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Laudatio Rudi Wiest 2007


Laudatio zur Verleihung der silbernen Ehrennadel an Rudi Wiest an der Weinbörse 2007


Rudi Wiest: Pionier, Visionär und unermüdlicher Kämpfer für den deutschen Wein

Es fällt schwer, diesen Mann auf Anhieb einzuschätzen. Unprätentiös wirkt der Herr mit den graumelierten Haaren, betont lässig und unkompliziert. Ganz im Gegensatz zu seiner Mission: Rudi Wiest, einer der wichtigsten, manche bezeichnen ihn als den wichtigsten Importeur für deutschen Wein in den USA,

Dabei wurde ihm seine Liebe zum Wein nicht gerade in die Wiege gelegt. Es sollte fast ein halbes Jahrhundert dauern, bis der Rudi Wiest »mit Volldampf« ins Weingeschäft einstieg.
-     Er wurde im Jahr 1936 in Illertissen bei Ulm geboren – ein Schwabe, deren typische Eigenschaften er bis heute –angeblich -  nicht verleugnen kann.
-     1952, 16-jährig, wanderte er mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten aus
-     Hartnäckig und diszipliniert verbesserte er  sein Englisch indem er sich jedes Wochenende vier Filme nacheinander im Kino ansah.
-     Nach seinem Militärdienst bei der amerikanischen Luftwaffe, begann er ein Ingenieurs-Studium (auf Wunsch des Vaters, er hätte gerne Psychologie studiert) und arbeitete fast zwanzig Jahre als Datentechniker bei AT&T, von 1965 bis 1983
-     (1960 Heirat und Umzug nach CA): In diesen Jahren  spielte der Wein noch immer keine große Rolle in seinem Leben. Aber es waren Jahre, in denen sich Rudi Wiest´s Liebe zum Wein, vor allem zum deutschen Wein entwickelte und ihn zu einem der Pioniere deutscher Gewächse in den USA werden ließ.

Vom Weinnovize zum Szenenkenner
Sein erster Kontakt mit Wein waren „Billigweine“, dann stieg er um auf bessere Weine - und auf einmal wurde er derart neugierig, dass ihn das Thema nicht mehr losließ. Fortan verbrachte er seine Wochenenden in Los Angeles, stöberte voller Begeisterung in Weinläden, sprach mit den Händlern. Später lud ihn ein wichtiger Importeur (Conaisseur Imports) ein, jeden Montag an den internen Verkostungen teilzunehmen. Für Rudi die Gelegenheit und beste Schulung, über mehrere Jahre hinweg die besten Gewächse aus Bordeaux, Burgund und Kalifornien zu verkosten. Parallel begann er nebenberuflich französische Weine zu verkaufen und baute sich von der Provision langsam seinen privaten Weinkeller auf, der heute wohl an die 8.000 bis 9.000 Flaschen umfasst.

Erster Kontakt mit deutschen Weinen
Sein Schlüsselerlebnis mit deutschem Wein hatte Rudi Wiest mit einer 53er Riesling Spätlese vom Karthäuserhof. Von da an begann er, zunächst in homöopathischen Mengen, deutsche Weine zu vertreiben - ab 1977 für die Firma Cellars International, die er 1983 als alleiniger Geschäftsführer übernahm, da seine Partner NICHT an den Erfolg von deutschem Wein glaubten. Sehr zum Leidwesen seiner Frau, die »fast einen Herzinfarkt bekam«. - Nach dem zweiten „Schlüssel(erlebnis)“ einem Versteigerungs-Riesling des Jahrgangs 1971 vom Weingut Fritz Haag war er dann nicht mehr zu bremsen. Dass deutsche Weine auf dem amerikanischen Markt total vernachlässigt waren, war für ihn erst recht die Herausforderung, sich auf deutsche Weine zu konzentrieren. Er startete mit den Jahrgängen 1975 und 1976 von Fritz Haag - Goldkapsel-Auslesen. Mit ihnen gelang ihm auch sein erster großer Geschäftserfolg, »Binnen 20 Minuten verkaufte er für 19.000 Dollar Fritz Haag Wein.

Wir brauchen einen Mann wie Dich
Den Erzeuger selbst lernte er persönlich erst im Jahr 1979 kennen. Als dieser feststellte, wie viel Wein Rudi Wiest von ihm verkauft hatte, meinte er beim Treffen: »Wir brauchen einen Mann wie dich.« Gesagt, getan: Von Anfangs drei Mosel-Gütern stieg das Portfolio rasch an, dabei hatten nur VDP-Güter eine Chance, weil diese für Rudi Wiest das Synonym für Qualität waren. Heute ist die ganze Familie Wiest im Familienunternehmen Cellars International engagiert, führt über 20 VDP-Weingüter aus nahezu allen Anbaugebieten Deutschlands und vertreibt diese in fast allen 50 Staaten der USA. Und nach Meinung Rudi Wiests hat die (Riesling-)Renaissance in den USA gerade erst begonnen.

Doch diesen Erfolg zu erlangen war alles andere als einfach. Jahre von Überzeugungsarbeit für den deutschen Wein bei Fachhandel und Gastronomie hatte er zu leisten - durch alle Höhen, Tiefen und Krisen, die die deutsche Weinwirtschaft in dieser Zeit erschütterte. Heute sind die Weine aus seinem Portfolio in den besten Restaurants der USA vertreten. Rudi Wiest´s Weine sind mehr als gefragt. Das mag, neben der Qualität der Gewächse, wohl auch daran liegen, dass der Importeur für seine Direktheit und Offenheit berühmt-berüchtigt ist. Er sagt, was er denkt, den Winzern, Händlern und Gastromomen gegenüber. Aber auf sein Wort ist auch Verlass, dafür wird er respektiert und geschätzt.

Die wichtigste Konstante im jährlichen Kalender sind die »Verkostungstouren« nach Deutschland. Ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Leidenschaft widmet er diesen, wenn er mit seinem Team die deutschen Anbaugebiete bereist und die 25 Erzeuger aus seinem Portfolio besucht. Im Mittelpunkt: der neue Jahrgang – harte Arbeit - keine feucht-fröhliche Weinreise - schließlich wird das ganze Jahr auf diesen Proben aufgebaut«. Selbst während der Lese telefoniert er fast täglich mit »seinen Winzern«. Und diese bewundern, wie schnell er die Komponenten eines Weines erfasst, wie schnell er die Komplexität der Gewächse erkennt. Fähigkeiten, die von einem intimen Kennen der Weine über Jahre und Jahrzehnte hinweg zeugen. Und dann die Begeisterung, wenn er das Terroir schmeckt, wenn er die Klarheit und Brillanz eines Weines auf der Zunge spürt. Begeisterung weitergeben zu können, auch das ist eine der Stärken von Rudi Wiest.

Er ist ein Pionier, ein Visionär und ein unermüdlicher Kämpfer für den Deutschen Wein. Das  hat ihn zu einem der größten und  gefragtesten Importeure für deutsche Premiumweine in den Vereinigten Staaten gemacht

Für dieses Lebenswerk, lieber Rudi, möchten die Prädikatsweingüter Deutschlands ihre übergroße Anerkennung mit der Verleihung der silbernen Ehrennadel zum Ausdruck bringen.

Und ich kann selbst keine besseren Worte finden, als der amerikanische Master Sommelier und Master of Wine Doug Frost:

“For those of us who were weaned on German estate wines from the beginnings of our careers, Rudi Wiest was a godsend to the American market when he began his business. For countless others who have discovered the essential and unique greatness of German estate Riesling, Rudi has been a primary catalyst for a new understanding and love for these great, historical and thoroughly modern wines.”  Doug Frost M.S. / M.W. (Quote from Doug Frost, who is one of only two people in America that I am aware that is both a Master Sommelier and Master of Wine)."

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Verleihung Ehrennadel


Rudi Wiest, Prinz Salm (VDP)