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Eröffnungsrede Freddy Price 2005


Eröffnungsrede zur VDP-Weinbörse 2005

Freddy Price, Weinjournalist und Weinberater, England


In seinem Vorwort zu meinem kürzlich veröffentlichten Buch Riesling Renaissance schrieb Hugh Johnson: “Es gibt ein internationales, dem Freimaurertum ähnliches Zusammengehörigkeitsgefühl von Riesling-Trinkern. Wir erkennen uns gegenseitig an Zeichen, die der Uneingeweihte übersehen könnte. Und wir schreiben dieser außergewöhnlichen weißen Traube einzigartige, fast magische Eigenschaften zu.” Meine Frau Janet und ich sind für dieses Buch um die ganze Welt gereist und haben dieses internationale Zusammengehörigkeitsgefühl überall gefunden – natürlich im Elsass und in Österreich, aber auch in der Neuen Welt, wo, wie Ihnen bekannt ist, fast jedes Weingut Weine aus einer Vielzahl von Rebsorten erzeugt. Sobald die Winzer oder Kellermeister hörten, dass wir im Namen des Riesling unterwegs waren, begannen ihre Augen zu leuchten und sie erzählten uns von den deutschen Einwanderern, die die Reben vor langer Zeit in ihre neue Heimat mitgebracht hatten und von den aktuellen deutschen Weinen, die sie getrunken hatten. Manche eilten in ihren Keller und brachten eine Flasche aller eigenen Rieslingjahrgänge mit, damit wir sie probieren konnten. Helen Turley, die berühmte kalifornische Kellermeisterin, sagte einmal, dass “ Chardonnay so erzeugt wird, wie auch Milch verarbeitet wird: Beim Eintreffen in der Scheune wird die Entscheidung getroffen, ob daraus Käse oder Joghurt werden soll.” Die Moral davon ist, dass die Erzeugung eines großartigen Chardonnays eine Herausforderung für den Kellermeister darstellt, die Erzeugung eines großen Rieslings aber eine Herausforderung für den  Weinbauern.

Vor 50 Jahren, als ich die Weingegenden an Rhein und Mosel zum ersten Mal bereiste, bot jeder englische Weinhändler eine hervorragende Bandbreite deutscher Rieslinge an – großartige 1947-er, 49-er, 53-er und später 59-er. Dann, wie bei der Tsunami, deren Auswirkungen uns so schockierten, als wir Sri Lanka im Februar besuchten, machte eine Flut von Weinen, die aus minderwertigen Trauben erzeugt wurden, das 100-jährige Engagement für den Export feiner Rieslingweine von Deutschland nach England einfach zunichte.

Natürlich liebe ich auch die anderen edlen weißen Traubensorten aus Deutschland, aber, wie Jancis Robinson immer sagt ist “Riesling der großartigste Weißwein auf der ganzen Welt”. Die Sonne des Riesling geht jetzt auch in England auf, wenngleich es hier noch immer Apathie und Ignoranz gibt. Ein Importeur erzählte mir neulich, dass, als er 1985 sein von einem Deutschen gegründetes Unternehmen erwarb, seine erste Entscheidung war, alle deutschen Agenturverträge zu kündigen und sich auf Frankreich und die Neue Welt zu konzentrieren. Für ihn hat sich der Markt vollständig gedreht, seine bereits beachtlichen Verkäufe des herausragenden deutschen Jahrgangs 2001 wurden mit dem sehr guten Jahrgang 2002 verdoppelt und wachsen weiter. Heute verkauft er weit mehr deutschen Wein als Weine aus Frankreich oder der Neuen Welt. Als Türöffner braucht er zwei oder drei trockene, oder in die trockene Richtung gehende Rieslinge, die er in großen Mengen zu einem Abgabepreis von 5,99 £ verkaufen kann, diese sind aber “abgefüllt für” einen bekannten Namen und keine Gutsweine. Von diesem exponentiellen Wachstum haben alle 5 VDP-Weingüter, die er heute vertritt, profitiert. Den tatsächlichen Wachstumsmarkt bildet die Gruppe der unvoreingenommenen, sich nach oben orientierenden Weintrinker unter 35 Jahren. Sie lieben trockene Rieslinge in den traditionellen, schmalen Flaschen mit einem einfachen Vorderetikett, Rückenetikett und mit Stelvin-Schraubverschluss - und sie sind bereit, höhere Preise zu bezahlen.

Die Presse lobt die deutschen Weine in den höchsten Tönen, die wirklichen Probleme aber sind Distribution und Verfügbarkeit – die Herausgeber gestatten ihren Redakteuren nicht, über Weine zu schreiben, die ihre Leser praktisch nicht kaufen können. Die meisten Weinhändler lieben den Riesling, haben aber noch nicht das Vertrauen, die Verkäufe wirklich zu puschen. Nach meiner Erfahrung braucht, wer ein profitables Geschäft mit deutschen Weinen in England aufbauen will, eine kleine Gruppe von Lieferanten aus unterschiedlichen Anbaugebieten (mit unterschiedlichen Rebsorten), die gemeinsam am Aufbau des Geschäftes mitwirken. Auf diese Weise sind regelmäßige Lieferungen zu rechtfertigen und es werden beide Probleme gelöst – und das ist vielleicht nicht nur beim Export nach England so. Die Mitgliedschaft im VDP sollte dabei von großem Vorteil sein.

*Auf einer ganz persönlichen Ebene sind meine Frau und ich bei so vielen VDP-Mitgliedern mit offenen Armen empfangen worden und so möchten wir uns an dieser Stelle bei jedem einzelnen noch einmal ganz persönlich bedanken.
Der Name VDP ist Synonym für Qualität, ebenso wie Rolls Royce, was jetzt zu unserem Leidwesen ein deutsches Unternehmen ist. Der VDP führt mit den Bezeichnungen „Erstes“ und „Großes Gewächs“ sowie mit „Erste Lage“ an der Mosel die Revolution trockener Spitzenweine an. Ich fand es nicht ganz leicht, dies in meinem Buch zu erklären, aber die Weine sind brillant und jetzt ist die Zeit, Weintrinker weltweit zu erziehen. Die enormen Anstrengungen des VDP bauen das Prestige aller deutschen Weine wieder auf. Die Renaissance des wahren Rieslings ist da.

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Eröffnungsrede


Freddy Price