fülle von edelsüßen Rieslingen, die ihresgleichen suchen. Gleichzeitig gab es auch einfach schlechte Weine. »Unsere Verkostungen waren also wahrlich kein Honigschlecken und zogen sich bis Ende September hin, da viele Winzer, zumal an der Mosel, wegen der hohen Säurewerte den Wein erst spät abfüllten«, erläutert der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne. 2009 konnte man fast alles blind kaufen. 2010 trennt sich die Spreu vom Weizen. Viele der trockenen 2010er besitzen nicht das Rückgrat, um harmonisch heranzureifen. Nur bei später Lese war es möglich, die Säure in Balance mit dem übrigen Extrakt zu bringen. Die nachträgliche Entsäuerung von Most oder Wein ging dagegen leider häufig schief. Im Idealfall besitzen die Weine Saft, Straffheit und einen geradezu genialen Extrakt. Sie werden mindestens so gut wie die 2004er heranreifen, schätzt der Herausgeber des WeinGuide. Doch viele 2010er sind schon heute flach und werden schnell in Vergessenheit geraten. Der Gault Millau WeinGuide versteht sich als Hilfe und übersichtlicher Ratgeber für den Weinfreund, um die besten Weine aus dem riesigen Angebot herauszufiltern. Neben dem Jahrgang 2010 sind in der diesjährigen Ausgabe auch viele hundert 2009er Rotweine gelistet. Von der Ahr im Norden, über die Pfalz und Baden bis nach Württemberg sind in diesem Ausnahme-Jahrgang zahlreiche Spitzen-Rotweine gewachsen, vor allem auch beeindruckende Spätburgunder. Im Buch werden Dutzende von neuen Betrieben vorgestellt. Die Talentdichte ist etwa an der Mosel oder in Rheinhessen enorm hoch, hat die Redaktion des Gault Millau festgestellt. Dem trägt der WeinGuide Rechnung, indem mehr Platz geschaffen wurde für diese Neulinge. Immerhin ist der neue Weinführer fast doppelt so dick wie die Ausgabe vor zehn Jahren. Damit der Weinfreund einfacher und schneller die besten und günstigsten Weine entdecken kann, stehen zahlreiche Übersichten im Gault Millau WeinGuide Deutschland 2012. Auf 914 Seiten sind in der 19. Ausgabe des Gault Millau WeinGuide nunmehr 692 Betriebe mit mindestens einer Traube verzeichnet, weitere 337 werden als empfehlenswert eingestuft. Und unter den rund 7.700 erwähnten Weinen ist manche Entdeckung zu machen! Die Redaktion hat zahlreiche Spitzenweine herausgefiltert, die für vergleichsweise wenig Geld viel Trinkvergnügen bereiten. Ein wesentliches Merkmal der deutschen Weinlandschaft ist ihre Vielfalt. Hierzulande findet der Konsument Weine für fast jeden Geschmack – er muss nur wissen wo. Dabei hilft der Gault Millau WeinGuide, der auch die neuen Trends der Weinszene widerspiegelt. Modeweine vom Sauvignon blanc bis zum Blanc de Noirs sind in diesem Führer mit ihren besten Exemplaren gelistet. Ausgefallene Rotwein-Cuvées haben ebenso ihren Platz wie die Klassiker, deren Pflege sich die Redaktion besonders verbunden führt. Hierbei stehen Spätburgunder und Riesling im Vordergrund. Der Riesling allein bietet eine ungeheure Vielfalt. Im Gault Millau WeinGuide wird sein außerordentlich facettenreiches Spektrum aufgeblättert. Kein Weingut und kein Wein von Bedeutung fehlt in diesem Buch. Dies unterscheidet den Gault Millau entscheidend von anderen Publikationen und Wettbewerbern. Erneut werden in einer eigenen Liste leichter trockener Rieslinge auch Exemplare mit 11,5 und 11 Prozent Alkohol aufgeführt, einem vielfachen Genießerwunsch folgend. Dass die Bewertungen des Gault Millau WeinGuide auch über längere Zeit Bestand haben, zeigt seit Jahren die Verkostung »Zehn Jahre danach – Bernhard Breuer Trophy«, in der vor einer Dekade getestete trockene Rieslinge nochmals auf den Prüfstand kommen, dieses Jahr zum zehnten Mal. »Unsere hoch gesteckten Erwartungen an den Jahrgang 2001 wurden nicht enttäuscht. Viele Weine haben sich eindeutig zu ihrem Vorteil entwickelt, hier scheint ein Durchbruch erreicht«, urteilt Autor Joel Payne. Sieger wurde ein »Großes Gewächs« aus dem Westhofener Kirchspiel vom Weingut Wittmann (95 Punkte). Bei der »Zehn-Jahre-danach«-Verkostung der 2001er Spätburgunder wurde nicht ganz dieses hohe Niveau erreicht. Gleichauf an der Spitze lagen letztlich zwei Weine: der Bürgstadter Centgrafenberg »R« von Rudolf Fürst in Franken sowie der »R« von Bernhard Huber aus Baden (beide 93 Punkte). 2001 gilt als klassischer Riesling-Jahrgang. Das zeigte sich auch bei der Nachverkostung der fruchtsüßen Spätlesen aus diesem Jahr. »Wie sich bei unserer Probe herausstellte, reiften sie sehr edel heran. Zwar weisen sie nicht so viel Frische wie 2002 auf, dafür punkten sie jedoch mit ihrer reifen Fruchtaromatik«, haben die Verkoster rund um Chefredakteur Joel Payne ermittelt. Drei Mosel-Spätlesen lagen mit jeweils 93 Punkten auf gleicher Höhe, jede steht für eine eigene Stilistik. Die Wehlener Sonnenuhr von Joh. Jos. Prüm ist für die Zukunft angelegt, das Piesporter Goldtröpfchen von Reinhold Haart ist opulent und cremig. Die beste Wahl für den derzeitigen Genuss ist jedoch der Niederberg Helden von Schloss Lieser. Zum »Winzer des Jahres« proklamiert die Gault Millau-Redaktion Matthias Müller vom gleichnamigen Weingut in Spay am Mittelrhein. »Mit akribischer Arbeit schaffte er den Sprung an die Spitze der Region und prägte seinen eigenen, opulenten Stil. Seine Rieslinge sind spannend und zugleich freundlich kalkuliert. Ein Leuchtturm im Weltkulturerbe Mittelrhein!«, lobt Payne den sympathischen Winzer, der das kleine Anbaugebiet zwischen Bingen und Bonn anführt. Der »Aufsteiger des Jahres« kommt aus der Pfalz: Stephan Attmann vom Weingut von Winning – Dr. Deinhard in Deidesheim. »Vor vier Jahren wurde hier ein neues Kapitel aufgeschlagen. Genauso eigenwillig wie die Weine ist der Gutsverwalter – eine echte Persönlichkeit! Ein großer Zugewinn für Deidesheim und die deutsche Weinlandschaft«, so Joel Payne. Die »Entdeckung des Jahres« hat die Redaktion in Württemberg gemacht. Es sind die Weingärtner in Cleebronn-Güglingen, die die Redaktion überrascht haben: »In kurzer Zeit wurde in dieser Genossenschaft konsequent ein neues Qualitätsbewusstsein umgesetzt. Lohn sind Weine, die großes Trinkvergnügen für kleines Geld bieten. Und die Roten gehören schon zur Gebietsspitze«, sagt Joel Payne bei der Präsentation des WeinGuide in der Rheinland-Pfalz Bank in Mainz. Der Ehrentitel »Kollektion des Jahres« geht diesmal an die Saar, und zwar an Egon Müller, der phantastische 2010er Rieslinge erzeugt hat. »Auch in kleinen Jahren sind die Weine dieses legendären Guts vortrefflich, im Jahrgang 2010 aber wurde hier pures Gold auf Flaschen gezogen. Ein Wein besser als der andere – viele davon nahe der Perfektion«, hebt die Redaktion hervor. Zum »Sommelier des Jahres« wurde Magdalena Brandstätter vom Restaurant Waldhotel Sonnora in Wittlich in Rheinland-Pfalz gekürt. Die gebürtige Österreicherin liebt gereifte Mosel-Rieslinge, forciert generell deutsche Weine und überrascht durch unkonventionelle Empfehlungen. Das hat die Chefredaktion beeindruckt. Der Titel »Weinkarte des Jahres« geht an die Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach in Baiersbronn, wo Heiner Finkbeiner und Stéphane Gass seit Jahren die Weinkultur in Deutschland mitprägen. Auf ihrer grandiosen Karte findet der Kenner nicht nur fein gereifte Weine, sondern auch etliche Schnäppchen – und das in einem der höchstbewerteten Gourmetrestaurants Deutschlands (Gault Millau Deutschland: 19,5 Punkte)! Im neuen Gault Millau WeinGuide wird es dem Genießer einfach gemacht, seinen Lieblingswein zu finden: Auf großes Interesse bei preisbewussten Weinfreunden stößt die Zusammenstellung der Betriebe mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Neben einer Liste der günstigsten Weißweingüter werden auch Produzenten roter »Schnäppchen« verzeichnet. Zudem haben die Autoren die süffigsten Schoppenweine in der Literflasche aufgeführt – Wegweiser zu guter Qualität, die nicht die Welt kostet. Zusätzlich erleichtert ein Verzeichnis von Fachhändlern den Weg zum deutschen Spitzenwein. In neun Kategorien, von denen drei trockenen Weinen vorbehalten sind, listet der Gault Millau WeinGuide die besten Weißweine des Jahrgangs 2010 und die vorzüglichsten 2009er Rotweine Deutschlands auf. Die Gruppenbesten werden als »Siegerweine des Jahres« ausgezeichnet. Drei von Ihnen stammen von der Saar (bester feinherber Riesling, beste Riesling Spätlese und beste Riesling Auslese), drei aus Rheinhessen (bester Winzersekt Brut, bester trockener Riesling und bester Edelsüßer), zwei aus der Pfalz (bester Spätburgunder und bester Weißer Burgunder). Der Jahressieger in der Kategorie »bester Riesling Kabinett« stammt von der Mosel. Der Gault Millau WeinGuide steht in der kritischen Tradition des Gault Millau Reiseführers Deutschland, der seit beinahe 30 Jahren die Küchen und Köche des Landes seiner kritischen Bewertung unterzieht und Gourmets eine Fülle von neuen Entdeckungen beschert. Bei der Bewertung der Weingüter steht die Weinqualität an erster Stelle. Der WeinGuide versteht sich aber auch als Reiseführer für interessierte »Weinreisende«: In den Beschreibungen der Weingüter finden sich Hinweise zum Anfahrtsweg ebenso wie zu Öffnungszeiten, Verkostungsmöglichkeiten, Vinotheken, Gutsausschank und –verkauf sowie besonders sehenswerte Merkmale der Weingüter. Nach dem Rückzug von Armin Diel vor drei Jahren hatte Joel Payne alleine die Chefredaktion inne. Jetzt hat er Carsten Henn zu seinem Stellvertreter berufen.
Gault Millau WeinGuide 2012: Pressemeldung [GMW2012_Pressetext.pdf, 110 KB]
Gault Millau WeinGuide 2012: Siegerweine [GMW2012_Siegerweine.pdf, 41 KB]
Gault Millau WeinGuide 2012: Ehrungen [GMW2012_Ehrungen.pdf, 41 KB]
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Über den Gault Millau Deutschland [Ueber_den_GaultMillau2012.pdf, 56 KB]
Der Text ist zum Abdruck freigegeben.
Belegexemplar wird erbeten. Texte und Bilder können heruntergeladen werden unter www.gaultmillau.de und unter www.christian-verlag.de .
GAULT MILLAU WeinGuide Deutschland 2011
19. Jahrgang, 912 Seiten, 29.95 €
ISBN 978-3862440771, Christian Verlag GmbH, München